In den meisten postapokalyptischen Filmen, die ich so kenne, fangen die Menschen irgendwann an, die präapokalyptischen Überreste einer vermeintlich besseren, aber vergangenen Zeit zu etwas Neuem zusammenzufügen. Oft, um in dieser Welt zu überleben. Mad Max fällt mir da als Film ein. Selten, um versehentlich auf dem Weg zur tropischen Insel eine bessere Welt zu schaffen, wie im Fall der Phoenix von Zefram Cochrane1.
Irgendwie habe ich gerade ein ähnliches Gefühl, wenn es um das Zusammenstellen neuer Technik für mein Homeoffice geht. Ich lebe in einer Zeit, in der das Versprechen von immer mehr Leistung für immer weniger Geld nicht mehr gilt. Denn dieses wurde preislich durch das “Age of the WTF!?!?” ersetzt. Als Privatperson kauft man ja de facto auf dem Spotmarkt, und der scheint momentan nur einen Weg zu kennen … jenen nach oben.
Ich hege die Vermutung, dass ich mit Scalping auf Grafikkarten momentan mehr Gewinn machen würde als mit meinen ETFs. Ich bin froh, dass ich mich durch meine Mac-Nutzerschaft wenigstens für den Desktop ein wenig aus dem Komponentenkaufgeschäft heraushalten kann, auch wenn ich da preislich Kummer gewöhnt bin.
Ich hatte bisher immer die Neigung, in einem gesunden Rahmen beim Neuesten zu gucken und dann zu kaufen. Zunehmend richte ich aber meine Investitionen danach aus, möglichst viel von meinem Altbestand irgendwie weiternutzen zu können.
Gemerkt habe ich das vor einigen Tagen: Ich stellte fest, dass für bestimmte Tests 64 GB in einem MiniPC schon ganz schön wären. Ich brauchte mehr VMs. Viel mehr VMs. Sehr viel mehr VMs.
Ich verwende einen UM890Pro von Minisforum als Virtualisierungsumgebung unter Proxmox. Den habe ich schon eine Weile. Der MiniPC hatte mal 64 GB. So hatte ich ihn gekauft. Nur hatte ich irgendwann einen 32-GB-Riegel davon genutzt, um einem Ugreen-NAS mehr als die mitgelieferten 8 GB zu geben. Ich wollte schnell mit dem NAS in Betrieb gehen. Sowohl das NAS als auch der MiniPC nutzten die gleichen DIMMs. DDR5 SODIMM. Klasse! Schraubendreher. DIMM-Transplantation.
Ich brauchte die 64 GB im MiniPC damals nicht wirklich. Ich dachte: “Ach, die 32 GB kaufst Du irgendwann nach”. Ja, mag sein, dass dadurch der MiniPC etwas langsamer wurde. Aber ich brauchte die letzten Prozent Performance ebenfalls nicht. Aus irgendwann wurde nie, weil ich die fehlenden 32 Gigabyte nicht vermisste. Und vielleicht wären die 48-GByte-DIMMs ja preisgünstig geworden. 96 GB hatte schon seinen Reiz.
Guter Plan? Ja, vielleicht, damals. Die Kräfte des Marktes lachten jedenfalls über diesen Plan.
Fast forward. Wir schreiben Juni 2026. Aus nie wurde eines Sonntags die Notwendigkeit für “Jetzt”. Ich brauchte diesen Speicher. Dem NAS den Riegel wegnehmen war keine Option. Das NAS brauchte den Hauptspeicher ebenso. Vielleicht keine 32 GByte, aber definitiv mehr als die mitgelieferten 8 GB und auch mehr als 16 GB. Immer wieder das DIMM aus dem NAS klauen und für die Tests in den MiniPC einbauen? Sichere Anleitung, irgendwann die Herrscher der Elektrostatik zu erzürnen und dann ganz ohne Speicher dazustehen.
Also dachte ich: Okay … kaufe ich sie halt neu und stelle mich schon mental auf einen Faustschlag ins Gesicht ein. Ich wusste einigermaßen, was mich erwartet. Gehe auf die Webseite eines Hardwarehökers in der Nähe meiner alten Heimat (alte Verbundenheit) und lese etwas von aufwärts von 340 Euro, nächster Händler 399 €, noch nen Händler 359,00 €. Nee, ne?
