Ich mag Jim Carrey nicht, aber auf der Liste der Filme, die ich mir immer wieder ansehen könnte, steht “Eternal Sunshine of the Spotless Mind” ganz oben. Nur wenige Filme sind mir ähnlich wichtig. Vielleicht ist es auch nicht Jim Carrey, sondern die meisten seiner Filme, die einfach nicht meinem Geschmack entsprechen.
Seitdem ich diesen Film gesehen habe, übt der Ort eine gewisse Anziehung auf mich aus. Clementine sagt zu Joel in dessen Kopf kurz bevor ihm die letzte Erinnerung an sie gelöscht wird “Meet me in Montauk”. Doch was wäre für mich an diesem Ort gewesen? Ich weiß es nicht. Ich war nie da. Ich war einmal 20 Kilometer vor Montauk, musste dann aber umdrehen, weil ich sonst meinen Rückflug in die Heimat nicht rechtzeitig erreicht hätte. Die Vernunft obsiegte über die Neugier. Der Ort ist immer noch auf meiner Bucketlist. Aber ich hege den Verdacht, dass er, so wie sich die Situation darstellt, dort verbleiben wird.
Dabei ist es nicht mal das erste Mal, dass ich von diesem Ort gehört habe. Ich hatte vorher über ihn gelesen. Es ist aber nicht so sehr Max Frischs Montauk gewesen, der diesen Ort für mich bedeutend werden ließ. Ich bin über dieses Werk bis heute stark gespalten, weil es sich so anders las, als ich Max Frisch aus dem Deutschunterricht gewohnt war. Aber im Grunde genommen geht es dort auch um Erinnerungen. Lynn löst im Autor Erinnerungen an seine Vergangenheit aus. Sowohl geschehene Vergangenheit als auch mögliche Vergangenheiten.
Die Beschäftigung mit dem Thema Erinnerungen ist der Grund, warum ich den Film so mag. Vordergründig ist es eine Geschichte über Liebe. Aber eigentlich geht es um Erinnerungen. Es ist eine Geschichte, warum das Vergessen genauso wichtig ist wie das Nicht-Vergessen. Nicht-Vergessen lässt uns Fehler nicht wiederholen, Vergessen lässt uns aber fortschreiten. Wie kann man lernen und vergessen? Wie kann man fortschreiten und nicht vergessen?
Es ist eine schwierige Balance zwischen diesen beiden Extremen. Und was passiert, wenn Gedanken einfach nicht verblassen? Ich kann mich bis heute an die meisten großen Peinlichkeiten meines Lebens sehr gut erinnern.
Meine Gedanken sind stete Rekursion. Ich nehme etwas wahr und Gedanken tragen mich durch meine Erinnerung, Erfahrungen und mein Wissen. Und die Rekursion ist oft verstörend tief. Das Verblassen von Situationen in unserem Kopf hilft uns diese zu beenden. Aber was ist, wenn nichts zu verblassen scheint?
Oder die Zeit, die Erinnerungen nur sehr selektiv verblassen lässt. Wenn man sich an einen Fehler im Job noch 10 Jahre später erinnert, aber die Rekursion irgendwie auslässt, dass man die Situation danach gerettet hat. Wenn die Gedankenrekursion immer wieder die Dinge hochkocht, die man selbst falsch gemacht hat, während sie gleichzeitig die Situation, in der das passierte, völlig auslässt.
Der Film ist nunmehr 22 Jahre alt. Warum denke ich über diesen Film gerade jetzt wieder nach? Warum beschäftigt mich das Thema Erinnerung? Es gibt zwei Tage im letzten Jahr, die in meinem Gedächtnis vollständig fehlen. Es waren die Tage nach meiner Aneurysma-OP. Die Tage mit den 154 Minuten, in denen mich eine Maschine am Leben hielt. Mithin die einschneidendsten Tage meines Lebens. Gerade diese Tage fehlen in einem Leben, das in anderen Belangen so vollständig erinnert erscheint.
Ist dies vielleicht der ewige Sonnenschein eines unbefleckten Geistes?