<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
<channel>
<title>c0t0d0s0.org</title>
<description>A blog about Life, Solaris, Cycling and all the rest.</description>
<link>https://www.c0t0d0s0.org/</link>
<atom:link href="https://www.c0t0d0s0.org/cycling.xml" rel="self" type="application/rss+xml"/>
<language>de</language>
<lastBuildDate>Thu, 21 May 2026 13:01:18 +0000</lastBuildDate>
<image>
  <url>https://www.c0t0d0s0.org/favicon.svg</url>
  <title>c0t0d0s0.org</title>
  <link>https://www.c0t0d0s0.org/</link>
</image>
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
<item>
<title>Berlin</title>
<description>Ich frage mich bis heute an vielen Stellen, wie mein Gehirn verschaltet ist. Okay, fragen sich wahrscheinlich mehr Menschen, die mich kennen. Vermutlich mit...</description>
<content:encoded>&lt;p&gt;Ich frage mich bis heute an vielen Stellen, wie mein Gehirn verschaltet ist. Okay, fragen sich wahrscheinlich mehr Menschen, die mich kennen. Vermutlich mit Recht und das auch nicht erst seit gestern. Aber ich meine jetzt was anderes: Wann immer ich irgendwas an einem Tag mit Berlin zu tun habe, drängt sich mindestens einmal pro Tag und für ganz kurze Zeit ein aus meiner heutigen Perspektive ganz und gar schreckliches Lied in den Kopf.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich kann es nicht abstellen. Konnte ich nie. Bis ich den Gedanken wieder verscheucht habe, dauert es kaum eine Sekunde, aber das reicht, um den Titel im Kopf zu haben. Allerdings war diesem Lied eine Zeitlang genauso schwer auszuweichen wie Mariah Carey zu Weihnachten, sodass die Erinnerung genauso erklärbar ist wie der Gedanke an den Underberg-Werbespot. Ich weiß nicht, ob sich hier noch jemand an das Lied “Berlin! Berlin!” von den Gropiuslerchen erinnert. Falls ja, gern geschehen für das zwangsläufige “Berlin! Berlin!” im Kopf.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich empfehle übrigens als Antidot für dieses Ohrengift (wie gesagt — heutige Perspektive) die ganz und gar großartige und wunderbare &lt;a href=&quot;https://www.youtube.com/watch?v=-hPBt7ICpLQ&quot;&gt;A-Cappella-Version des Endcreditssongs des Films “Oblivion”&lt;/a&gt;. Das Original wird eigentlich von Susanne Sundfør gesungen, welche eine großartige Sängerin und schwer zu überbieten ist — aus meiner Sicht. Aber diese Version hat wirklich etwas. Insbesondere weil das “Higher and higher and higher” hier weniger als Fremdkörper wirkt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber eigentlich geht es um etwas anderes: Es geht um die dritte Radreise im letzten Urlaub. Dritte? Wo ist der Bericht über die zweite? Naja. Der ist noch auf meinem Rechner. Es gibt gute Gründe, noch einige Dinge vorher zu erledigen. Bevor ich einen Einblick in meine Jugend gebe. Denn letztlich war die zweite Radreise eine Fahrt durch meine Vergangenheit.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;vergangene-zeit&quot;&gt;Vergangene Zeit&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Vergangenheit ist ein gutes Stichwort: Ich habe immer noch einen Feedreader laufen. Er dient dazu, &lt;abbr title=&quot;Really Simple Syndication&quot;&gt;RSS&lt;/abbr&gt;-Feeds von Webseiten zu lesen. Anstatt sich die Artikel aktiv anzuschauen, erscheinen sie im &lt;abbr title=&quot;Really Simple Syndication&quot;&gt;RSS&lt;/abbr&gt;-Feed, der Reader pollt den regelmäßig und ich bekomme dann irgendwann mit, dass da etwas Neues geschrieben wurde. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es noch so viele Menschen gibt, die diese Tools verwenden. Ich lese immer noch gerne damit. Es gab mal eine Zeit, in der es ziemlicher Diskussionsgegenstand war, welchen Feedreader man nun nutzt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Was mir vor einigen Tagen via Feedreader auf den Rechner gespült wurde: Ein Blog, das ich seit vielen Jahren lese (eben via Feedreader), ist vor Kurzem 18 geworden. Wow, das hätte ich jetzt echt nicht gedacht. Ich wünsche dem Blog alles Gute zum Geburtstag und zur Volljährigkeit.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe bei der Gelegenheit übrigens festgestellt, dass ich im Juli 2004 das erste Mal etwas auf mein Blog gestellt habe. c0t0d0s0.org ist also dieses Jahr 20 Jahre alt geworden. Ich habe also den 20. Geburtstag meines Blogs verpasst. Tut mir leid, Blog! Deinen 25. Geburtstag werde ich nicht vergessen.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;der-nächste-plan&quot;&gt;Der nächste Plan&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Okay, zurück zu meinem Urlaub. Nachdem die große Reise ja dank der Bahn bereits in Lüneburg ihr Ende gefunden hat und ich in der zweiten Woche meines Urlaubs nach Fehmarn und in der dritten Woche von Emden nach Lüneburg gefahren bin, brauchte ich eine Idee für die dritte Woche.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es stand kurz im Raum, noch irgendwo hinzufliegen. Hätte ich machen sollen, wäre einiges anders gelaufen. Aber am Ende setzte sich dann doch die Idee durch, mit der Bahn einfach nach Berlin zu reisen, um dann mit dem Fahrrad zurückzufahren.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;noch-weiter-in-die-vergangenheit&quot;&gt;Noch weiter in die Vergangenheit&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Als ich die Idee mit Berlin hatte, habe ich mich fast sofort über 40 Jahre zurückversetzt gefühlt. Samstags, mit Flips und Chips mit meinen Eltern vorm Fernseher sitzend. Gemeinsam mit meinen Geschwistern “Wetten, dass..?” guckend. Ich weiß wirklich nicht, warum ich mich an so einen Unsinn erinnere. Aber Dieter Thomas Heck hat mal eine Wette verloren. Sein Wetteinsatz war die Fahrt mit dem Fahrrad nach Berlin zur IFA.