Seit einigen Tagen besitze ich einen Samsung Odyssey Neo G9 57”-Monitor.1 Ich hatte Geburtstag, war fast zeitlich passend befördert worden2 und hatte durch den Verkauf eines Fahrrads3 gerade unverplante monetäre Einheiten zur Verfügung. Eine Belohnung ob all der Anlässe erschien mir angemessen.4

Dieser Blogeintrag soll die ersten Erfahrungen mit dem Monitor ein wenig zusammenfassen. Ich werde weitere Artikel schreiben, wenn ich mehr Erfahrungen gesammelt habe. Beispielsweise wenn ich mich endgültig mit Moom zurechtgefunden habe, einem Tool für Macs zur Verwaltung einer Vielzahl von Fenstern.

Monitor

So grundlegend

Also so grundlegend. Was ist der Neo G9 57”:

  • Groß — offensichtlich.
  • Der Monitor ist ein 32:9-Monitor. Im Grunde genommen hat Samsung also zwei 16:9-Monitore aneinandergeklatscht. In der Mitte randlos.
  • Der Monitor hat eine Auflösung von 7680 x 2160. Also auch da: Es sind zwei 4K-16:9-Monitore — aneinandergeklatscht.
  • Der Monitor wird als Gamingmonitor verkauft, dementsprechend ist auch die Optik, zumindest auf der Rückseite. Aber der Monitor hält sich einigermaßen zurück. Weiß mit leichten Designelementen. Es steht da hinten nicht irgendwie “Dominator”, “Destroyer”, “Displayinator”, “Dictatorship of Daddelistan” oder “Monarchy of Gamers” oder irgendein anderes Wort aus dem Wortschatz eines präpubertär gebliebenen Gaminghardwaremarketiers5.
  • Man kann den Monitor trotzdem auch für ernste Sachen verwenden. Wirklich. Und auf meiner Rechnung stand löblicherweise auch nichts von Gaming. Erspart mir den Spaß einer maximal spaßbefreiten Diskussion beim Finanzamt.
  • Da es Gaminghardware ist, hat es natürlich auch RGB-LEDs. Das farbige RGB-HAL-Auge auf der Rückseite, das so als eine Art Ambilight dienen soll, hab ich allerdings gar nicht erst eingeschaltet.6

Wofür?

Ziel war es, daran 3 Maschinen zu betreiben. Mein dienstliches Notebook, ein MacBook Pro mit M1 Pro CPU. Und mein privates Notebook, ein M4 Pro, sowie ein Minisforum UM890pro als Windows-System für all den Krempel, für den es keine macOS-Version gibt. Und da ich mehr oder minder den ganzen Tag daran arbeite, wollte ich etwas “Vernünftiges” haben.

Hat es sich gelohnt?

Ja, eindeutig. Ultrawide macht bei Produktivitätsanwendungen einen Unterschied. Curved macht einen Unterschied für alte Augen7. Auch wenn der neue Monitor nominal keine größere Fläche hat als die beiden Samsung-4K-32”-Monitore vorher, fühlt es sich anders an. Wohl, weil man mehr mit Fenstern arbeitet. Üblicherweise habe ich viel mit maximiertem Fenster auf dem linken Monitor und vielen Fenstern auf dem rechten Monitor gearbeitet. Keine Ahnung, warum gerade so rum. Oder maximierten Fenstern links und rechts. Ich arbeite jetzt aber nur noch mit Fenstern und habe für mich die Fläche entdeckt, die bisher von den beiden Gehäuserahmen benutzt worden ist. Die Fläche in der Mitte.

Das Fenster, an dem ich am meisten arbeite, ziehe ich in die Mitte und der Rest kommt links und rechts daneben. Es fühlt sich irgendwie wirklich deutlich mehr nach drei Monitoren an als nach den zwei Monitoren, die der neue Monitor ersetzt hat (okay, eigentlich sind es drei Monitore, die der Monitor ersetzt hat, aber dazu in “Clamshell” mehr, denn der dritte Monitor war eher darstellendes Organ statt wirklicher Arbeitsfläche). Die Arbeit fühlt sich gleichzeitiger an.