Okay … was habe ich denn noch so rumstehen? Mad Max – Jenseits der Komponentenkiste. Man traut sich ja schon fast nicht mehr, irgendwas noch wegzuwerfen.
Ein Fehlkauf sollte die Lösung sein: Mein letztes Jahr gekaufter refurbishedter … refurbischter … äh … gebraucht erworbener HP EliteDesk 800 G5 hat 32 GB, allerdings erstens als DDR4 und zweitens in Form von zwei Riegeln. Das, was ich mit dem System vorhatte, als ich es bestellte, ging sich leider nicht aus. Also fristete er sein Dasein auf meinem Schreibtisch als gelegentliches Docker-Testenvironment. Eher so eine Beschäftigung als Fenstergucker denn wirkliche Nutzung.
Aber da wären 32 Gigabyte. Aber sie passten natürlich weder in den MiniPC noch ins bisherige NAS. Schon alleine, weil es eben zwei Module waren.
Eigentlich musste also neuer Hauptspeicher her. Trotzdem hab ich es nicht so ganz eingesehen, so viel Geld für 32 GB Notebookspeicher auf den Tisch des Hauses zu legen. So alleine vom Materialwert. So ein kleines Tüddelplatinchen für so viel Euro.
In der Zeit bin ich über den Nachfolger des NAS-Systems gestolpert. Ich hatte bisher ein UGREEN NASync DXP2800. Den hat UGREEN kürzlich umgearbeitet und in einer leistungsstärkeren Version herausgebracht und mit dem Namenszusatz GT versehen.2
Interessanterweise hat dieses System aber einen entscheidenden Rückschritt gemacht: Es nimmt DDR4 an. DDR4? Heureka! Oder dessen Haushaltsversion in Form der flackernden Glühbirne über dem Kopf.
Da der GT neu im Angebot war, habe ich diesen für 399 € erworben. Etwa zu dem Preis, zu dem ich Marken-DIMMs bei den Hökern meines Vertrauens gesehen habe. Okay, jetzt erstmal kein Geld gespart, aber dafür jetzt 10 GBit und eine schnellere CPU. Und deutlich mehr Hardware in der Hand als das Tüddelplatinchen.3 Man bekommt Barebones ja immer noch zu einem recht guten Preis. Aber mit den Komponenten, die man braucht, um das Gerät standesgemäß in Betrieb zu setzen, wirds dann halt teuer.
Was habe ich also gemacht? Ringtausch mit Ausrede zum Hardwareneuerwerb - vorerst ein letztes Mal! Mir nen neues NAS gekauft, um den Speicher des HP im NAS zu verwenden. Damit habe ich mein 32-GB-DDR5-SODIMM wieder zurückbekommen, damit ich es wieder in den MiniPC stecken kann. Tilt.
Der EliteDesk funktioniert natürlich nun nicht mehr. Ihm wurde sein Gedächtnis genommen und er wartet darauf, in die Kiste gelegt zu werden. Oder mit Funden aus dieser Kiste wiederbelebt zu werden.
Das Ganze fühlt sich ein wenig nach der Situation eines völlig anderen Films an: “Der tapfere kleine Toaster als Retter in der Not”, als das kleine Radio seine WFC-11-12-55 an den Supercomputer “Wittgenstein” weitergibt und sich damit opfert, um einige Hunde zu retten. Schnüff. Ich bin gerade auf der Suche nach dem 8-GByte-Modul, das sich binnen kürzester Zeit nach dem Umbau als verschollen herausstellte. Oder ich bekomme noch 32 Gigabyte DDR4 aus Nome.4
Das alte NAS hat mittlerweile eine neue Heimat gefunden5. Wobei ich mich wie gesagt ernsthaft frage, ob es eine gute Idee ist, momentan irgendwelche Hardware wieder herzugeben. Zumindest wurde der Tausch dadurch wirtschaftlich etwas sinnvoller.
Geschichte zu Ende? Nee. Warum brauchte ich die zusätzlichen 32 Gigabyte? Die vielen VMs … einige davon sind wirklich wichtig geworden für das, was ich so über den Tag hinweg mache. Es ist nicht mehr nur mein Homelab. Eine gemirrorte Disk wäre da jetzt ganz angemessen. Und damit ging das Drama auf die zweite Etappe.