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich kann mich noch dran erinnern, dass er damals den Wetteinsatz nicht so richtig einlösen konnte. 1983 waren die Transitwege nach Berlin alle zumindest teilweise Autobahnen, konnten also nicht mit dem Fahrrad befahren werden. Ich kann mich noch an den Bericht zur Wettschuldeinlösung erinnern. Er hat damals ein Rad in einen Bus einbauen lassen. Der Bus fuhr dann nach Berlin auf der Autobahn und Herr Heck im Bus auf dem Rad. So wurde der Herr Heck dann doch nicht zum Wettschuldpreller.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es war bis 1981 übrigens tatsächlich möglich, mit dem Fahrrad über den Grenzübergang Lauenburg über die B5 (F5 in der DDR) mit dem Fahrrad nach Berlin zu fahren. Wenn man das in einer Nacht ohne Übernachtung schaffen konnte, wurde das toleriert. Wenn man nach Anbruch des Tages in die DDR eingereist ist und vor Einbruch der Dunkelheit in Berlin angekommen ist. Oder umgekehrt. Das ging aber auch nur so lange, wie diese Transitstrecke keine Autobahn war, und daher war es 1981 damit einfach vorbei. Danach war das Kraftfahrzeug Pflicht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;So gesehen wäre mein Plan vor 1989 nicht möglich gewesen. Aber ehrlich — vor 1989 hatte ich andere Gedanken, als mit dem Rad nach Berlin zu fahren.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;die-genutzte-gelegenheit&quot;&gt;Die genutzte Gelegenheit&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Momentan ist die Fahrt für Lüneburger nach Berlin bedeutend bequemer als sonst. Die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin ist noch bis zum Ende des Jahres gesperrt. Es wird die Strecke gerade auf Stand gebracht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Somit fahren momentan sämtliche Züge nach Berlin zunächst über Lüneburg, um dann über Uelzen, Salzwedel und Stendal schlussendlich in Berlin anzukommen (um dann weiterzufahren). Das heißt, es gibt momentan jede Menge Verbindungen ohne Umstieg nach Berlin und wieder zurück. Leider ist das nur in Ausnahmefällen so. Lüneburg ist ja ein wenig blöd gelegen. Man merkt hier immer noch ein wenig den Zonenrand. Mit dem Auto muss ich zur Autobahnauffahrt Zarrentin fahren, mit der Bahn entweder nach Hamburg oder nach Büchen. Und das ist doch ein Umweg.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es hätte anders sein können. Es gab wohl mal die Idee, nicht die heutige Strecke über Wittenberge auszubauen, sondern jene, die heute ersatzweise genutzt wird. Jene über Salzwedel und Stendal. Wobei die Strecke zwischen Hamburg und Uelzen heute schon überlastet ist. Wenn ich mir vorstelle, dass da noch der ganze Berlin-Hamburg-Verkehr hätte durchgehen müssen, fehlt mir eine Idee, wie schlimm es dann jetzt auf der Strecke wäre. Ich verstehe, warum man dies nicht gemacht hat. Schade finde ich es trotzdem.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Für mich wäre das deutlich bequemer gewesen. Ist aber nicht so gekommen. Weil ich beruflich viel mit Kunden in Berlin zu tun habe, ist das zuweilen momentan alles etwas unpraktisch. Ich denke momentan unter anderem auch deswegen darüber nach, ob es nicht intelligent wäre, wieder nach Hamburg zu ziehen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es gab mal einen Eurocity über Lüneburg und dann Potsdam, der in den Tagesrandlagen fuhr. Der war für mich für ein knappes Jahr essenziell, weil ich am Anfang meiner Karriere bei Sun sehr oft in Potsdam war. Dieser EC Wawel hat mittlerweile einen ganz anderen Zuglauf, er kommt nicht mal mehr bis nach Hamburg. Und Potsdam war schon vorher kein Halt mehr. Aber ich erinnere mich genauso gut an diesen wie an die recht plüschige ungarische Wagengarnitur, die ebenfalls zwischen Hamburg und Berlin verkehrte, da sie Teil des Zuglaufs von Budapest Keleti nach Hamburg-Altona (und umgekehrt) war. Dieser Zug führte übrigens zu einem Schmunzeln, als ich mit meiner damaligen Partnerin in Nové Zámky stand (wir besuchten ihre Familie) und auf dem Zuganzeiger Hamburg-Altona erschien. Manchmal scheint es nicht nur so, dass alle Wege nach Rom führen, sondern immer auch ein paar nach Hamburg-Altona. Egal wie weit man von Hamburg weg ist.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wie auch immer, momentan ist es superbequem, nach Berlin zu kommen. Und ich wollte das nutzen, bevor wieder alles Richtung Berlin so weit an mir vorbeifährt.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;planung&quot;&gt;Planung&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich habe dann sehr kurzfristig eine Strecke von Berlin nach Lüneburg geplant, mein Gepäck wieder ans Fahrrad gehängt und habe mich auf den Weg nach Berlin gemacht. Viel zu viel Gepäck wieder. Aber es war halt auch ein weiteres Training für die große Radreise.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich weiß, dass es Leute gibt, die sich entschließen, nach Berlin zu fahren und die dann 10 bis 12 Stunden lang auf dem Rad sitzen und das an einem Stück fahren. Aber ich wollte mich nicht hetzen und habe mich entschieden, irgendwo in der Mitte zu übernachten. Ein Hotel war schnell gefunden. In Havelberg, einer Hansestadt an der Elbe. Okay, das war zwar nicht ganz die Mitte der Strecke, aber nah genug dran.