Man kann sehr gut mit großem Fenster fürs interne Kommunikationstool links arbeiten, in der Mitte den Browser, rechts das Mailtool. Funktioniert ganz vorzüglich. Zwei Shells in der Mitte unter dem Browser passen auch sehr gut. Und wer immer noch denkt, das braucht man nicht, hat noch kein Excel-Spreadsheet mit Daten in einer Spalte mit zwei Buchstaben als Bezeichner in lesbarer Größe auf 32:9 aufgezogen. Und auch wenn ich mich in einer Shell deutlich wohler fühle als mit Excel — man kommt ja irgendwie dennoch nicht um Excel (oder ein anderes Spreadsheet, anderes Programm, gleiches Problem) drumrum. Und dann kann man die Arbeit wenigstens komfortabel gestalten.

Ich hab mal versucht, bei einem besonders unhandlichen Exemplar das über zwei Monitore zu ziehen, aber die Lücke in der Mitte hat mich so genervt, dass ich es irgendwann gelassen habe.

Ich hätte es eher machen sollen. Es macht Spaß, auf diesem großen Monitor zu arbeiten. So blöd es klingt. Und ja, ich weiß, dass dieser Effekt abnutzen wird.

Anmerkungen, Probleme und Lösungen

Ein anständiger Monitorarm ist keine optionale Anschaffung

Ich habe einen wirklich sehr tiefen Schreibtisch. Fast einen Meter. Theoretisch könnte ich also den mitgelieferten Monitorständer verwenden. Durch den Schwerpunkt des stark gekrümmten Displays hat dieser Monitorständer allerdings einen schlichtweg gargantuösen Fuß. Der Schwerpunkt eines solchen Monitors ist nicht optimal gelegen.

Wenn ich den auf meinen Schreibtisch auf meine europazentrische, mercatorprojizierte Landkartenmausmatte stelle, so bin ich mit dem linken Fußende des Monitors auf Hawaii, mit dem rechten Fußende in Indonesien und in der Mitte an der Nordspitze von Grönland. Zur Referenz, die Mausmatte hat 1,20 × 0,60 m. Also: Wer noch ein kleines bisschen Schreibtisch übrig behalten will, sollte ernsthaft über einen Monitorarm nachdenken.

Okay, du hast dich also für einen Monitorarm entschieden. Vermutlich eine weise Entscheidung. Aber da kommt gleich das nächste Problem. Selbst Highend-Arme können diesen Monitor kaum halten, er liegt irgendwo bei 14 Kilo ohne den Monitorständer. Ein Ergotron HX mit dem normalen HD Pivot kann nur verwendet werden, wenn man ein wenig Absacken akzeptiert8 oder mit einer Schraube an einer spezifischen — aber eigentlich dafür nicht vorgesehenen — Stelle blockiert. Das haben zumindest meine Recherchen ergeben.

So wirklich tragen können diesen Bildschirm nur wenige Arme. Ich benutze einen Ergotron HX mit VHD (Very High Duty) Pivot. Damit verdampften zwar die Gutscheine, die ich zu meinem Geburtstag erhalten hatte, aber das Ding macht den Eindruck, den Bildschirm stabil halten zu können. Über Jahre hinweg. Die Qualität sieht danach aus, als könnte ich den Arm an meine Geschwister vererben. Der Pivot ist wirklich wuchtig.

Pivot

Wofür ihr euch auch immer entscheidet: Ihr solltet einen Arm wirklich einkalkulieren. Und bei dem kauft man billig wahrscheinlich wirklich zweimal.

Oder man kann damit leben, dass der Monitorständerfuß sich auf eurem halben Schreibtisch breitmacht. Ich vermute, zwischen die Beine des Fußes des Ständers9^H^H^H^H^H^H^H^HHalters10 kann man vermutlich ein kleineres Notebook ganz gut legen. Ausprobiert habe ich es nicht. Ich lagere an der Stelle jetzt mein Wacom Intuos — das würde da nicht passen.

Zu viel Display für den M1

Nach meinem jetzigen Kenntnisstand kann ein M1 Pro auch mit Tricks ein einzelnes 7680 × 2160 Display nicht treiben. Weder über DisplayPort noch über HDMI. Es gibt dafür einen Workaround. Man betreibt den Monitor im Picture-by-Picture-Modus. Dadurch hat man im Grunde zwei logische 4K-Monitore. Und die kann ein M1 Pro basiertes MacBook Pro ansteuern. Also habe ich die beiden Kabel, die bisher auf zwei getrennte Monitore geführt waren, an einen Monitor angeschlossen. Im Menü Picture-by-Picture auswählen und die Ports auf die logischen halben Monitore verteilen. HDMI2 nach links, HDMI3 nach rechts. Und jeder nur ein Kreuz.