Ich hatte mir damals für den EliteDesk eine ganz gute SSD geleistet. 512 GB. Für gute 50 €. Nach dem Hauptspeicher-Uppercut kam nun der SSD-Jab. Der Hersteller meiner SSD verkauft die nicht mal mehr als 512-GB-Version. Zwei 1-TB-SSDs neu zu kaufen war zwar nicht außerhalb meiner finanziellen Möglichkeiten – so teuer sind sie dann doch nicht geworden –, aber ganz eindeutig außerhalb meines finanziellen Wollens. Irgendwo sind auch beim Nerd Schmerzgrenzen erreicht.
Ich habe mir eine Billig-SSD gekauft, also steckt jetzt neben der sehr hochwertigen SSD eine SSD aus der Grabbelkiste. Bisher vertragen sie sich. Vielleicht gibt es keinen Klassenkampf zwischen den beiden, weil die einfache SSD heute einfach mal doppelt so teuer ist wie damals die hochwertigere. “Du magst doppelt so gut sein, ich bin aber doppelt so teuer”. Aber mit dieser Konfiguration lässt sich weder ein Staat machen noch vernünftigerweise ein RAID-1 bauen. Zu unterschiedlich die Charakteristiken in Haltbarkeit und Leistung. Was ich jetzt mache? Es läuft ein stündliches Backup der VMs auf die preisgünstige SSD und täglich eines auf das NAS. Statt RAID jetzt Dauerbackup. Es scheint jetzt alles zu funktionieren.
Meine zwei 4-TB-SSDs im NAS kosten mittlerweile weit über 1200 Euro. Ich hoffe gerade inständig, dass davon keine kaputtgehen wird.
Nun habe ich eine total merkwürdige Storagekonfiguration im Virtualisierungsserver und eine bunte Mischung aus Alt- und Neukomponenten im NAS. Ich glaube, ich werde meinen MiniPC in Rockatansky umbenennen.
Zefram hat die Vulkanier mit seiner handgedengelten Rakete auf sich aufmerksam gemacht und bei Mad Max sind die Leute auch von A nach B gekommen, auch wenn weder A noch B besonders wünschenswerte Orte waren. Und wenn ich ehrlich bin: Ich brauche zuhause nicht mehr Leistung, als sie mir die Hardware gibt, die ich schon eine Weile habe. Wenn etwas meine Systeme wirklich auslastet, sind es amoklaufende Browser. Und damit melde ich mich das erste Mal seit vielen Jahren aus dem Nachbeschaffungszyklus ab, in dem ich mich seit einer Quantum Bigfoot 1995 mitdrehe.
PS: Wie ich das alles dem Finanzamt erklären soll? Keine Ahnung.
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Jaha, Star Trek spielt nach einer Apokalypse. Ich habe mich nur immer gefragt: An wen will Zefram den Warpantrieb in einer postapokalyptischen Welt verkaufen? An einen Milliardär, der der Welt entfliehen möchte? ↩
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Aber ohne Racing Stripes am Gehäuse. Sie haben die bisherigen Chromimitate durch etwas edlere Imitate eines anderen Metalls ersetzt. ↩
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Leider ist das System momentan nicht mehr zu diesem Preis erhältlich. Es lohnt sich, nach gelegentlichen Sales zu gucken. So habe ich das non-GT-System recht preisgünstig erworben. ↩
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Ich habe damals den Film mit meiner kleinen Schwester gesehen. Und noch heute bei der Szene, in der die Röhre ins Bild rollt und einem sofort klar ist, was passiert ist: Schnüff. Doppelschnüff. Auch viele Jahre später noch.6 Wie kann man das in einem Film für Kinder zeigen? Was wäre gewesen, wenn die Ersatzröhre aus Nome nicht angekommen wäre? Was? ↩
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Ohne Hauptspeicher. Bei der neuen Besitzerin soll das System auch wieder mit 32 GB laufen. Und ich bin momentan wenig geneigt, Hauptspeicher abzugeben, sondern beuge mich über ihn, um “Meiiiin Schaaaaaatz” zu krächzen. Auch wenns nur 8 Gigabyte sind. Und auch, wenn ich nicht weiß, unter welchem Stapel es momentan vergraben ist. Ich weiß, es ist da. Für ein 48-GB-DIMM würde ich vermutlich zu Smaug werden. ↩
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Und warum zum Henker erinnere ich mich daran noch so genau? ↩