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Idee war eine relativ gradlinige Routenführung. Die Elbe behindert das ein wenig, die Topographie des Geländes auch. Aber die Strecke ist zumindest so halbwegs umwegfrei. Die geplante Streckenführung war Berlin–Nauen–Rhinow–Havelberg–Fähre und dann schnurstracks nach Gartow–Dannenberg–Lüneburg. Also wirklich relativ direkte Streckenführung. Es kam dann doch etwas anderes. Die Elbe spielte dabei eine entscheidende Rolle.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;warten&quot;&gt;Warten&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Apropos Rolle. Ich rollte also wieder den Hügel Richtung Bahnhof Lüneburg runter. Ich muss mehr oder weniger das Rad von meinem Haus nur einmal etwas kräftiger mit den Pedalen anschubsen und kann das Rad dann einfach laufen lassen. Naja fast — kommt etwas auf den Wind an. Am Bahnhof angekommen, wäre ich beinahe in den falschen Zug gestiegen. Auf meinem Gleis stand ein Zug, der nach München fahren sollte. Aber im letzten Moment habe ich noch mal auf die Zugnummer geguckt. Äh. Passt nicht. Häh?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun, von Hamburg aus gibt es zwei Wege, nach München zu kommen, einer über die normale Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg und einen über Berlin. Wie gesagt, Zugnummer passte nicht und als ich richtig genau geguckt habe, stimmte auch der Zuglauf nicht. Aber — was macht dieser Zug auf meinem Gleis? Und wenn dieser Zug hier ist, wo ist dann mein Zug?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ein rauchender Fahrgast hat dann wohl meine Fragezeichen im Auge gesehen und meinte nur, dass der Zug da schon eine Weile stehen würde. Ein Signalschaden bei Bienenbüttel hat den Zug dort stranden lassen. Kurze Zeit später kam dann die Durchsage, dass „mein” Zug mit Zwischenstation Berlin und Endstation München auf einem anderen Gleis einfahren würde. Ich musste also doch in den Fahrstuhl, einmal runter, einmal rauf. Ich hatte mich eigentlich sehr darüber gefreut, dass ich von dem Gleis abfahren würde, welches von den Ferngleisen eben keine Fahrstuhlfahrt benötigen würde.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe mir völlig unnötig Stress beim Gleiswechsel gemacht. Ich wollte nach der Durchsage so schnell wie möglich bei meinem Zug sein. Allerdings würde erst mal für weitere geraume Zeit nichts abfahren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/bahnsteig_lueneburg.jpeg&quot; alt=&quot;Bahnhof Lüneburg&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Der auf dem anderen Gleis wartende Zug&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Genauso wenig wie der eine Zug weiterfahren konnte, konnten wir es. Beide Züge fahren erst hinter Uelzen nicht auf demselben Schienenweg. Bienenbüttel (manchen vielleicht noch als Quelle des EHEC-Problems bekannt) liegt davor. Also warten. Es hat dann noch tatsächlich gefühlt eine halbe Stunde gedauert (oder zwei Zigaretten eines anderen Fahrgasts), bis sich der Zug endlich in Bewegung gesetzt hat. Der andere Zug musste erst mal weg. Und es hatte sich wohl ein aus Güterzügen bestehender Pfropfen südlich von Lüneburg gebildet, der erst mal aufgelöst werden musste.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/haengendesrad.jpeg&quot; alt=&quot;Hängendes Rad&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Das Rad — noch nicht ganz von allen Lasten befreit&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der Vorteil war aber, dass ich so in aller Ruhe mein Fahrrad unterbringen konnte. Diesmal war ich gezwungen, mein Fahrrad aufzuhängen. Ich weiß immer noch nicht, ob meine Felgen dafür eigentlich zugelassen sind, aber um so wenig Gewicht wie möglich wirken zu lassen, war meine erste Amtshandlung im Zug die Demontage sämtlichen zusätzlichen Gewichts: Gepäck, Wasser, Range Extender. Kurz vor Spandau habe ich dann angefangen, das Rad abzuhängen und alles wieder am Rad anzubringen.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;unfreundlichkeit&quot;&gt;Unfreundlichkeit&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Man sagt ja, dass Berlinern eine gewisse Unfreundlichkeit innewohnt. Ich habe an einigen Stellen gelesen, dass der Berliner sich nicht für unfreundlich hält, sondern einfach nur für ehrlich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich bin ziemlich sicher, dass man auch ehrlich sein kann, ohne unfreundlich zu sein. Diplomatisch halt. Quasi den Kettenhandschuh, nur halt mit einem Seidenhandschuh darüber gezogen. Okay, man merkt vielleicht nur, wenn man mich kennt, dass ich gerade stinksauer oder enttäuscht oder beleidigt bin. Aber zumindest gegenüber Fremden kann man sich, denke ich, einer gewissen Diplomatie bedienen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich halte die Unfreundlichkeit in vielen Bereichen auch für ein Vorurteil. Ich weiß, dass das ein großes Vorurteil ist. Ich kenne viel zu viele Leute in Berlin, die diesem Vorurteil nicht entsprechen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das Blöde ist immer nur: Für jeden Menschen, den ich in Berlin kennenlerne, den ich für sehr freundlich halte, begegne ich auf meinen Reisen einem Menschen, der genau das Gegenteil darstellt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dem superfreundlichen Taxifahrer, der auch klischeegerecht zu viel quatscht (wobei das für einen Norddeutschen nicht unbedingt bedeutet, dass die Wortanzahl extrem hoch ist), folgt eine der unfreundlichsten Bäckereifachverkäuferinnen westlich des Äquators. Vielleicht sehe ich auf meinen Wegen nur die Extreme der Glockenkurve oder diese Stadt ist wirklich so. Extrem. In allen Dingen. Wobei der weitaus größte Teil wie in jeder Stadt einfach seinen Dingen nachgeht. Vielleicht habe ich da immer auch nur Pech.