Dies ist keine Rezension, ich verteile auch keine Sterne. Dies ist Teil meiner kommentierten Leseliste. Das, was mir als erstes durch den Kopf geht, wenn ich das Buch in die Hand nehme. Mehr dazu in diesem Blogbeitrag.
geschrieben am 31. Oktober 2026, gelesen Oktober 2026
Wenn Stephen King richtig gut wird, geht’s eigentlich in den Knast. Die Novelle „Rita Hayworth and Shawshank Redemption“, auf der „The Shawshank Redemption“1 basiert, ist wirklich sehr gut. Der Film hat zu Recht seinen sehr guten Ruf. Aber die Novelle habe ich schon vor langer Zeit gelesen.
„The Green Mile“ habe ich damals im Kino gesehen. Vor vielen Jahren. Ich erlaube mir daher im Text auch eine gewisse „Spoilerigkeit“2 – aber nur eine sehr leichte. Über die Jahre habe ich den Film auch mehrere Male zu Hause geguckt. Ich bin tatsächlich aber erst diese Woche dazu gekommen, das Buch zu lesen. Und ich muss sagen: wirklich gut. Der Film ist recht nah am Buch, auch wenn jene Teile der Handlung, die im hohen Alter des Protagonisten spielen, stark gekürzt sind.
Liest man das Ende im Buch, wird auch deutlicher, warum er glaubt, doch sterblich zu sein. Die gesamte Geschichte hat natürlich stark religiöse Untertöne (John Coffey = J. C. = Jesus Christ – kann mir keiner erzählen, dass das keine Absicht war), aber es sind eben Untertöne und nicht die dicke Schicht Religion wie in „The Stand“.
Vor allem aber mochte ich, wie King hier den Mikrokosmos des Todestrakts beschreibt. Und das macht Buch und Film aus.
Es ist irgendwie schon interessant, dass die drei Bücher3 von King, die ich am meisten mag, eben kein Horror sind: die beiden, von denen ich schon sprach, plus „The Life of Chuck“. Ja, King ist ein Horrorautor, und sicherlich ist das auch seine große Stärke, aber für mich ist das nicht der Ort, an dem er am besten Geschichten erzählt.
Allerdings zeigt sich beim Lesen auch wieder, wie schwer es ist, sich eigene Vorstellungen von den Personen zu machen, wenn man den Film zuerst gesehen hat. Die Schauspieler drängeln sich immer wieder in den Vordergrund, und man fängt an, schnell zu lesen und überlesene Teile aus dem Film heraus aufzufüllen – bis man sich zu einer langsameren Lesegeschwindigkeit zwingt, um sich im Kopf keinen Hybriden aus Buch und Film zu schaffen. Einen, in dem der Oberaufseher nach dem Ende der Green Mile noch Karriere bei der NASA macht, um danach eine Weile Passagierflugzeuge selbst zu fliegen – und dabei immer Ärger mit seinem Fluggerät hat. Und wenn er sich in den Nächten im E-Block auf eine einsame Insel geträumt hat, wusste er wahrscheinlich noch nicht, was da noch kommen würde. Danke auch, Herr Hanks.4
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Hierzulande „Die Verurteilten“. ↩
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Oder ist es hier wirklich noch für jemanden eine Neuigkeit, dass Darth Vader Lukes Vater ist? ↩
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Von etwa zehn, die ich gelesen habe. Wobei: Es sind eher Geschichten als Bücher – ich möchte jetzt aber nicht in den Sammelbänden nachzählen, wie viele Geschichten darin stecken. ↩
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Ein tanzender Nachtmanager ist übrigens genauso schwer aus dem Kopf zu bekommen. ↩