Und auf dem M4 Pro MacBook Pro?

Natürlich kann ein M4 Pro auch zwei logische Displays treiben. Es könnte aber auch das Display mit nur einem Kabel ansteuern. Und das wäre eigentlich auch am praktischsten. Es ist ja in Wirklichkeit auch ein Monitor. Das Problem besteht eher darin, dass die PBP-Konfiguration nicht verschwindet, wenn ich meinetwegen den M4 Pro via DisplayPort anschließe und auf DisplayPort umschalte. PBP bleibt erhalten. Und damit wird ohne weitere Konfiguration des Monitors der Monitor nur zur Hälfte genutzt. Auf der anderen Seite wird halt was anderes dargestellt. Entweder nichts oder ein anderer Rechner.

Also: Ich müsste zum Umschalten zum einen eben von HDMI2/HDMI3 auf DisplayPort umschalten. Das geht auch, aber dann ist die PBP-Konfiguration DisplayPort/HDMI3. Ich muss also zusätzlich noch PBP abschalten. Dazu kommt dann noch “Knöppschke drügge” für die Umschaltung von USB und alle die Bequemlichkeit ist dahin.

Angeschlossen sind die beiden Notebooks über einen OWC Thunderbolt 5 Hub. Von diesem gehen zwei USB-C-auf-HDMI-2.1-Kabel an den Monitor. Funktioniert gut. Thunderbolt 5 kann in der Spitze 120 GB/s — und braucht diese wohl auch. Es gibt ja durchgeknallte Leute, die hängen entweder noch mehr oder noch größere Monitore an ihren Rechner.

Erstmal Workaround

Momentan gibt also das schwächste System auf dem Schreibtisch den Anschluss vor. Alle drei Rechner sind momentan mit zweimal HDMI an einen KVM-Switch angeschlossen. Das wird auch so bleiben, bis das M1 Pro MacBook Pro ausgetauscht wird. Hab irgendwie das Gefühl, dass mein Chef berechtigterweise sagen wird, dass “Ich will nur ein Monitorkabel haben” vielleicht nicht so der Topgrund ist, um das Notebook deutlich vorzeitig auszutauschen. Daher wird es noch einige Zeit dauern, bis das M1 Pro MacBook Pro ausgetauscht wird. Bis dahin werde ich auch das M4 Pro im PBP-Modus betreiben. Ganz ohne Nachteile ist das nicht. Auch wenn man das auf dem Monitor nicht sieht, sind es eben aus macOS-Sicht zwei Monitore. Und die Implementierung von Multidisplay beim Mac hat subtile Haken und Ösen (Windows ist da nichts besser).

In der Defaultkonfiguration benimmt sich das genau wie zwei völlig getrennte Monitore. Nur weil man den Mauszeiger von Monitor A nach Monitor B schieben kann, heißt das nicht, dass ein Fenster sowohl auf Monitor A als auch auf Monitor B sein kann. Man kann das Verhalten abschalten. Dazu muss man deaktivieren, dass jedes Display sein eigener Space ist. Dann kann ein Window auch auf unterschiedlichen Monitoren gleichzeitig sein. Das geht in “Systemeinstellungen → Schreibtisch & Dock → Mission Control → Monitore verwenden eigene Spaces”. Das will man dann abschalten.

Aber: Es gibt nur eine Menüleiste. Entweder betreibt man den Mac im Clamshell-Modus. Dann ist das Menü automatisch auf einem der großen Monitore — oder ihr schiebt es auf einen der beiden Monitore. Dann geht aber das Menü nur zur Hälfte des Displays. Sieht erst mal merkwürdig aus. Fällt aber irgendwann nicht mehr so wirklich auf.

Am Ende des Menüs

Die Menüleiste auf dem kleinen, nicht weggeclamshellten Laptopdisplay zu halten, ist nicht sinnvoll. Sollte man lassen. Das macht einen schon kurzfristig wahnsinnig.

Die Konfiguration der Bildschirmanordnung wird dadurch vereinfacht, dass macOS anscheinend ab einer hinreichend identischen vertikalen Anordnung der Displays im “Anordnen” wohl annimmt, dass die genau nebeneinander sein sollen.