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Warum ich das anspreche? Weil ich dem Unfreundlichkeits-Extrem begegnet bin auf dieser Fahrt. Weil ich der Meinung bin, dass man als etwa 30- bis 40-Jähriger einen etwa 60-Jährigen nicht mit “Hey Meister, das ist mein Rad” anspricht, wenn dieser sein Rad leicht verschieben muss, um an sein eigenes zu kommen. Diese ganze Diskussion zwischen den beiden, die seitens des 30- bis 40-Jährigen im Grunde nur aus einer Kette von Herabwürdigungen und Unfreundlichkeiten bestand, war unnötig. Ich glaube, man hätte das auch mit “Entschuldigen Sie, das ist mein Rad, kann ich es kurz wegräumen” wesentlich effektiver führen können. Aber nein — die Diskussion musste “ehrlich” ablaufen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;So besonders war das Rad dieses Exemplars von Mitfahrer auch nicht. Ein Klapprad. Das Rad des 60-Jährigen war mit Sicherheit teurer. Dass sein Rad als Handgepäck zählt und daher nicht im Weg stehen darf, war ihm eher weniger nahezubringen. Er verließ in Spandau den Zug. Weitere Kommentare von sich werfend. Weder einfach mal freundlicher sein noch einfach mal die Sache gut sein zu lassen war diesem Menschen möglich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mich ärgert so ein Verhalten einfach maßlos. Wobei — wahrscheinlich war dieses Treffen einfach notwendig, damit ich einen genügenden Karmakontostand hatte, um einer wirklich freundlichen Tankstellenkraft zu begegnen, als ich meine Kaltwasservorräte ergänzt habe, die mich interessiert gefragt hatte, wohin ich fahren würde, als ich in textmarkergelber Jacke, mit Helm und Fahrrad-Bibshorts die Tankstelle betrat und selber lachen musste nach ihrer Frage, ob ich auch getankt hätte. Schön zu sehen, dass nicht nur ich im Job zuweilen im Tran bin.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;berlin&quot;&gt;Berlin&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Irgendwann bin ich dann auch endlich am Berliner Hauptbahnhof angekommen. Trotz Signalstörung. Etwa eine Stunde später als geplant. Die Züge aus Hamburg kommen am Tiefbahnhof an, also erst mal den Fahrstuhl suchen, der sich gefühlt am völlig anderen Ende des Bahnhofs befand, obschon es nur das völlig andere Ende des Gleises war. Wobei, es gibt glaube ich gar keinen Bahnsteig in Berlin, für den man nicht eine Treppe oder einen Fahrstuhl benutzen muss, um im Erdgeschoss aus dem Bahnhof zu kommen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/bahnhofsdach.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Dach Berlin HBf&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Dachkonstruktion des Berliner Hauptbahnhofs&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der Berliner Hauptbahnhof war wuselig wie immer und irgendwann stand ich dann auf dem Bahnhofsvorplatz. Jene Seite, die dem Kanzleramt zugewendet ist. Wäre ich auf der anderen Seite aus dem Bahnhof gegangen, hätte ich sagen können, ich wäre von der Berliner Geschäftsstelle von Oracle nach Hause gefahren. An dem Tag wäre sogar eine Konferenz gewesen, auf der ich hätte sein müssen, hätte ich nicht Urlaub gehabt. So fehlen mir da jetzt ein paar Meter dafür.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/bahnhofsvorplatz.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Bahnhofsvorplatz&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Bahnhofsvorplatz&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich muss ja zu meiner Schande gestehen, dass ich dann erst mal eine völlig touristische Strecke gefahren bin. Kanzleramt. Reichstag. Brandenburger Tor. Nochmal Reichstag. Haus der Kulturen der Welt. Schloss Bellevue. Siegessäule. Halt so alles, was man in Berlin so per Default gesehen haben sollte.&lt;/p&gt;

&lt;div class=&quot;gallery-box&quot;&gt;
  &lt;div class=&quot;gallery&quot;&gt;
    &lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/hausderkulturenderwelt.jpeg&quot; /&gt;
    &lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/quadriga.jpeg&quot; /&gt;
  &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;div class=&quot;gallery-box&quot;&gt;
  &lt;div class=&quot;gallery&quot;&gt;
    &lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/schlossbellevue.jpeg&quot; /&gt;
    &lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/siegessaeule.jpeg&quot; /&gt;
  &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;Ich bin hier zwar schon mehrfach gewesen. Ich bin auch schon mal von einem Kunden in der Nähe des Potsdamer Platzes zum Hauptbahnhof gelaufen, weil mich meine Zugbindung noch über geraume Zeit in Berlin festhalten sollte, und habe zu Fuß einige der Orte schon vorher besucht. Aber mit dem Rad noch nicht. Been there, done that. Aber ich muss dazu auch sagen: Ich bin da nur langgefahren, weil ich schon mal da war und so sagen kann, ich war mit dem Rad beim Brandenburger Tor.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Berlin ist an vielen Stellen doch so ganz anders als Hamburg. Ein Beispiel: Es gibt ja in Hamburg keine wirklich lange Straße, die über eine lange Strecke mehr oder minder einfach geradeaus führt. Alles ist irgendwie kurvig oder endet recht schnell. In Berlin schon. In Berlin kann man erst mal 10 km eine furchtbar gerade Strecke fahren. Man ist in der Stadtmitte, fährt fast schnurgerade und ist fast am Stadtrand. 