Friday, December 31. 2004
Es scheint eine Art Drehbuch zu geben, dem die Medien im Falle einer Katastrophe folgen: "How to report from a disaster". In den ersten Stunden wird erstmal nur bruchstueckhaft berichtet. Kaum der Rede wert. Es ist was passiert, keiner weiss so recht was. Das liegt in der Natur der Sache. Das ist normal.
Doch danach folgt ein Umkippen. Die Medienberichterstattung wird allgegenw?ig. Auf Webseiten werden spezielle Bereiche dafuer eingerichtet. Eine Sondersendung jagt die andere. Die Nachrichten verlagern sich auf die Mitteilung des Deathcount. In dieser Phase wird das getan, was man von Journalisten erwartet. Informationen sammeln, sie weitergeben, uns informieren. Auch das ist gut.
Irgendwann, nicht lange nach dem Ereigniss, es wird triefig. Es wird das berichtet, was man so gerne die Geschichten hinter den Geschichten nennt. Es wird ueber menschliche Tragoedien berichtet. Das ist die Phase der Mitleidserzeugung. Man bindet das Publikum an die Geschichte. Der Informationsjunkie ist laengst weitergezogen. Jetzt ist es die emotionale Gruppe, die sich fuer die Geschichte interessiert. Die Berichterstattung ueber menschhliche Schicksale und Tragoedien beginnt. Der Mann, der seine Familie verliert, das Kind das seine Eltern verliert. Alles wird zur Nachricht.
Doch diese Aufmerksamskeitsspanne ist kurz. Das Interesse klingt ab. Nach wenigen Tagen ist das Ereigniss vergessen, vielleicht erst nach zwei oder drei Wochen, aber nicht viel laenger. 6 Monate spaeter erinnert mich sich nur noch an das Ereignis, weil man die Spendenquittung beim Sortieren seiner Akten findet. Ein bis zwei Jahre spaeter wird man sich nur noch gelegentlich erinnern, weil die Medien darueber berichten, wie es mit den Menschen weiterging.
Das war bei Ramstein so, das war bei der Estionia so, das ist in Eschede und Enschede so gewesen, das war 9/11 so, das ist bei der momentanen Katastrophe so. Und wenn der Tsunami laengst nur noch Teil der Erinnerung von Betroffenen ist, wird es auch bei der naechsten Katastrophe so sein. Eben nach Drehbuch fuer solche Katastrophen.
Und da mittlerweile unsere Aufmerksamkeit jener der Medien gleichgeschaltet ist, wird unsere Erinnerungsspanne immer kleiner. Kleiner als es eigentlich dem Leid angemessen waere.
Friday, December 31. 2004
Um es mit den Animaniacs zu sagen:
Gute Idee: Kondome mit einer AIDS-Warnung verschenken!
Schlechte Idee: Eine rote Schleife fast mittig drantackern!
vowe dot net :: Be safe?
Friday, December 31. 2004
Die werte Dame oder der werte Herr aus den US of A mit dem Browser "Mozilla/4.0 (compatible; MSIE 5.5; Windows 98; Win 9x 4.90)" kann jetzt aufh?, diese Webseite mit Requests auf das Comment-Form zu bombardieren. Es nervt!
Friday, December 31. 2004
Enterprise Unix Roundup: 2004, the Year of Ferment:
However, this is the first year in a few we found ourselves thinking there's a future for Unix beyond Linux. 2004 was about putting the pieces in place; in 2005 those pieces will need to go into motion.
Friday, December 31. 2004
Thursday, December 30. 2004
Neben dem Informationjunkie gibt es noch eine zweite Spezies, die im Bugwasser von Katastrophen durch das Internet streift: Der aggressive Gutmensch. Jederzeit mit einem klaren Bild ueber Gut und Boese, Richtig und Falsch. Nichts kann f?ich stehen, alles muss kommentiert werden. Es darf nichts dem Dunstkreis der Deutbarkeit, der Notwendigkeit zur Deutung unterliegen. Die Deutung muss klar sein, die Deutung muss mitgeliefert werden. Und im gegensatz zum guten Menschen, der Gutes tut und "gut is", versucht der aggressive Gutmensch Evangelisierungsarbeit zu leisten, wo nichts zu evangelisieren ist.
Ein Beispiel: Die Kommentare zu www.vowe.net - Ein Photo einer Person, die in den Fluten zu ertrinken droht, muss der guten Sache anheim gestellt werden. Es soll Spenden bringen. Es darf nicht f?ich stehen. Es darf nicht als Symbol der eigenen Erschuetterung dienen. Dabei ist dieses Photo von den Bildern, die ich bisher gesehen hat, jenes, welches am deutlichsten zeigt, wie machtlos wir gegen? der Natur sind und wer wirklich "Herr im Hause" auf dieser Welt ist. Und daf?rauche ich nicht die Interpretationshilfe von anderen, um meine Schluesse zu ziehen.
Thursday, December 30. 2004
Wednesday, December 29. 2004
Letztlich ist es ja auch nur einer Form des Voyeurismus. Nur schlimmer. Es ist eine Sucht. Man nennt es "Informiert sein". Die Jagd nach einzelnen Informationsfragmenten. Die Sucht, nach neuen Informationen, nach direkteren Informationen. Das Fernsehen reicht irgendwann nicht mehr. Das Radio ist eh nur noch die Ersatzdroge, um nicht waehrend der Fahrt zur Arbeit auf Entzug zu geraten. Die Informationsdichte ist zu niedrig, der Stoff nicht rein genug.
