Die Wiederinbetriebnahme des Workflows, um etwas in dieses Blog zu bringen, hat gleich als Erstes mal wieder dazu geführt, dass ich den ersten Entwurf dieses Artikels viel zu früh veröffentlicht habe. Ich muss mir einen Post-it an den Monitor hängen, auf dem steht “Nicht das Script für Produktion ohne –dryrun ausführen”. Das mit dem Zettel hat ja auch laut Film bei Apollo 13 funktioniert, um zu verhindern, dass Kevin Bacon Tom Hanks und Bill Paxton absprengt.

In ein paar Tagen geht es los. Aber momentan: Schlachtfeld. Chaos. Wobei eigentlich nicht wirklich Chaos. Der gerade real existierenden Unordnung wohnt eine Ordnung inne, die allerdings gerade wohl nur ich verstehe — eigentlich ist es gerade mehr eine Fahrradwerkstatt gemischt mit einem Klamottenladen kurz bevor eine Horde Kunden durch die Auslage marodiert. Das beschreibt gerade meine Wohnung ganz gut.

Gefaltete Klamotten warten darauf, in Fahrradtaschen verTETRISt zu werden. Ich habe es endlich geschafft, alle Dinge, die ich im Framebag haben wollte, so dort reinzupacken, dass nicht jeder Wunsch, aus diesem etwas herauszuholen, damit endet, dass ich alles neu einpacken darf. Mein Framebag hat eine Öffnung, um Kabel zum Lenker zu ziehen, aber mir ist heute aufgefallen, dass alle meine Kabel einen Textilüberzug haben. Das dürfte bei Regen nur semiclever sein, um das Wasser aus der Tasche zu halten.

Ich hab die Sicherheitsausstattung des Rades und meine Kleidung noch mal deutlich aufgewertet. Im Regen fahre ich jetzt mit textmarkergelber Regenjacke. Ich hab mir noch eine weitere Frontleuchte gekauft, die unter dem Bikecomputer montiert wird. Insgesamt finde ich, dass meine Erscheinung in Regenklamotten wirklich einem blinkenden Textmarker nicht unähnlich ist.

Ich muss noch sämtliche Schrauben mit Drehmoment anziehen und wenn das Wetter so bleibt, müssen die Schutzbleche doch noch dran. Ich wollte sie eigentlich einsparen, um das maximale Systemgewicht des Fahrrads anders auszunutzen. Allerdings ist die Montage dieser Schutzbleche eine echte Pest. Vielleicht der wirkliche Grund, warum ich mich vor der Montage gedrückt habe.

Wo ich meine beiden Plüschtalismane unterbringe, bedarf auch noch etwas Gehirnschmalz. Ein Maulwurf und ein Hamburger wollen mitkommen. Fragt nicht, beides waren Geschenke, die mir bis heute wichtig sind und an denen ich hänge. Das bedarf noch ein wenig Nachdenken. Der Maulwurf will danach nicht aussehen, als hätte er knapp einen Besuch eines Rasenmähers überstanden. Der Hamburger will danach nicht aussehen — naja — ehrlich gesagt wie eben ein Hamburger einer der großen Ketten aussieht, wenn er sich zur Enttäuschung des Käufers eher ramponiert aus dem Papier blättert. Der Maulwurf kennt ja das Reisen schon. Schließlich ist er insgesamt wahrscheinlich schon mehr als einmal um die Erde geflogen. Jetzt soll auch der Hamburger seine Cordbeine ausstrecken. Und nein, ich bin nicht abergläubisch. Aber bisher ist nur auf jenen Reisen etwas passiert, bei denen ich den Talisman nicht dabei hatte. Ich weiß natürlich, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das am Maulwurf gelegen hat, genau 0 ist. Aber man lasse mich einfach in dieser Sache ;) Es gibt in meiner Familie die Tradition, zu Ostern als Erstes einen Apfel zu essen, um das folgende Jahr gesund zu bleiben. Und ich wage es nicht, solange ich mich daran erinnern kann, auch nur ein Jahr vor dem Apfel etwas anderes zu essen. Ist kein Aberglaube, nur die Rückversicherung, nicht blöd dazustehen, falls doch was dran ist.

Am Donnerstag beginnt dann mein Urlaub, so wirklich. Ich habe noch 5 Tage zur Vorbereitung. Bis dahin habe ich noch so viel zu tun. Ich freue mich auf diesen Urlaub, ich brauche diesen Urlaub und wie ich ihn verlebe, ist für mich von herausgehobener Bedeutung.

Was ich vorhabe: Radfahren. Radfahren mit Gepäck. Nicht Radfahren in einer großen Runde, bei der man am selben Tag wieder an dem Ort ankommt, an dem man losgefahren ist. Viel Radfahren in Summe. Aber jeden Tag nur ein bisschen. Ich gehöre nicht zu den Verrückten, die einen Transalp in 24 h fahren. Eine echte Radreise — in einer Geschwindigkeit, in der man auch was mitbekommt. Die Gegenden erkunden. Mit viel Zeit zum Fotografieren.

Es ist etwas, das ich mir im Dezember letzten Jahres endgültig vorgenommen habe, aber eigentlich ist die Idee ein ganzes Stück älter. Vielleicht schreibe ich noch darüber, wie ich überhaupt auf diese Idee gekommen bin. Ich habe ein Ziel, ich weiß, wo ich am Ende der Radfahrt mit dem Zug wieder zurückfahren will. Aber es ist halt wie mit Zauberern: Ein Radfahrer fährt nie weiter als er wollte, er bricht die Tour nie vorher ab. Er steigt genau an dem Ort in den Zug nach Hause, an dem er es von Anfang an wollte, und gibt damit auf Strava an. Ein paar Leute wissen, wo ich gerne hin möchte. Es sind jene, mit denen ich mich verabredet habe. Aber sie wissen auch, dass da irgendwas dazwischenkommen kann. Ich will da einfach keinen Druck haben. Auch wenn es nur der Druck ist, den ich mir selbst mache.

Wenn ich mir das Wetter der nächsten Tage angucke, wird das Ganze auch nicht notwendigerweise eine trockene Angelegenheit. Ich habe mich gestern für den Premiumdienst eines großen Wetterportals angemeldet, um kurz danach zum Schluss zu kommen, dass ich mehr Regenbekleidung brauche. Ich hab dann gleich danach noch mal mehr Geld für die Regenausstattung ausgegeben. Nach dem Unfall von Natenom auch hier in Textmarkergelb. Ich will nicht übersehen werden. Ich könnte natürlich auch verschieben. Es ist jetzt aber alles soweit geplant, dass ich es nicht mehr verschieben möchte und so schlimm wird es allen Voraussagen nach sowieso nicht. Außerdem — was wäre ich für ein Norddeutscher, wenn ich mich von Wind und Regen abhalten lassen würde.

Dass ich morgen Geburtstag habe, ist mir irgendwie bei der ganzen Angelegenheit durchgerutscht. Ich werde ein wenig nach meiner Rückkehr und auf dem Weg mit meinen Freunden feiern. Ich habe einige schon viel zu lange nicht mehr getroffen.

Ich werde mit Sicherheit viele Fotos machen und ein wenig darüber schreiben werde ich auch. Auf jeden Fall werde ich hier auf die Strecken verlinken. Mal sehen. Bis bald!

Written by

Joerg Moellenkamp

Avid bicyclist, likes california, dreams to combine both.