Starship Troopers

Dies ist keine Rezension, ich verteile auch keine Sterne. Dies ist Teil meiner kommentierten Leseliste. Das, was mir als erstes durch den Kopf geht, wenn ich das Buch in die Hand nehme. Mehr dazu in diesem Blogbeitrag.

geschrieben am 1. November 2026, gelesen 1998

Dieses Buch ist ein wenig problematisch. Es ist ein Buch, das ich erst gelesen habe, nachdem ich die Verfilmung gesehen hatte: Robert Heinleins „Starship Troopers“.

Das Buch wird oft zu den wichtigen Romanen der Science-Fiction gezählt, und man erkennt auch seine Bedeutung für die Military Science Fiction. Ich finde es trotzdem deutlich hinterfragenswert und schwierig.

Heute kann man das Buch kaum noch lesen, ohne den Film im Kopf zu haben. Paul Verhoeven bekam damals viel Kritik dafür, mit seiner Verfilmung ein Werk mit sehr vielen faschistischen, mindestens aber militaristischen Anklängen geschaffen zu haben. Aus meiner Sicht war das genau der Punkt: Der Film trieft vor Satire. Man nehme einen Cast, den man genauso gut in „Melrose Place“ oder „Beverly Hills, 90210“ hätte stecken können, und packe ihn in einen Metzelactionfilm. Dazu Egon Hoegen, den Sprecher von „Der 7. Sinn“, für die Propagandafilme der Armee. Also bitte! Wenn das keine Satire gewesen sein soll, was bitteschön dann? Mit derlei bis zur Absurdität getriebener Satire hätte man nach „RoboCop“ durchaus rechnen und sie auch richtig einordnen können. Eigentlich ist der Film eine Abrechnung mit dem Buch – er feiert es nicht.

Und diese Abrechnung hatte das Buch auch durchaus verdient: Es nimmt sich ernst, ihm fehlt aus meiner Sicht jedwede Ironie oder Satire. Es spielt den Gedanken einer Gesellschaft, die Bürgerrechte an den Dienst bindet, bis zum Ende durch, ohne sich je wirklich davon zu distanzieren.

Allerdings muss man das Buch auch als Produkt seiner Zeit sehen. Es erschien 1959. Sowohl der Zweite Weltkrieg als auch der Koreakrieg lagen noch nicht lange zurück, und bis zum Vietnamkrieg sollte es noch eine Weile dauern. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich manche Veteranen dieser beiden Kriege mit den gesellschaftlichen Entwicklungen in den USA schwertaten und den Gedanken hegten, dass nur jene, die „dabei gewesen“ waren, auch die Geschicke des Landes leiten sollten. Ich glaube, man muss das Buch im Kontext einer Generation lesen, die damals noch die Wehrpflicht kannte und in kurzer Zeit zwei Kriege ausgefochten hatte. Ein Buch mit ähnlicher Aussage aus der Zeit nach Vietnam vermag ich mir nicht so recht vorzustellen. Joe Haldemans „The Forever War“ hat aber den Ruf, genau in dieser Zeit als Gegenentwurf entstanden zu sein.

Das Buch unterscheidet sich stark vom Film, und zwar nicht nur, weil die Satire fehlt. Heinlein nutzt beispielsweise den Lehrgang seiner Hauptfigur an der Offiziersschule, um die Theorie hinter der im Buch beschriebenen Gesellschaft zu erläutern – genauso, wie er vorher schon die Figur des Lehrers dafür nutzt. Der Film dampft das auf den Anfang und den Highschool-Lehrer ein. Es tut ihm gut, den gesellschaftlichen Theorien nicht allzu viel Raum zu geben.

Während ich den Film gerade wegen seiner Absurdität durchaus mehrfach gesehen habe und ihn auch für empfehlenswert halte, gilt das für das Buch nur sehr eingeschränkt – eher wegen seiner Bedeutung für die Weiterentwicklung des Genres als wegen seines eigenen Unterhaltungswertes.

Ich habe übrigens gelesen, dass eine buchgetreuere Verfilmung geplant ist. Da bin ich klar für ein „Ähm, bitte nicht …“. Ich wüsste nicht, wie man in der Zeit der „Forever Wars“ im Nahen Osten ein Buch wie „Starship Troopers“ mit der gebotenen Distanz verfilmen wollte, ohne einen hirnlosen Actionfilm daraus zu machen. Dann kann man auch gleich eine „Helldivers“-Verfilmung in Auftrag geben.

Bastei-Lübbe ISBN 3404141598 (Amazon)

← Zurück zur Leseliste