Ich habe den letzten Text mit “Schmeichelmaschine” überschrieben. Genau das war mein Gefühl, als ich die beiden Fragen gestellt habe. Der Default von LLMs ist die Schmeichelmaschine.

Was war so unterschiedlich an den Antworten? Alles. Aber die Unterschiedlichkeit war nicht das Problem. Es war ein Umstand, den beide Antworten gemeinsam hatten: Beides fühlte sich wie eine zutiefst übertriebene Performance an. Auf der einen Seite ein Kindergärtner für Erwachsene, der jedes Bild lobt, und sei es noch so dahingekritzelt. Dem gegenüber stand ein übelst gelaunter Lektor, der Demütigung als ehrliche Kritik verkauft: “Kannst nicht erzählen, kannst nicht schreiben. Sei froh, dass ich ein Automat mit unendlich Zeit bin.”

Es fehlte etwas in beiden Antworten: Herr W. Der gleichzeitig “streng” und “fair” konnte. Der sein Urteil nicht Wohlwollen unterordnete, wo Wohlwollen nicht angemessen war. An dessen Kritik man sich rieb und dadurch lernte.

Ich sehe in den beiden performativen Extremen der LLMs eine Gefahr. Es fehlt der Widerstand, an dem man wächst. Bloßes Lob versus bloße Demütigung.

Ich frage mich heute, wie Herr W. einen wohlpolierten und hochgelobten Text aus dem Kindergarten-Lektorat der Maschine bewertet hätte. Und wie ich auf seine deutlich realistischere Einschätzung reagiert hätte. Immerhin war ich ja schon auf dem Weg zum Literaturnobelpreis.

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Joerg Moellenkamp

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