Ich habe vor einigen Tagen etwas gefunden, nachdem ich schon länger auf der Suche war. Eine Teekanne. Nicht irgendeine Teekanne, sondern eine bestimmte. Die gleiche, nicht dieselbe. Die steht nämlich im Computer History Museum.

Übrigens ist dieses Museum ein sehr lohnenswerter Besuch, wenn es einen in die Gegend verschlägt. Wenn man sehr zynisch sein will, ist es die endgültige Kabelkiste.

Wie auch immer: Dort steht eine Teekanne. Der sogenannte Utah Teapot. Utah, weil Martin Newell Mitte der siebziger Jahre dieses Objekt1 im Rahmen seiner Arbeit an der Universität von Utah als Vorlage für ein 3D-Modell genutzt hat – eines der ersten, die nicht aus Polygonen bestanden, sondern aus Bézier-Flächen. Teapot, weil’s halt offensichtlich ein Teepott ist.2 Es gibt zu dieser Teekanne übrigens auch eine offizielle Webseite der Universität Utah, und zum 50. Jubiläum haben Newell und Kollegen auf der SIGGRAPH einen Vortrag über ihre Geschichte gehalten.

Als Easter Egg ist die Kanne recht häufig. Ich habe sie das erste Mal im Windows-Bildschirmschoner „Pipes“ gesehen. Sie taucht auch in Toy Story auf. Und natürlich hat Tom Scott ein Video dazu gemacht.3

Ausgerechnet diese Teekanne hat einen deutlichen Rückbezug auf meine alte Heimat. Die Teekanne ist nämlich von Melitta und damit deutscher Provenienz. Die hatten auch Porzellan im Angebot und nicht nur patentierte Kaffeefilter. Es wird aber noch lokaler: Gefertigt wurde diese als “Haushaltsteekanne” in der Friesland Porzellanfabrik.4 In Varel. Varel ist kaum 40 km von jenem Kaff entfernt, in dem ich groß geworden bin. Nicht einmal 30 km von dem Ort, an dem ich studiert habe.

Als mir bewusst wurde, dass ich unbedingt so eine Kanne haben wollte, war es für eine neue Kanne zu spät. Die Friesland Porzellanfabrik war einige Monate vorher in großen Teilen abgebrannt. Da war es wieder. Mein großartiges Timing.5 Bei den Neuporzellanhökern war die Kanne nirgends mehr zu finden. Nach drei Jahren unregelmäßiger Suche bei Trödlern und Flohmärkten hat’s dann ein Vintage-Porzellanladen auf Etsy gerichtet.

Utah Teapot

Dafür habe ich jetzt eine Teekanne, die wahrscheinlich so um die 50 Jahre alt ist. Ich weiß natürlich nicht, ob’s eine Fälschung ist. Aber wer fälscht eine millionenfach gefertigte Teekanne? So groß ist der Teekannen-Markt für Nerds mit Sammeltrieb dann wahrscheinlich doch nicht.

  1. Die Idee kam von seiner Frau Sandra. Die beiden saßen gerade beim Tee, als sie vorschlug, doch einfach das Teeservice zu modellieren. ↩

  2. Manchmal finde ich die Nähe des Plattdeutschen zum Englischen doch sehr erstaunlich. Und das Koppke in der universellen ostfriesischen Troubleshooting-Strategie „Eerstmal en Koppke Tee“ scheint mir zu nah an „cup of tea“ zu sein, als dass es Zufall wäre. Und wie man am Beispiel von Newell sieht, funktionierte diese Strategie sogar in Utah. ↩

  3. Wozu hat der Herr eigentlich kein Video gemacht? ↩

  4. Was nicht mit Ostfriesland zu verwechseln ist. Friesland – also der Landkreis Friesland mit dem Kennzeichen FRI, was hier gern mit „Fahr richtig, Idiot“ übersetzt wird – liegt nicht etwa zwischen Ostfriesland und Westfriesland (das zu den Niederlanden gehört), sondern östlich von Ostfriesland. Nordfriesland liegt zwar nördlich von Friesland, aber weiter östlich als Ostfriesland und sogar als Friesland. Als man die Namen vergab, hatte man es anscheinend noch nicht so mit „Nie Ohne Seife Waschen“. ↩

  5. Ich hätte sie kaufen sollen, als mir diese Kanne zum ersten Mal als Geschenkidee für einen Menschen in den Sinn kam, der recht computergrafik-affin war. Das war einige Wochen vor dem Brand. Ich schob es dann auf, weil es noch einige Monate bis zu jenem Geburtstag sein sollte. In der Zwischenzeit ging halt alles in Flammen auf. Ich sag ja: Timing kann ich. ↩

Written by

Joerg Moellenkamp

Personal opinions, observations, and thoughts