Douglas Adams schrieb in “Lachs im Zweifel”:

  1. Alles, was es schon gibt, wenn du auf die Welt kommst, ist normal und üblich und gehört zum selbstverständlichen Funktionieren der Welt dazu.
  2. Alles, was zwischen deinem 15. und 35. Lebensjahr erfunden wird, ist neu, aufregend und revolutionär und kann dir vielleicht zu einer beruflichen Laufbahn verhelfen.
  3. Alles, was nach deinem 35. Lebensjahr erfunden wird, richtet sich gegen die natürliche Ordnung der Dinge.

Ich weiß nicht, ob das für meine Branche uneingeschränkt gilt, bei der es aus Sicht der Karriere überlebenswichtig ist, jedwede Entwicklung zumindest am Rande mitzumachen. Sich ständig weiterzuentwickeln.

Es gibt aber eine Nebenfolge aus dem zweiten Satz von Douglas Adams. Dein Kopf ist voll mit Dingen, die mal total wichtig waren, heute ohne Bedeutung sind, du aber immer noch im Schlaf könntest. Du kennst immer noch die wichtigsten AT-Befehle aus dem Hayes-Befehlssatz. Du erinnerst dich immer noch, warum du dich damals für eine AVM-Karte und nicht für die Teles-Karte entschieden hast. Kannst immer noch den Switch einer längst vergessenen Firma konfigurieren. Livingston Portmaster sind wie als würdest du nach langer Zeit nach Hause kommen und dein Jugendzimmer sieht immer noch aus wie früher.1 Welle oder nicht Welle … das war nicht eine, sondern die Frage.2 Und all das ist Technik aus dem letzten Jahrtausend.

An dieser Stelle fühlt sich das Hirn so an wie jene Kiste mit Kabeln im Keller. Man ist sich sicher, dass man sie noch mal brauchen könnte, bewahrt jedes Kabel auf. Aber wenn man ehrlich ist, sind jene Tage, an denen man dann wirklich ein Kabel daraus entnimmt, eines eigenen Feiertags wert. Es fragt nur nie jemand nach dem gesammelten Wissen, Trumpet Winsock zu bändigen.

Alles nach 35 ist vielleicht nicht wider der natürlichen Ordnung, aber lange nicht mehr so spielend einfach.

Nicht dass man es weniger gut könnte, oft aufgrund all der Erfahrung, die man gesammelt hat, sogar besser. Aber es fühlt sich nicht mehr so an, als würde es sich so tief ins Gehirn eingraben, dass man nach 30 Jahren immer noch ohne Nachzudenken die Verbindung beenden könnte: +++ATH


  1. Mitsamt der rausgestreckten Zunge von Albert Einstein oder dem Bravo-Starschnitt. Je nach persönlicher Nerdigkeit. 

  2. Beim Kauf einer Sun Enterprise E10k. Die man natürlich nie so nannte. Sondern nur: Starfire. Sie hatte auf einer Seite keine glatte Gehäusefront, sondern eben die “Welle”. 

Written by

Joerg Moellenkamp

Personal opinions, observations, and thoughts