geschrieben am 18. Oktober 2026, gelesen September 2001
Ganz genau kann ich nicht sagen, wann ich dieses Buch kaufte. Meine Ausgabe erschien 1999 (die ISBN bezieht sich auf meine Ausgabe). Auf der Rückseite steht der Preis des Buches noch in Mark. Ich glaube, es war 2001. Ich kann mich noch erinnern, wo ich es gekauft habe. In einem Buchladen in Oldenburg. Es war ein Wochenende. Ich war vorher mit jemandem in der Stadt frühstücken gewesen. Ich lebte zu dieser Zeit noch in Oldenburg, arbeitete aber schon in Hamburg.
Man hat ja immer die Hoffnung, dass man sich in einem der Helden der Bücher wiederfindet, die man liest. Die nackte und ungeschönte Wahrheit ist allerdings, dass einem die kaputten Typen, von denen man liest, oftmals viel näher sind.
Es ist nun mal die Wahrheit, dass so gut wie alle Zeitgenossen der männlichen Hälfte (okay, so ungefähr der Hälfte) der Weltbevölkerung dem Rob Fleming aus „High Fidelity“ näher sind als Harry Tasker. Oder, wenn man so will, eher Simon aus demselben Film, dem Gebrauchtwagenverkäufer, der sich als Geheimagent ausgibt. Wäre die Frage, in wem man sich wiederfindet, auf diese beiden fiktiven Figuren beschränkt, sähe ich mich auf jeden Fall näher bei Rob als bei Harry. Irgendwann ist der Realismus dann doch eingekehrt.
Und genau das zeichnet dieses Buch aus meiner Sicht ziemlich genau nach. Der Protagonist ist nicht erwachsen, will es anscheinend auch nicht werden, trauert der Vergangenheit hinterher und weiß nicht, wo er hinwill.
Man sollte sich keinen Illusionen hingeben, dass es anders ist. Und bevor man sich jetzt zu schlecht fühlt: Ich bin mir sicher, dass es für die andere Hälfte der Menschheit ein Buch gibt, das eine ähnliche Aufgabe hat und an vielen Stellen genauso recht hat. Ich vermute, dass Bridget Jones diese Aufgabe übernimmt. Ich habe allerdings nur den ersten Film gesehen.
Nun mal ernsthaft. Ich teile etwas mit diesem Buch: die Liebe zur Musik. Die Bedeutung des Mixtapes, das man für jemanden zusammengestellt hat. Ich habe darüber schon einmal geschrieben und mich schon damals auf das Buch und den Film bezogen. In den Passagen, in denen es um Musik geht, finde ich dieses Buch wirklich schön geschrieben.
Am Ende sagt der Ich-Erzähler im Buch: „Heute Abend sehe ich, zum ersten Mal in meinem Leben, wie das geht.“ Er meint damit, dass er nun weiß, wie man einen Sampler mit Musik zusammenstellt, die Laura wirklich hören will. Aber eigentlich denkt man als Leser: Er hat endlich gelernt, erwachsen zu werden. Er hat verstanden, dass das Leben nicht nur daraus besteht, Laura beeindrucken zu wollen, sondern für sie da zu sein. Er drückt das in der einzigen Sprache aus, die er wirklich beherrscht: Musik.
John Cusack sitzt im Film am Ende mit Kopfhörern in einem Sessel vor seinen Platten und seiner Anlage und spricht diesen Satz fast genauso aus. Als ich das Buch aus dem Regal nahm, um diesen Text zu schreiben, sah ich mich in einer ähnlichen Situation.
Ich schrieb, dass man ja hofft, sich in einem Helden eines Buches wiederzufinden. Ich glaube trotzdem nicht, dass das für mich Rob ist. In einer Figur habe ich mich tatsächlich wiedergefunden, auch wenn sie nicht der Held dieses Buches ist: Dick, der stille, schüchterne Mitarbeiter aus Robs Plattenladen.
PS: Nick Hornby hat ein wirklich schönes Buch geschrieben, in dem er sich auf Musik konzentriert: „31 Songs“. Er schreibt darin, was er mit bestimmten Songs verbindet. Wenn ich so richtig darüber nachdenke, ist meine Leseliste der am Rande der Stadt im Wohnwagen wohnende Schwipschwager im Geiste von „31 Songs“.
Compiliation
- Junip – Line of Fire
- Novo Amor – Opaline
- IAMX – Insomnia
- SYML – Where’s My Love
- Iron & Wine – Such Great Heights
- Sleeping at Last – Chasing Cars
- Tove Lo – Dancing on My Own
- Rosie Carney – Thousand (feat. Lisa Hannigan)
- Novo Amor – No Plans
- May The Muse & Robot Koch – Bad Kingdom
- Ane Brun & Linnéa Olsson – Halo
- Peter Gabriel – Sky Blue (Martyn Bennett Remix)
- Apparat – Hum of Maybe
- Tom Rosenthal – Go Solo
- The Irrepressibles – In This Shirt (Røyksopp Remix)
Dies ist keine Rezension, ich verteile auch keine Sterne. Dies ist Teil meiner kommentierten Leseliste. Das, was mir als erstes durch den Kopf geht, wenn ich das Buch in die Hand nehme. Mehr dazu in diesem Blogbeitrag.