Es ist Samstag. Einkaufen, nicht nur für mich. Darf ich eigentlich auf dem Mutter-und-Kind-Stellplatz parken, wenn ich meine Mutter zum Einkaufen fahre? Der Kofferraum voll. Ich sitze wieder im Auto. Rückwärtsgang eingelegt. Ich schüttle den Kopf. Über Fußgänger. Kreuz und quer laufen sie mit ihren Einkaufswagen hinter meinem Fahrzeug. Es ist deutlich, dass ich zurücksetzen möchte. Ich setze zurück. Ein Einkaufswagen schiebt sich schnell in meinen Blick. Ein Mensch hinterher. Ich bremse. Es piepst im Wagen. Ja, habe ich gesehen. Diesmal.

Fast jeder Fußgänger auf dem Parkplatz war ein Autofahrer. Sie oder er wird bald wieder einer sein. Kennt die andere Perspektive. Das Leben wäre so viel einfacher und sicherer, wenn man als Fussgänger für einen Moment anhält. Wartet, bis das Auto sich auf den Weg gemacht hat. Anstatt einfach hinter dem Fahrzeug herzulaufen. In der Erwartung, dass der andere einen schon sieht. Im Gedanken in der eigenen Welt. War ich gerade eben auch so ein Fußgänger?

Der kleine Bogen, den es bräuchte, dass jeder schnell seines Weges sein könnte. Er scheint schon zu viel. Spieltheorie als Ausweg. Nash auf dem Parkplatz: Du gehst einen Meter mehr. Ich schlage das Lenkrad enger ein. Für beide nicht optimal. Insgesamt besser. Ein kleines bisschen Kooperation. Kooperation, die keiner Sprache bedarf. Nur der gegenseitigen Aufmerksamkeit.

Diese Entwicklung ist nicht neu. Ich beobachte sie schon länger. Es scheint so, als würde jeder denken “Hier komm ich. Dann erst mal lange nichts. Dass mir auf dem Weg durch die Welt nichts passiert? Deine Aufgabe. Lass mich nur einfach meine unbehelligten Wege über den Parkplatz gehen. Mit meinem Einkaufwagen. Hinter deinem Auto.”

Ich sitze im Auto. Warte darauf, dass der Einkaufwagen vorbeizieht. Der Mensch dahinter auch. Es ist keine Wut. Eher ein Hauch von tiefer Frustration. Ein Hauch von “Ich weiss ja auch nicht.”. Nächster Versuch. Es piepst. Ich bremse.

Written by

Joerg Moellenkamp

Personal opinions, observations, and thoughts