Anordnen

Auf zwei getrennten Monitoren würde kaum auffallen, wenn die Monitore nicht ganz auf gleicher Höhe sind. Dafür sorgt der Gehäuserand. Bei zwei logischen Monitoren schon (für dieses Beispiel habe ich jetzt mal den Unterschied ins Extreme gezogen).

Split

Es gibt ein weiteres Problem mit dem Picture-by-Picture. Beim sehr schnellen Scrollen kann es sein, dass die beiden logischen Monitore nicht in derselben Geschwindigkeit scrollen, sondern minimalst unterschiedlich. Hat man ein Fenster, das über beide Monitore geht, fällt das natürlich zuweilen auf. Aber man muss sich dafür anstrengen, um das auf einem wirklich störenden Level zu provozieren.

Tearing

Ich betreibe den Monitor mit 2 × 4K @ 60 Hz. Der Monitor kann deutlich mehr, auch am Mac. Vielleicht wäre das bei 120 Hz deutlich weniger sichtbar. Aber das kann mein Monitorumschalter nicht. Den will ich aber jetzt nicht austauschen für ein Phänomen, das mich nicht stört.

Aber bei der Angelegenheit wird einem klar, warum alle Verbindungen, die mit Monitoren zu tun haben, mittlerweile die schnellsten Netzwerke auf einem Schreibtisch sind. Die Datenmengen, die zwischen GPU und Monitor transportiert werden müssen, sind gewaltig.

Umschalter

Apropos Umschalter. Ich arbeite wirklich viel mit unterschiedlichen Systemen. Meine ganzen Experimentiertestbeds auf der Windows-Maschine, meine Wissenshalde im Devonthink auf meinem privaten Notebook (neben meinen ganzen Quittungen, die nicht aufs dienstliche Notebook gehören) und eben das dienstliche Notebook, das in einer eigenen Netzwerkzone lebt, die nur für den Drucker und eine Sprung-VM durchbrochen wird11. Ich schalte da wirklich viel um.

Ich habe daher einen 4-auf-2-KVM-Switch. 4 PCs auf 2 Monitore. Das Teil hat so ein Umschaltdingsbums mit vier Tasten an einem USB-C-Kabel, sodass ich auf dem Schreibtisch umschalten kann. Das funktioniert sehr gut und ist hinreichend bequem. Hotkeys zum Umschalten mag ich nicht so, ich hatte es bei meinem alten 2-auf-2-Umschalter von AVaccess dauernd geschafft, ihn so umzukonfigurieren, dass ich erst mal wieder den Hotkey richtigstellen durfte.

Der neue Monitor hat zwar einen internen KVM-Switch, der kann aber nur zwei PCs verwalten. Außerdem ist dieser nicht so intelligent, dass er dabei auch gleichzeitig die Picture-by-Picture-Konfiguration ändert. Der Nutzen ist also etwas eingeschränkt. Hätte ich mir erhofft für einen eingebauten KVM-Switch, dass dieser es kann.12 Dass es der externe nicht kann, ist offensichtlich.

Sobald ich alle Systeme mit einem Kabel treiben kann, werde ich den Umschalter erneuern. Aber bis dahin ists noch eine ganze Zeit. 8K-fähige Umschalter für 4 Systeme bei hoher Bildwechselfrequenz sind sowieso erstaunlich teuer. Ich hoffe, das ändert sich noch, bis ich den Bedarf habe.

PowerPoint

PowerPoint auf Windows kann etwas, das PowerPoint auf dem Mac nicht kann. Die Präsentation im Präsentationsmodus in einem Fenster darstellen. Das hat in der Praxis einige Folgen: Ist der Monitor nicht in logische Monitore aufgeteilt, der einzige Monitor am System und betreibt man ihn als einzelnen Monitor, shared man den ganzen Bildschirm. 7680 × 2160.

Das bedeutet in diesem Fall: Einen 32:9-Bildschirm mit monströser Auflösung. Ich habs noch nicht ausprobiert, aber ich vermute, das ist bei einer Vollbildschirmpräsentation ein sehr sicheres Rezept, sich beim Auditorium bei jedem, der keinen 32:9-Monitor hat, sehr unbeliebt zu machen.

