Dies ist keine Rezension, ich verteile auch keine Sterne. Dies ist Teil meiner kommentierten Leseliste. Das, was mir als erstes durch den Kopf geht, wenn ich das Buch in die Hand nehme. Mehr dazu in diesem Blogbeitrag.
geschrieben am 8. November 2026, gelesen Juli 2017
Ich mag eigentlich keine Hörbücher. Ich lese schneller, als im Hörbuch gesprochen wird. Und beim Autofahren mag ich diesen merkwürdigen Effekt nicht, dass man 100 Kilometer gefahren ist und dann irgendwie nicht so recht weiß, wie man dorthin gekommen ist, weil man die Aufmerksamkeit zwischen Auto und vorgelesener Geschichte geteilt hat. Ich hasse das. Seit ich einmal an einer Raststätte ums Auto herumgelaufen bin, um nachzusehen, ob ich nicht doch irgendetwas mitgenommen hatte, lasse ich das eigentlich. Ich hatte von der Fahrt einfach nichts mitbekommen.
Einmal gab es eine Ausnahme, und sie ist der ganz andere Grund, warum ich Hörbücher nicht mag: Auf einer Urlaubsreise mit meiner damaligen Partnerin füllte Herr Kerkeling das Auto anstelle einer Unterhaltung. Sie hatte die SD-Karte fürs Autoradio mitgebracht. Es war eine sehr seltsame Reise. Eigentlich hätte ich den Urlaub absagen sollen. Die Zeichen standen an der Wand. Unübersehbar und in Plakatgröße.
In diesem Zusammenhang war es schon ein kleines bisschen ironisch, vielleicht aber auch ein wenig prophetisch, dass es in dem Hörbuch um eine Reise und um Erkenntnis ging. Genauer gesagt um seine Wanderung auf dem Jakobsweg, die er in „Ich bin dann mal weg“ beschrieben hat.
Ich bin selbst lieber unterwegs als am Ziel. Aber ich habe überhaupt keinen religiösen Unterbau, deshalb reizt mich der Jakobsweg so gar nicht. Ich glaube allerdings, dass viele von Kerkelings Erkenntnissen gar nicht so sehr vom Weg abhingen, sondern vom Reisen selbst. Man muss nicht unbedingt einem Pilgerweg folgen, eigentlich reicht die eigene Nase. Eine spirituelle Erfahrung bekäme man bei mir auf Reisen ohnehin nicht einmal mit Weihrauch-Druckbeatmung hin – dazu bin ich in vielen Dingen einfach zu verkopft.
Aber der Rest? Das Ausbrechen aus dem Hamsterrad, die körperliche Grenzerfahrung – das ist ziemlich genau das, was ich auf meinen langen Radtouren erlebt habe. Allein morgens durch die Landschaft fahren. Den Kopf leer bekommen.
Es sind die vielen kleinen Geschichten, die das Buch so interessant machen. Etwa, dass er einer Reisebegleiterin erst einmal erklären musste, dass er schwul ist, weil sie hinter seiner Freundlichkeit unlautere Absichten vermutete. Als Deutscher weiß man das natürlich. Aber welche Engländerin kennt schon Hape Kerkeling? Eine andere Stelle hat meinen Respekt vor ihm schon lange vor seiner Rede im Thüringer Landtag deutlich wachsen lassen: die Episode mit dem Hund. Was passiert ist, verrate ich nicht. Nur so viel: Chapeau!
Den Film, der einige Jahre später entstand, habe ich mir nicht angeguckt. Ich möchte meine eigenen Bilder im Kopf behalten. Außerdem habe ich ein leichtes Problem mit deutschen Filmen.
Ich denke, das Buch ist auch für Menschen wirklich interessant, die sein übriges Werk nicht mögen.1 Auch wenn man „Hurz!“ nicht mehr hören kann und die Nummer mit der niederländischen Königin so lange her ist, dass sie fast schon nicht mehr wahr ist: In diesem Buch spricht der Mensch Kerkeling und nicht der Komiker (auch wenn der immer wieder durchscheint).
Nach der Rückkehr sprachen meine damalige Partnerin und ich nur noch einmal miteinander. Kurz. Seitdem nie wieder. Auch das Hörbuch habe ich nie wieder gehört. Inzwischen besitze ich aber eine gedruckte Ausgabe, in der ich dann und wann sehr gern lese. Nur Hörbücher höre ich seitdem keine mehr.2
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„Samba in Mettmann“ ist einer der wenigen Filme, die ich vorzeitig verlassen habe. Wir saßen im falschen Saal. Als andere Besucher uns darauf hinwiesen, dass wir auf ihren Plätzen saßen, behaupteten wir im Brustton der Überzeugung, richtig zu sitzen. Nach der Werbung merkten wir unseren Irrtum. Die anderen hatten allerdings nicht bemerkt, dass wir im falschen Saal saßen. Also beschlossen wir, zur Gesichtswahrung einfach sitzen zu bleiben. Nur: Das gesichtswahrende Sitzenbleiben war mir bei diesem Film schlicht unmöglich. ↩
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Mir fällt da gerade etwas Wichtiges ein. Ich muss das präzisieren: Ich meine Hörbücher für mich. Hörbücher für mitfahrende Kinder fallen nicht unter diese doch recht absolute Aussage. ↩