10 km klingen jetzt vielleicht nicht nach wirklich viel. Aber ich habe recht lange aus Berlin heraus gebraucht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es waren die vielen Ampeln, die mich gebremst haben. Aber auch viele Querstraßen, bei denen ich einfach nicht das Vertrauen hatte, mit voller Geschwindigkeit vorbeizufahren. Aus Angst, dass da gleich jemand ohne zu gucken herausfahren würde. Und dann nur entschuldigend wieder die Hand heben würde. Eine Geste, bei der ich mir mittlerweile unsicher bin, ob es wirklich eine Entschuldigung ist oder ein etwas getarntes „Sprich mit der Hand!”. Ich versuche in den Momenten nach dem ersten Schreck die Gesichter zu sehen und zu enträtseln. Und ich bin mir uneins. Die gehobene Hand bringt mir wenig, wenn ich auf der Motorhaube meine Knochen sortiere. Mal abgesehen vom Blechschaden, den ich erzeugen dürfte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Man mag da über die Hinweisschilder in Lüneburg lächeln, die einem anzeigen, ob man zu schnell oder zu langsam ist, um die nächste Fahrradfahrerampel bei Grün zu erreichen. Aber sie funktionieren. Und sie sind nicht einmal schwer zu verstehen, auch wenn ein deutscher “Comedian” mit seiner Sendung, die nur darauf aus ist, alles schlechtzureden, da etwas anderes suggeriert hat. Wie gesagt, sie funktionieren gut. Oder die grünen LEDs vor der Universität in Oldenburg, die einem anzeigen, ob man die nächste Ampel bei Grün erreichen wird. Die haben auch wunderbar funktioniert. So was hätte ich mir auf dieser langen geraden Straße in Berlin auch gewünscht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;So richtig genervt hat mich aber auf der Strecke in Berlin etwas anderes: Irgendwas klapperte. Es klapperte wie eine Kette. Aber auch nur irgendwie. Bei jedem Halt an einer Ampel gucke ich das Rad runter. Am Rad zurück. Das Merkwürdige war nur: Ich hatte gar keine Kette dabei. Wieso klapperte es dann aber so? Ich habe etwas gebraucht, um das Rätsel zu lösen. Eine E-Bike-Fahrerin hinter mir konnte ganz gut mithalten. Und die hatte in ihrem Fahrradkorb eine Kette. Ach verdammt. Da hätte ich auch eher drauf kommen können.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/olympiastadion.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Olympiastadion&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Olympiastadion&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;So oft man auch in einer Stadt ist, so sieht man, wenn man geschäftlich unterwegs ist, oft einen ganz anderen Teil einer Stadt. Ich war in einigen europäischen Städten. Wäre ich nicht zufälligerweise in einem Hotel in Bergen mitten in der Stadt auf einer Geschäftsreise angekommen, wäre ich vermutlich niemals einige Monate später noch einmal privat dort hingefahren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich war viermal in Madrid, aber ich habe nur Bürotürme gesehen. Ähnliches gilt für Berlin. So oft ich auch schon in Berlin war, zum Olympiastadion habe ich es nie geschafft. Bin nie auch nur in die Nähe gekommen. Im Tempodrom war ich mal. Peter-Gabriel-Konzert Anfang dieses Jahrtausends.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich war eigentlich an dem Schild „Olympiastadion” mit dem Rad vorbeigerauscht. Ich wollte ja noch nach Havelberg. Ich habe mich aber nach 100 Metern eines Besseren besonnen. Wenn ich schon mal hier bin, kann ich mir das wenigstens mal angucken. So richtig nah rangekommen bin ich nicht wirklich, ein Zaun stand im Weg.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der Witz war: Eine Woche und einen Tag später hatte ich einen Termin in Berlin. Ich habe die gleiche Zugverbindung für den Hinweg genutzt. Diesmal war sie pünktlich. Nun ja, so gut wie pünktlich. Die S-Bahn vom Bahnhof führte mich dann aber gerade an jenem Olympiastadion vorbei, das ich die Woche vorher das erste Mal gesehen habe. Das passiert mir irgendwie sehr oft. An einem Ort über Jahrzehnte nie gewesen und dann aus Zufall in kurzer Zeit öfter.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ein Extremfall einer solchen Situation ist mir vor 13 Jahren passiert. Vor vielen Jahren habe ich einen Menschen, der in Bad Bevensen wohnte, kennengelernt. Zu einem Zeitpunkt, als ich noch in Hamburg lebte. Als ich irgendwann mal nach Hamburg zurückfuhr, musste ich ganz dringend tanken. Ich war echt schon ein wenig panisch, weil die Tankstellen teilweise nicht mehr oder noch nicht offen hatten. Es war halt sehr früh morgens. Ich bin dann zu einer Tankstelle in Lüneburg gefahren. Sonst wäre ich irgendwo zwischen Lüneburg und Hamburg ausgerollt. Ich sehe heute das blaue Glimmen dieser Tankstelle aus meiner Wohnung heraus.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/endofberlin.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Ende von Berlin&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Berlin zu Ende —&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zurück zu meiner Fahrt: Irgendwann hatte ich dann auch endlich den Stadtrand erreicht. Ich fand die Luft in der Stadt anstrengend. Durch Hamburg zu fahren fühlt sich auch bei der Atmung anders an. Vielleicht hilft einfach der große Fluss, der große See mitten in der Stadt, das Klima völlig anders zu gestalten. Ich habe große Hochachtung vor jenen Menschen, die da letztes Wochenende 42 km gelaufen sind. Ich glaube, Berlin wäre für mich kein Ort, an dem ich leben wollen würde. Es gibt viele Gründe dafür, aber die Luft in der Stadt ist einer der Gründe dafür.