Als Kind habe ich Filme mit schwarzem Streifen oben und unten immer für ein Zeichen für spannende Filme gehalten. War eine Scheinkorrelation. Gemerkt habe ich das, als meine Eltern einen Film geguckt haben, den ich ganz und gar langweilig fand, ich glaube es war “Von Dr. Schiwago verweht”. Von Letterboxing und Pillarboxing und dem Grund dafür hatte ich noch keine Ahnung.

Ich weiß aber, dass meine Präsentationen von heute nicht meinem damaligen Verständnis von “spannend” entsprechen und möchte daher eigentlich auf “Pillarboxing” verzichten, bei dem dann nur noch ein Guckloch in der Mitte verbleibt. Ich muss also einen Weg finden, der nicht den ganzen Monitor shared. Momentan ist das noch kein Problem durch die Lösung mit den beiden logischen 16:9-Bildschirmen.

Ich sehe es allerdings kommen, wenn ich den Monitor irgendwann als einen Monitor betreibe. Ich werde dann berichten.

Es wird eben momentan durch das Picture-by-Picture gelöst. Entweder man nutzt den Bildschirm im Picture-by-Picture-Modus mit zwei logischen 4K-Monitoren und shared nur einen einzelnen logischen Bildschirm und hat dann wieder 16:9. Oder man führt seine PowerPoint-Präsentation mit Keynote vor. Das kann nämlich die Präsentation in einem Fenster darstellen. Und die Konvertierung erzeugt auch nicht mehr Schaden, als irgendwo in einem Text ein Wort einzufügen.

Aber wirklich: Liebe Leute bei Microsoft, könnt ihr bitte Präsentation und Moderatorbildschirm im Fenster auch beim Mac einbauen? Danke! Von der Nützlichkeit wäre das “dladm show-transceiver”-Kategorie.

Clamshell

Weil die eingebauten Displays im Vergleich zum Monitor jetzt wirklich überflüssig klein erscheinen, betreibe ich beide Macs im Clamshell-Modus. Ist an sich eine tolle Sache. Ich habe mir einen Notebookständer besorgt, mit dem ich beide Notebooks vertikal aufstellen kann. Verbrauchen so kaum Platz. Und ich vermisse das Notebookdisplay überhaupt nicht. Ich hatte die Notebookdisplays sowieso nur noch als Display verwendet, um Fenster darauf abzulegen, die einer Dauerbeobachtung bedurften, in denen ich aber nicht so wirklich gearbeitet habe.

Was ich vermisse: Den TouchID-Button. Wenn man sein Passwort jedes Mal tippen muss und nicht nur beim Booten, dann fällt so richtig auf, wie nervig das sichere Passwort ist, das man mit dem gleichen Generator kreiert hat, aus dem auch die isländischen Vulkannamen entstanden. Ich arbeite da gerade an einer Lösung, aber da schreibe ich nächste Woche drüber. Gibt ja Leute, die explantieren den Button nebst Trägerboard aus Apple-Tastaturen, um diesen in ein selbstgedrucktes Gehäuse zu stecken. Mir schwebt da ein etwas minimalinvasiveres Vorhaben vor. Die eigentliche Herausforderung wird sein, einen Sensor zwischen zwei Macs umzuschalten. Es soll angeblich gehen, aber die Praxis wird es nächste Woche weisen.

Ein weiterer Nachteil des Clamshell-Modus ist auch, dass die Kamera des Notebooks dadurch offensichtlicherweise nicht mehr verwendbar ist. Ich habe mir daher eine getrennte Webcam gekauft. Die erste seit glaube ich 24 Jahren. Seitdem ich sie wirklich brauchte, waren sie im Notebook eingebaut und von zweckentsprechender Qualität. Jetzt ist es eine Logitech MX Brio Ultra HD 4K geworden. Mir gefällt die Kamera. Aus einem ganz blöden Grund: Ja, sie kommt sehr gut mit den schwierigen Lichtverhältnissen in meinem Arbeitsbereich zurecht. Aber das coolste Feature ist ein anderes: Sie hat so einen Drehring an der Linse, mit dem man eine Abdeckblende über die Linse legen kann. Dieses Auf- und Zudrehen fühlt sich irgendwie wie “Ich bin dazu zwar noch nicht bereit, aber: Möge der Arbeitstag beginnen” und “Nu is aber wirklich Schluss” an.

Apropos Schluss

Apropos “Nu is schluss”. Gilt jetzt auch für diesen Text. Ich werde bei weiteren Erkenntnissen über die Arbeit mit einem Ultrawide-Monitor noch mal darüber schreiben.

