Ich schrieb ja schon über die Entkörperlichung von Musik. Die physische Folgenlosigkeit, wenn man Musik über Streamingmedien hört. Die Entkörperlichung des gedruckten Wortes erscheint noch viel deutlicher.

Ich blickte danach auf mein Regal und sah die vielen Bücher, die dort aufgereiht waren. Manche vom wiederholten Lesen doch arg mitgenommen. Andere im Vergleich fast ungelesen erscheinend, weil sie sich nie dazu aufdrängten, noch mal in die Hand genommen zu werden.

Ich war im Sommer 2022 in einem Antiquariat in Heidelberg. Es war eher zufällig. Das Schaufenster zog uns in den Laden. Der Laden hatte etwas, das ich mir für mein Alter wünsche: Regale voller Bücher. Es hätte mir hier nur noch ein Sessel mit hoher Lehne gefehlt. Es wäre mein persönliches Elysium gewesen. Der Raum hatte den Geruch von alten Büchern. Einen Geruch, der anscheinend nur dann entsteht, wenn Bücher unter vielen Artgenossen weilen.

Vielleicht mag ich deswegen eBooks nicht. Ich benutze eBook-Reader. Oft sogar. Auf Reisen sind sie so unendlich praktischer. Ich muss nicht überlegen, welches Buch ich mitnehme. Welches daheim bleibt. Ich nehme einfach alle mit. Dennoch bleibt etwas zuhause. Zum Lesen gehört die Körperlichkeit dazu. Das Buch aufzuschlagen. Das Buch zu halten. Die Seiten umzublättern. All das fehlt.

Vielleicht ist das der Grund, warum ich mir all die für mich wichtigen Bücher, die ich mir über die Zeit gekauft habe, noch mal als Hardcover gekauft und gelesen habe. Es fühlt sich einfach anders an.

Written by

Joerg Moellenkamp

Grey-haired, sometimes grey-bearded Windows dismissing Unix guy.