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Also ging es weiter. Immer dem Stadtrand entgegen. Ich finde dieses Bild eigentlich ganz bezeichnend. So kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit. Hier war einmal der Grenzübergang Staaken. Es erinnert heute nur noch ein Schild daran und mehrere Hinweistafeln. Wo einmal schon die DDR war, steht heute ein Supermarkt. Ohne das Hinweisschild hätte ich vermutlich nicht einmal gewusst, dass an dieser Stelle mal Berlin aus meiner westdeutschen Sicht beendet war. Vielleicht ein gutes Beispiel, wie viel sich eigentlich verändert hat.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/staaken.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Staaken&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Ehemaliger Grenzübergang Staaken&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Interessanterweise waren die Gedenktafeln zum Grenzübergang nicht dort, wo auch Berlin endete. Ich hätte eigentlich damit gerechnet, dass an der ehemaligen Grenze auch das Berliner Stadtgebiet endet. Aber dazwischen war gefühlt doch mindestens ein Kilometer. Die Geschichte dahinter ist wohl, dass durch Vereinbarung der Sowjets und Briten der westliche Teil Staakens der sowjetischen Besatzungszone zugeschlagen wurde, die Briten dafür aber andere Gebiete bekommen haben. Es ging um die Benutzbarkeit des Flugplatzes Gatow. Im Rahmen der Wiedervereinigung kam dann West-Staaken wieder in den Bezirk Spandau und wurde somit Teil von Berlin. Quelle ist hier auch wieder die &lt;a href=&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin-Staaken&quot;&gt;Wikipedia&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;out-of-berlin&quot;&gt;Out of Berlin&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Es ging dann Kilometer für Kilometer Richtung Nordwesten, denn Lüneburg ist schon ein Stück nördlich von Berlin. Die Strecke führte mich über einen Radweg, der durch ein Outletcenter ging. Das habe ich mich aber nicht getraut und bin stattdessen einfach hinter den Outletstores langgefahren. Ich gebe mich keinen Illusionen hin, wie viel Menschen, die mit Shopping beschäftigt sind, von der Welt mitbekommen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sie mit einem Rennradfahrer rechnen, der da mit 30 km/h durchbrackert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich verirrte mich hinter einen Supermarkt und stand vor einem Kühllaster, weil ich zunächst nicht glauben wollte, dass ich auf einer Bundesstraße auf der Fahrbahn fahren musste und die Beschilderung etwas verwirrend war. Erst als ich eine Radfahrerin die Straße entlangfahren sah, habe ich mich dem Schicksal ergeben und bin die Bundesstraße gefahren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich wurde auf dem Fahrradweg von einem Kommunalfahrzeug wegehupt. Ich dachte, ich wäre auf weitem Feld alleine dort, und plötzlich „MOOOEEEP”. Ich bin zumindest froh, dass ich im Glauben, unbeobachtet zu sein, wenigstens nicht angefangen habe, auf dem Rad Luftgitarre zu spielen oder zu singen. Denn so einsam war es auf den Strecken die meiste Zeit. Dass es niemandem aufgefallen wäre. Außer eben der Besatzung dieses Kommunalfahrzeuges.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;sonne&quot;&gt;Sonne&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich fand den ersten Tag enorm anstrengend. Es war sehr sonnig und nur mit zunehmender Entfernung von Berlin schienen die Bäume an beiden Straßenseiten und damit der Schatten zahlreicher zu werden. Meine eigentlich minimale Anpassungsreaktion an die Sonne in Form von leichter Verdunklung des Hauttons hat dadurch für meine Verhältnisse einen erstaunlich hohen Grad angenommen. Es war weitestgehend blauer Himmel, nur vereinzelte Wolken in der Ferne. Das Blaue über mir durchbrochen von gelegentlichen Kondensstreifen von Flugzeugen mit Leuten, die ihre Ziele sehr viel schneller erreichten als ich.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;kaputt&quot;&gt;Kaputt&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;In Brädikow fand ich eine Merkwürdigkeit. Einen Kirchturm. Und zwar nur einen Kirchturm. Ein Kirchturm an sich ist ja nichts Besonderes. Aber der Rest fehlte. Es gibt viele Kirchen, die keinen Kirchturm haben. Bei der Dorfkirche in Brädikow ist das Gegenteil der Fall. Hier gibt es eine Kirche mit Turm, aber ohne Saal. Die Kirche war in den 70er Jahren in so schlechtem Zustand, dass der Saal abgerissen werden musste, der Kirchturm aber stehen blieb. Die Kirche ist wohl bis heute noch aktiv, der Turm unter Denkmalschutz.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Beim Versuch, diese Kirche zu fotografieren, entstand übrigens ein wenig schmeichelhaftes Foto. Nicht absichtlich. Ich hatte versehentlich auf die Selfiekamera geschaltet. Die Wärme des Tages hatte da schon ein wenig Tribut gefordert. Die ersten Gedanken in Richtung „Warum tue ich mir das eigentlich an?” kamen auf. Wo ist eigentlich der nächste Bahnhof? Am Ende fährt man dann doch weiter.