Heute ist der 29.3.2026. Es sind heute 6 Monate, seitdem mich mein Bruder ins Krankenhaus nach Hamburg gefahren hat. Es fühlt sich im selben Moment nach “Was, erst 6 Monate?” und “Häh, schon 6 Monate?” an. Und das ist — offen gesagt — in seiner Gleichzeitigkeit äußerst verwirrend.
Sie leuchtet immer noch ein wenig rot. Vielleicht wird sie das auf Dauer. Wenn ich im Bad nackt vor dem Spiegel stehe, gerade aus der Dusche getreten und mich abtrockne, sehe ich sie. Dann erinnert sie mich an diesen Tag Ende September.
Die OP ist überstanden. Die erste Zeit nach der OP, die so viele Risiken barg, liegt wohl auch hinter mir. Die OP, deren Erwartung mich viele Jahre begleitet hat. Und doch muss mich manchmal die Narbe daran erinnern, dass die letzten 6 Monate passiert sind.
Mein Brustkorb war offen. Menschen hatten ihre Hände in meinem Brustkorb. Nicht auf. In. Ein Gedanke, der immer noch fremd erscheint. 6 Monate später habe ich immer noch nicht so ganz meinen Frieden damit gefunden.1
Ich habe durch eine Rechnung vom Krankenhaus erfahren, dass ich 154 Minuten an der Herzlungenmaschine war. Diese Information fehlte irgendwie im Arztbericht. Ein weiteres Puzzleteil, um die zwei fehlenden Tage Ende September zusammenzusetzen. Die roten Punkte an meinem Hals, wo sie angeschlossen war, sind verschwunden. Die Gedanken daran nicht.
Konzentration ist immer noch nicht wirklich selbstverständlich. Sie ist auch heute noch ein begrenztes Gut. Ich spare sie mir für meine Arbeit auf. Ich schlafe wenig, aber mittlerweile gut. Manchmal fühle ich mich fremd in meiner eigenen Zeitzone.
Schreiben hilft. Gibt mir Fokus. Bleibt anstrengend. Bücher laugen mich noch aus. Lesen will dosiert sein.
Ich gehe seit einigen Wochen mit den Vögeln ins Bett. Ich bin müde, wenn sie müde sind. Und stehe mitten in der Nacht auf. Lange bevor der erste Pieps hörbar wird. Die Welt schläft zu dieser Zeit vielleicht nicht, aber sie ist noch leise. Ich kann mich sammeln. Ich habe die Unruhe des Abends verschlafen. Es ist die Zeit, in der ich schreibe. Es fühlt sich dann leicht an. Es fühlt sich notwendig an.
Das Blog hat sich verändert. Es soll jetzt mehr sein als Technik. Ein Ort, an dem ich überdauere. Wenn ich nicht mehr da bin. Etwas, das schneller passieren kann, als ich dachte.
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Es ist gut, dass mich mittlerweile die Narbe erst erinnern muss. Ich möchte daran nicht ständig denken müssen. ↩
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