Dies ist keine Rezension, ich verteile auch keine Sterne. Dies ist Teil meiner kommentierten Leseliste. Das, was mir als erstes durch den Kopf geht, wenn ich das Buch in die Hand nehme. Mehr dazu in diesem Blogbeitrag.
geschrieben am 4. November 2026, gelesen November 2025
Ich will in meiner Leseliste mal zur schwereren Literatur kommen. Was für ein Wälzer. Es ist die Trisolaris-Trilogie in einem Buch: 1740 Seiten. Das Buch wiegt einiges.
Dies war das Buch, das mich letztlich durch meine OP begleitet hat. Darauf gekommen bin ich durch die Netflix-Serie und die Neugier, wie es wohl weitergeht. Auf die zweite Staffel wartet man ja bis heute. Da noch Folgen ausstehen, werde ich nicht so viel über die Handlung schreiben – so ziemlich alles wäre sonst ein Spoiler.
Ich fand das Buch wirklich gut. Es hat nur ein Problem mit mir als Leser: Es muss mir viel erklären. Dazu verwendet es Fußnoten,1 die erläutern, wie sich etwas herleitet und wo es im chinesischen Denkgebäude einzuordnen ist – neben anderen, die wissenschaftliche Begriffe erklären. Das hemmt aber doch den Lesefluss.2
Es ist halt alles ein wenig ungewohnt. Bei europäischen Autoren erkenne ich meist relativ schnell die kulturellen Bezugspunkte, in denen sie sich bewegen. Diese sind mir zumindest in Grundzügen vertraut. Bei chinesischen Autoren fehlt mir diese Selbstverständlichkeit – genauso wie bei Autoren aus den vielen anderen, ebenso vielfältigen Kulturen Asiens.
Chinesische Autoren schöpfen aus einem reichen, mehrtausendjährigen kulturellen Fundus, von dem ich ehrlich gesagt wenig weiß. China kam in der Schule schlichtweg nicht nennenswert vor. Und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass es für weite Teile Asiens nicht anders aussieht. Vielleicht erkennt man den Kulturbanausen in mir, wenn ich sage, dass ich – abgesehen von wenigen japanischen Filmen (von denen dann auch noch so einige aus der Kategorie „Godzilla vs. Irgendwas“ stammen) und jeder Menge Anime und Mangas – deutlich mehr Kontakt mit japanischer Geschichte als mit japanischer Kultur hatte. Wobei es da natürlich große Überschneidungen gibt, da man das eine nicht ohne das andere sehen kann.
Bei China fehlt mir dieser Kontext noch mehr. Es sind nur sehr wenige, sehr ausgewählte und vermutlich verwestlichte Blicke, die ich auf diese Kultur geworfen habe. Ich nehme mir zwar immer vor, diese Lücke endlich zu füllen, doch dann macht man es sich am Ende doch mit etwas Leichtem aus dem westlichen Kulturkreis auf dem Sofa gemütlich. Ich wäre hier für Empfehlungen sehr dankbar, die einen auch ohne 1700 Seiten dorthin führen.3
Ich habe Bücher von Autoren aus der halben Welt gelesen – aber eben nur aus der halben. Und das sehe ich mittlerweile als großes Versäumnis.4 Noch größer ist meine Lücke bei afrikanischen Autoren. Ich habe viele Bücher über afrikanische Geschichte gelesen,5 aber wenig Belletristik von diesem Kontinent. Das hängt vermutlich auch damit zusammen, dass ich grundsätzlich eher zu Sachbüchern greife.
„Trisolaris“ wurde für mich zu einem spannenden Buch – spätestens, nachdem ich jene Frage einstweilen abgeschaltet hatte, mit der Kinder ihre Eltern und Nichten und Neffen ihre Onkel in den Wahnsinn treiben: das hochrekursive „Waaaarum?“. Die Endnoten habe ich mir dann später gesammelt durchgelesen – jeweils mitsamt der Textstelle, auf die sie sich bezogen. Dadurch las sich das Buch deutlich flüssiger. Immerhin habe ich es während der 5 Wochen, die ich mit meiner OP beschäftigt war, vollständig durchgelesen.
Und damit sind wir bei meinem Hauptproblem mit dem Buch, das so gar nichts mit dem Buch zu tun hat: Ich bin mir nicht sicher, ob ich alles gelesen habe. Ich habe da das Gefühl, irgendwie ein Erinnerungsloch zu haben. Vermutlich habe ich in dieser Zeit einige hundert Seiten zwar mit den Augen, aber nicht mit dem Hirn gelesen.
Ich denke, ich habe diesen schwersten Gegenstand in meinem Krankenhausgepäck einfach zum falschen Zeitpunkt gelesen. Es kam halt alles zusammen: ein rein äußerlich sperriges Buch, sperrige Zeit, sperrige Situation, etwas sperriger Inhalt. Ich hätte mir Comics mitnehmen sollen.
Ich werde das Buch daher alsbald noch einmal lesen müssen. Ich schätze, so 200 bis 300 Seiten sind meinem löchrigen Gedächtnis jener Zeit zum Opfer gefallen.
Das Problem: Ich weiß nicht genau, welche Seiten das waren – ich kann mich ja nicht mehr richtig erinnern. Im Grunde müsste ich die Hälfte des zweiten Teils und den gesamten dritten Teil noch einmal lesen. Aber erst muss der aktuelle Stapel runtergelesen werden. Wäre ja auch zu einfach, wenn ich mich noch erinnern könnte, wo ich anfangen müsste – an der richtigen Stelle aufhören bekomme ich dann schon hin.6
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Genau genommen sind es Endnoten: Sie stehen in meiner Ausgabe auf den Seiten 1699 bis 1738. Und mit deutlich mehr als zwei Kilo7 und einer Sternotomie war das Hin- und Herblättern durchaus herausfordernd. ↩
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Ja, ich bin mir der Ironie bewusst, dass ich in meinen eigenen Blogtexten Fußnoten verwende, als wäre mir von einem Salzstreuer der Deckel abgefallen. ↩
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Seltsamerweise verspüre ich wenig Lust, nach China zu reisen. Und ich habe keine Ahnung, warum. Vielleicht, weil Japan und Südkorea als Wunschziele eben Vorrang haben – und noch einmal Singapur, um zu gucken, wie sich das alles in 25 Jahren entwickelt hat. Da ich momentan – anders als früher – selten in die Ferne reise und auch noch Kanada und Australien/Neuseeland auf der Wunschliste stehen, ist China ein Land, dem ich mich über Bücher nähern werde. ↩
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Auf meiner Bucketlist steht Japan als Reiseziel sehr weit oben. Ich hoffe, es möglichst bald von dieser Liste streichen zu können. Ich weiß aber auch, dass das nur ein Eintauchen mit dem kleinen Zeh wäre. Aber es stört mich, dass Singapur alles ist, was ich von Asien kenne. ↩
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Vielen Dank an jenen Geschichtslehrer, der mich dafür interessiert hat. ↩
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Vermutlich wäre es einfacher, auf neue Folgen zu warten und dann zu gucken, wo das „Wo kommt das denn her?“ einsetzt. Allerdings habe ich die Befürchtung – da die Serie schon im bereits verfilmten Teil recht stark abweicht –, dass das praktisch überall der Fall sein wird. Also doch einfach noch mal von vorn lesen? ↩
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Ich habe das Buch tatsächlich gewogen. ↩