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Immerhin zeigt das Fahrradnavi auch irgendwann an, dass man jetzt ja die halbe Strecke schon gefahren ist. Dass jetzt mehr Kilometer hinter einem als vor einem liegen. Das macht es bei über 100 km Gesamtstrecke nicht deutlich besser, weil die Hälfte davon auch noch ein Stück ist, aber irgendwie fühlt es sich wie einen Hügel runterfahren an. Ich erspar euch trotzdem mal dieses Foto. Die Freude über die Mitte der Strecke hielt sich in nicht dokumentationswürdigen Grenzen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/garmin.jpeg&quot; alt=&quot;Garmin&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Die Mitte&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;fliegen&quot;&gt;Fliegen&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Kurz hinter Brädikow befand sich auf meiner Strecke ein Ort, der für die Weltgeschichte große Bedeutung hat, aber im Grunde genommen nur ein Dorf in der Mitte vom Nirgendwo ist: Stölln. Es ist wirklich ein kleiner Ort. Nicht viel mehr als 300 Einwohner. Aber in der Nähe von Stölln ist der Gollenberg. Und an diesem Berg hat Otto Lilienthal seine Flugversuche gemacht. Am Gollenberg ist er letztlich auch verunglückt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/ikarus.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Ikarus&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Kunstwerk “Ikarus”&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich dachte immer, Lilienthal hätte seine Versuche deutlich näher an Berlin gemacht. In einigen Büchern, die ich als Kind gelesen habe, stand immer „bei Berlin”. Nun ja. Das „Bei Berlin” würde ich so nicht stehen lassen wollen. Aus Sicht eines Hamburgers vielleicht eher: „So grobe Richtung Berlin”.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/gleiter.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Gleiter&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Gleiter vom Typ Stölln&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Lilienthal ist nach seinem Unfall in ein Krankenhaus in Berlin gebracht worden, wo er letztlich auch gestorben ist. Die Strecke muss eine Tortur gewesen sein zu damaligen Zeiten. Er hatte zwar nachgewiesen, dass auch „Fliegen schwerer als Luft” möglich ist, aber bis zum Rettungshubschrauber sollten noch einige Jahre vergehen. Wobei der Erstflug eines praktisch benutzbaren Hubschraubers näher am Flug von Lilienthal liegt als am heutigen Tag. Lilienthal wurde letztlich mit einem Güterwagon liegend nach Berlin transportiert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das Dorf bezieht sich in vielen Dingen auf diese Geschehnisse. In der Dorfmitte sind zwei mehrstöckige Mehrfamilienhäuser, die so gar nicht ins Dorf passen wollen, aber die Türeingänge sind mit Mosaiken geschmückt, die sich auf die Fliegerei beziehen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/il62.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Il-62&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Ilyushin Il-62 “Lady Agnes”, ehemals Interflug&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Im Ort befindet sich auch eine Art Museum mit einer alten Ilyushin Il-62 der Interflug. Das Flugzeug steht im Grunde genommen am Dorfrand und eine lange Betonpiste fehlt hier. Interessanterweise ist dieses Flugzeug trotzdem nicht etwa hier auf dem Landweg transportiert worden (so wie die Flugzeuge das Museum in Sinsheim erreichen), sondern wurde hierher geflogen. Es wurde auf einer Graspiste, die eigentlich viel zu kurz dafür ist, gelandet. 1989 war das. Es gibt dazu auf YouTube sogar &lt;a href=&quot;https://www.youtube.com/watch?v=I4MiZQbZdAk&quot;&gt;Dokumentationen&lt;/a&gt;. Ich hatte eine solche vor einigen Jahren gesehen, als ich gelangweilt am Zappen war, wusste also, dass die irgendwo hier rumstehen muss. Es ist das wesentliche Exponat dieses Ortes. Lady Agnes heißt das Flugzeug übrigens. Benannt nach der Frau von Otto Lilienthal.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/lilienthal.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Lilienthal&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Nomen est omen&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Was mir erst nach der Rückkehr aufgefallen ist: Ich bin im Grunde genommen mit den richtigen Felgen durch Stölln gefahren. Daran habe ich bei der Planung der Strecke von Berlin nach Lüneburg nun echt nicht gedacht. Die Laufräder, mit denen ich am Gollenberg vorbeigefahren bin, heißen “Lilienthal GX”. Das sind Gravel-Carbonfelgen aus Braunschweig. Die Fertigungsmethode kommt wohl aus dem Flugzeugbau, daher der Name.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich hatte mir die Felgen von &lt;a href=&quot;https://www.speerlaufraeder.de&quot;&gt;Speer Laufräder&lt;/a&gt; bauen lassen, weil ich auf einer Tour entlang des Elbeseitenkanals meine Werksfelgen eines Cannondale Topstone 1 völlig verbogen (starker Seitenschlag, starker Höhenschlag, eigentlich waren die Felgen gefühlt Möbiusbänder) habe und ich nicht riskieren wollte, dass auf der langen Tour etwas Ähnliches passiert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die lange Tour findet ja jetzt erst nächstes Jahr statt wegen allerlei Gründen, aber mittlerweile bin ich mir sicher, dass die das auch mitmachen. Mittlerweile bin ich ein großer Fan von einmal mehr ausgeben, aber dann Ruhe haben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich bin extrem zufrieden mit den Felgen: Fehmarn, Emden und Berlin haben die Felgen trotz hohem Ladegewicht tadellos überstanden. Ich habe das Vorderrad mal in meinen Zentrierständer gebaut (zum Messen, selber werde ich da nicht rangehen, ich habe keine Ahnung vom Zentrieren von Carbonfelgen) und für alle praktischen Belange hat sich da aus meiner Sicht nichts getan. Ich spreche hier mal eine Empfehlung sowohl für die Felgen als auch für den Laufradbauer aus. Ich werde mal sehen, dass ich sie diesen Winter zur Wartung wegschicke.