Exkurs: Irgendwo im Nirgendwo

Exkurs zu Der Tag, an dem mein Herz stillstand - Teil 14 (Lesezeit: 4 Min.)

Es ist vielleicht nicht der Hintern der Welt. Die Bahnstrecke von Hamburg nach Hannover verhindert dies. Aber man kann ihn von Bad Bevensen aus deutlich sehen. Sehr deutlich.

Obwohl … das geht im Grunde genommen auch von Lüneburg aus. Alles hinter dem Elbe-Seitenkanal wird wirklich schön. Ich fahre dort gern mit dem Rad. Aber es ist halt alles etwas abseits. Die Elbe mit ihren wenigen festen Übergängen ist wahrscheinlich dafür verantwortlich, dass es hier recht ruhig ist. Dann ist da auch noch die Trennung durch den Elbe-Seitenkanal, der tatsächlich auch als Barriere während des Kalten Krieges gedacht war. Sein Wesen als Barriere hat dieses Bauwerk irgendwie behalten, auch wenn der Kalte Krieg sein vorläufiges Ende fand. Für mich fängt hinter dem Elbe-Seitenkanal ein sehr ruhiges Gebiet an. Ehemaliges Zonenrandgebiet halt. Aber es erzeugt etwas, was zur Erholung essenziell ist: Ruhe.

Nebenbei angemerkt: Ich kann mir vorstellen, warum damals Gorleben als Atommüllendlager ausgewählt wurde. Wer konnte schon damit rechnen, dass sich ausgerechnet in diesem Zipfel Deutschlands (und zum Zeitpunkt der Entscheidung war es durch die noch bestehende DDR dort noch zipfeliger) so viel Widerstand entwickeln würde? Oder vielleicht hätte man gerade deswegen damit rechnen müssen. Ich glaube nicht, dass die Leute, die hier leben, sich viel gefallen lassen.

Zurück zu Bad Bevensen: Ich weiß, dass das eine sehr persönliche Einschätzung ist. Ich habe auch nichts gegen den Ort. Das hat einen sehr guten Grund dafür: meine große kleine Schwester. Ich finde den Ort aber nur wenig interessant. Wenn man aber in Lüneburg wohnt und den Trubel von Hamburg vermisst, dann ist Bad Bevensen vielleicht nicht die richtige Richtung, in die man ziehen sollte. Wahrscheinlich finden viele andere Leute den Ort für ihre Zwecke und Bedürfnisse toll. Ich habe schon von einigen Leuten gehört, die nach Bad Bevensen gezogen sind, weil sie in der Nähe des HGZ sein wollten, weil ihr Herz oder ihre Gefäße äußerst angegriffen waren und einer ständigen kompetenten Behandlung bedurften.

Wenn man aus Lüneburg kommt, liegt der Hauptvorteil von Bad Bevensen meines Erachtens darin, dass man dort sonntags dank der Bäderregelung einkaufen kann. Wenn man also total vergessen hat, dass schon der Samstagabend gekommen ist und der Kühlschrank leer ist, kann man sich mit einer Fahrt nach Bad Bevensen behelfen. Auch wieder eine sehr persönliche Einschätzung über den unbestreitbaren Mehrwert dieses Ortes.

Wenn ich das Gebäude richtig verstanden habe, ist das HGZ so aufgebaut, dass man bei einer Herz-OP von hinten nach vorne durchgereicht wird. Hinten (von der Straße aus gesehen) ist in einem neuen Gebäude die Herz- und Gefäßchirurgie wohl mit Intensivstation, in der Mitte das Akutkrankenhaus und ganz vorne die Rehabilitationsklinik. Ich fühlte mich also in besten Händen.

Klar wäre ich für die AHB lieber an die Ostsee gegangen. Einfach, weil es schöner gewesen wäre als die Klinik am Rande der St… äh … am Rande des Allerwertesten der Welt. Und ich liebe halt die See. Aber vieles wäre dann komplizierter gewesen. Besuch. Versorgung (ich hatte nicht genügend Bekleidung mit und wollte nicht die Gemeinschaftswaschmaschine nutzen. Warum auch, wenn der eigene Kleiderschrank einen Tee und 20 km entfernt war). Mich haben dort also eher praktische Erwägungen getragen, als ich mich für Bad Bevensen entschieden habe.

Ebenso charmant an Bad Bevensen war auch, dass es kaum 30 Minuten mit dem Auto sind, um von Lüneburg in diesen Ort zu gelangen. Aber auch eben nur 30 Minuten, um von dort wieder wegzukommen. Mit der Bahn ist es etwas mehr, aber zwischen Bevensen und Lüneburg ist mehr oder minder nur die Station Bienenbüttel. Man muss aber erst einmal zum Bahnhof kommen und dann wieder im anderen Ort von diesem weg. Schnell nach Lüneburg und wieder zurück wäre aber mit der Bahn kein Problem. Was auch dazu führte, dass ich beim Essen öfter hörte, dass man am Wochenende ja nach Lüneburg in die Stadt fahren würde. Mit einer Begeisterung, bei der ich mich fragte: „Okay, ich mag Lüneburg, aber sooooooo toll isses auch nu wieder nicht.”


↩ Zurück zum Artikel