Über die Dummheit

geschrieben am 17. Oktober 2026, gelesen Juni 2026

Wenn man mit einem Buch beim Arzt sitzt, fühlt man sich ja schon fast wie ein Snob, wenn alles um einen herum ins Telephon starrt und vom Netz völlig umschlungen ist. Wenn man dann auch noch ein kleines Reclam-Buch liest, wirkt das noch ein bisschen „snobbier“. Und wenn der Titel dann auch noch „Über die Dummheit“ lautet, meint man schon die Gedanken der Mitwartenden zu hören: „Was für ein arroganter Snob!“

Dabei ist für mich die wesentliche Erkenntnis aus diesem Buch – einem Nachdruck von Robert Musils Vortrag „Über die Dummheit“ von 1937 –, wie sehr wir alle selbst in diesem Zustand sind und wie wenig sich Dummheit teilweise von positiven Eigenschaften unterscheidet, sodass wir es nicht einmal bemerken würden. Musil formuliert es einfach großartig: „Wenn die Dummheit nicht dem Fortschritt, dem Talent, der Hoffnung oder der Verbesserung zum Verwechseln ähnlich sähe, würde niemand dumm sein wollen.“

Musil selbst kannte das Problem: Wer über Dummheit spricht, muss sich selber für klug halten. Er wusste aber auch, dass das nicht notwendigerweise so ist.

Am Ende kann das Buch beides sein: zu Papier gewordener Dunning-Kruger-Effekt oder die Anleitung zur Bescheidung, die Musil in seinem Vortrag fordert, um den übelsten Folgen der Dummheit zu entgehen.

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Dies ist keine Rezension, ich verteile auch keine Sterne. Dies ist Teil meiner kommentierten Leseliste. Das, was mir als erstes durch den Kopf geht, wenn ich das Buch in die Hand nehme. Mehr dazu in diesem Blogbeitrag.