St?ig im Internet herumstreunend, Google wird zum Dealer, Blogs veredeln oder strecken den Stoff noch. Jenachdem. Und je n?r am Geschehen, je ungefilterter die Information, desto besser. Informationsjunkies.Das Netz ist voll davon. Aber was kommt, wenn auch das Internet nicht mehr reicht? Wenn die stuendliche Line Information nicht mehr befriedigt?
PS: Warum ich das schreibe: Hunderte Hits auf einen Eintrag,der zu Weblogs von Tsunami-Augenzeugen fuehrt, auf einem unbekannten Weblog, kann schon zum Nachdenken anregen...
Wednesday, December 29. 2004
Science News Article | Reuters.com:
COLOMBO (Reuters) - Sri Lankan wildlife officials are stunned -- the worst tsunami in memory has killed around 22,000 people along the Indian Ocean island's coast, but they can't find any dead animals.
Wednesday, December 29. 2004
Wednesday, December 29. 2004
Auf ITW gefunden:
Guten Morgen, lieber ZEIT-Leser: z?die Brieftasche oder das Internet-Banking. Jetzt sofort. Es gibt nur einen, der die Welt retten kann: dich.
[...]
Hier ist eine Zusammenfassung von Spendenkonten (von tagesschau.de und n24, gefunden bei Apfeltalk):
- Deutsches Rotes Kreuz, Bank f?ozialwirtschaft, Konto 414141, BLZ 370 205 00, Stichwort: S?ien, Link;
- UNICEF, Spendenkonto 300.000, Bank f?ozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Stichwort: Erdbeben Asien, Link
- Diakonie Katastrophenhilfe, Konto 502707, Postbank Stuttgart, BLZ 600 100 70, Link
- Caritas International, Konto 202753, Postbank Karlsruhe, BLZ 660 100 75, Kennwort Erdbeben-S?ien, Link;
- Christoffel-Blindenmission, Sparkasse Bensheim (509*500*68), Konto Nr. 5050505, Kennwort S?ien, Link
Dem ist nichts hinzuzuf?.
Wednesday, December 29. 2004
AMD hat die TDP f?ie Dualcores herausgegeben: Dual core Opteron speeds, power revealed. Interessant ist, das Intel bei einem E0-Prescott-Singlecore eine nur um 10 Watt geringere TDP hat. Dualcore durch dranflanschen wird da wohl nicht gehen (mal abgesehen von den Problemen, die systemseitig bestehen (Ein Dual-Prozessor mir Dualcores geht wohl nicht mit der Architektur, wenn man was vom zweiten Prozessor haben will - von W?e und Stromverbrauch abgesehen). Wahrscheinlich sind das die Kleinigkeiten, die den Designvorsprung von einem Jahr ausmachen. Ich hoffe nur, das sich AMD diesmal nicht so bloed anstellt.
Wednesday, December 29. 2004
Sehr lesenswerter Text ? die Flutkatastrophe, ganz ohne "Es k?e auch hier passieren" oder irgendwelche reisserische Formulierung - und vor allen dingen gut lesbar: Die Zeit - Dossier: Ohne jede Warnung
Wednesday, December 29. 2004
Tuesday, December 28. 2004
Es ist verlogen, es ist unsinnig: Falsche Piaetaet hat jetzt Musiksender dazu gebracht, bestimmte Lieder nicht mehr zu spielen. Seit annodunnemals "Jeanny" aus dem Programm gekegelt wurde ist das ja eh das Repertoire einer jeden stromlinienf?gen Programmdirektion: Hoerfunk - Radiosender streichen "Die perfekte Welle" - Kultur - SPIEGEL ONLINE. Was soll das ?
Vielleicht geht es da um die Schlagzeile: Wir sind solidarisch ("... patriotisch, vollidiotisch"), wir gedenken den Opfern. Das macht sich gut als Nachricht. Piaetaet dem Mindshare willen.
Oder sollte sich die bundesdeutsche Gesellschaft der amerikanischen schon derart angen?rt haben, das auch hier der Wahn, alles politisch korrekt zu formulieren, die Zirkel sozialwissenschaftlicher Fachschaften verlassen hat? Muss ein Programm wirklich so gestaltet werden, das es wirklich nirgends anstoesst (Was bei 80 Mio Deutschen einen gemeinsamen Nenner zulaesst, der ungefaehr so anstoessig ist wie die Teletubbys) ?K?n die Medien nicht den Opfern am Besten durch eine gute und l?nlose Berichterstattung gedenken?
Die Autorin von Beissholz hat wahrscheinlich ganz recht: Lieder oder Kunst allgemein bekommt durch solche Ereignisse eine zus?liche Bedeutung.
Oder weitergedacht: Aus dem recht flachen Lied kann dadurch etwas werden, durch das man sich l?er an die Katastrophe erinnern kann als die uebliche 7-Tage-Bewusstseinsspanne an eine Katastrophe, an ein Ereigniss erinnert. Schliesslich hat ja fast jeder bei diesem unsaeglichen Lied von Enya zwei brennende Tuerme vor Augen.
PS: Wo wir dabei sind ... ich fordere das dann zus?lich folgende Lieder nicht mehr gespielt werden:
Peter Gabriel - Here comes the Flood
Bruce Springsteen - Lost in the Flood
Bob Dylan - Down in the flood
u.v.m
NP: Peter Gabriel - Here comes the flood (Trotzreaktion)
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