  1. Ich werde die einzelnen angesprochenen Komponenten jetzt nicht hier verlinken. Wenn ihr das nachbauen wollt, kauft das bei eurem Hardwaredealer des geringsten Misstrauens. 

  2. Jaha, ich bin jetzt Master of the U…., neee, Master Principal Solution Engineer bei Oracle. 

  3. Ich habe nach zwei Jahren eingesehen, dass für jemanden, der am liebsten auf Gravelstrecken durch den Wald fährt und gerne nachguckt, wo ein Feldweg eigentlich hinführt, ein superleichtes Rennrad aus Unobtanium einfach keinen Sinn ergibt. 

  4. Die innere Suche nach einem “guten Grund” und “nix Unvernünftiges”, um etwas zu machen, ist auch noch mit 52 stark. Auch wenn man ja eigentlich erwachsen genug ist, einfach die Kuchenschüssel leerzulöffeln13, aus meinem Arbeitszimmer ein Bällebad zu machen oder einfach einen Uuuuuultrawide-Monitor zu kaufen. Muss man nicht verstehen. 

  5. Des Millennials Kenwood- oder Bacardi-Aufkleber auf dem Auto. Ich weiß nicht, ob das in der Stadt oder anderswo in den 80er/90ern so prävalent war, wer zu der Zeit im Nordwesten aufm Dorf wohnte, weiß, was ich meine. Wurde später durch ebenso große Frei.Wild- oder Unantastbar-Aufkleber ersetzt. 

  6. Wäre toll, wenn es einen Weg gäbe, das Licht über eine App anzusteuern. Ich sehe da in Mehrfamilienhaushalten eine Anwendung. Grünes Licht — “Kannst mich ansprechen”. Gelbes Licht — “Isses wirklich wichtig?”. Blinkendes rotes Licht — “Bin im Call”. Dauernd rotes Licht — “Hinfort mit Dir, Scherge — oder lasse alle Hoffnung fahren, die nächsten 5 Minuten am Stück zu überleben.” 

  7. Ich habe Dinge gesehen, die Nicht-ITler niemals glauben würdet. Gigantische Server, die Core Dumps warfen, kurz vor Weihnachten. Ich habe Lastspitzen gesehen, glitzernd im Grafana, nahe dem Ende der Nacht. All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie verwaiste Tickets im Jira. Zeit, sich eine Bildschirmarbeitsplatzbrille verschreiben zu lassen. 

  8. Ein weiterer Hinweis aufs Alter bei einem anlässlich eines Geburtstags gekauften Geräts. 

  9. No Double Entendre intended — wirklich. Wie soll ich sonst beschreiben, was ich meine? 

  10. kirby, ehemals Proxmox mit unterschiedlichen Betriebssystemen in VMs (unter anderem ein Windows mit PCIe Passthrough für — ähm — hochwichtige Anwendungen, die einer GPU bedurften), jetzt VirtualBox auf Windows. 

  11. Wenn jemand mein WLAN nutzt, kann ich nicht für den Zustand des Systems garantieren. Für den ganzen Smart-Home-Kram sowieso nicht. Deswegen gibt es für Systeme, die mit meinem Job zu tun haben, eigene Zonen. Die Sandsackbarrieren gehen in beide Richtungen. Für sonstige auf meinem Schreibtisch stehende Systeme noch mal ein weiteres Netzwerk, das aber nicht so massiv verbarrikadiert ist. 

  12. Huch, gerade lief der erste Sync des Tages auf meinem NAS — es ist also 6:00 — was war da denn los — so heftig höre ich den selten. Muss eine heftige Nacht gewesen sein — der Filer wird nicht nur von mir genutzt, daher weiß ich gerade nicht genau, was da war. 

  13. O-Ton meine Oma und meine Mutter aus meiner Kindheit: “Kind, davon bekommt man doch Bauchschmerzen”, auf der anderen Seite wurde mir aus anderen mittlerweile mehreren Quellen unabhängig überliefert, dass in derselben “Iss keinen Teig”-Omageneration der Verzehr von großen Mengen “guter Butter ohne was bei” wohl kein wirkliches Randphänomen war. 

Written by

Joerg Moellenkamp

Grey-haired, sometimes grey-bearded Windows dismissing Unix guy.