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;havelberg&quot;&gt;Havelberg&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich finde es ja immer einen wichtigen Moment, wenn man das erste Mal sein Ziel auf einem Straßenschild liest. Man fühlt sich dem Ziel gleich näher.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/havelberg.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Havelberg&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Erstes Schild Richtung Havelberg&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Umso enttäuschender ist es dann aber auch, wenn die Zahl, die man daneben liest, irgendwie größer ist, als man es sich erhofft. Das ist insofern seltsam, als man ja durch den Fahrradcomputer die Restdistanz sehr genau kennt. Aber irgendwie hat es an so einem gelben Schild noch mal eine andere Wirkung.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Irgendwann kam ich in Havelberg an. Es war schon eher später am Tag. Aber wenigstens vorm Ende des Checkins im Hotel. Aber ich musste erst noch mal die wohl namensgebende Anhöhe hochfahren. Wenn man von Osten reinfährt, findet man eine wirklich schöne kleine Altstadt unten am Hügel und einen Dom, der auf der Anhöhe stehend alles überragt. In dem Moment dachte ich bei mir, dass ich als Etappenziel mir den richtigen Ort gesucht habe.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/havelbergeingang.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Havelberg Eingang&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Ortseingang Havelberg&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Damit war die erste Etappe mit knapp 118 km geschafft. Ich fühlte mich ziemlich gut durchgebraten danach. Müde. Ich wollte unter die Dusche und dann ins Bett.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;unterkunft&quot;&gt;Unterkunft&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Die Unterkunft war aus Radfahrsicht erstaunlich gut ausgestattet. Ich hatte mir ein Zimmer im Arthotel Kiebitzberg für die Nacht gebucht. Ein Fahrradunterstand in ausreichender Größe mit einer ganz brauchbar ausgestatteten Werkzeugecke mit ausreichend Steckdosen zum Aufladen. Die Zimmer supersauber. Vielleicht ein bisschen ab der Versorgungseinrichtungen. Der Weg zum nächsten Supermarkt war knapp ein Kilometer und dafür wollte ich das Fahrrad nicht mehr rausholen. Ich bin daher gelaufen. Aber ich würde das Hotel jederzeit empfehlen für Radreisende.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Apropos Hotels: Ich habe die ganzen Unterkünfte für die drei Radreisen vornehmlich dadurch gefunden, dass ich bei einem großen Hotelportal die Bewertungen nach Fahrrad durchsucht habe. Das funktionierte bisher erstaunlich gut.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;die-zweite-etappe&quot;&gt;Die zweite Etappe&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich hatte ja schon ein schlechtes Gefühl, als ich morgens das Hotel verlassen habe. Ich hatte das Gefühl, dass meine Planung ab hier für den Papierkorb sein sollte. Ich hatte die Berichte von den Wassermassen in Tschechien, in der Slowakei und in Österreich gesehen. So schnell würde zwar das Hochwasser nicht die Elbe herunterkommen, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass das Wasser auf einem niedrigen Stand sein würde.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/dom.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Dom&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Dom&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und ich sollte recht behalten. Aber erst mal wollte ich in Richtung Dom. Havelberg hat vielleicht keinen besonders schönen Dom. Aber so wie er dort in der Landschaft von Weitem schon zu sehen ist, ist er doch ziemlich imposant. Ich hatte den Abend vorher nicht mehr so die Lust gehabt, da hinzufahren, aber zum Dom zu fahren war gleich das Erste auf meiner Liste für den Tag.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/havelberg_altstadt.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Altstadt&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Die Altstadt von Havelberg vom Dom aus gesehen&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nachdem dieser Punkt durch war, fuhr ich also runter zur Altstadt, wollte dann weiter in Richtung Fähre fahren und sah dann ein kleines Schild. Die Fähre war außer Betrieb. Verdammt. Ich habs mit meinen Gedanken wahrscheinlich heraufbeschworen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/faehreausserbetrieb.jpeg&quot; alt=&quot;Fähre außer Betrieb&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Außer Betrieb&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich fand das ein wenig schade, denn die Fähre in Havelberg verwendet eine ungewöhnlich klingende Methode zur Fortbewegung. Sie kann normalerweise ohne Motor fahren. Der Trick funktioniert darüber, dass die Fähre an einem langen Stahlseil im Fluss verankert ist. Um von einer Seite des Flusses zur anderen Seite des Flusses zu kommen, wird die Fähre um ihre Hochachse gedreht (was sich Gieren nennt), das Wasser, das den Fluss herunterströmt, sorgt dann dafür, dass die Fähre an das andere Ufer gedrückt wird. Will man auf die andere Seite zurück, dreht man die Fähre in die andere Richtung. Daher sind solche Fähren lautlos. Das Verfahren nennt sich Gierseilfähre. Bisher bin ich noch nicht mit einer solchen Fähre gefahren. Und leider hatte ich auf dieser Fahrt auch nicht die Gelegenheit dazu.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Problem war allerdings: Lautlos wäre die Fähre ohnehin nicht gefahren. Bei Hochwasser fährt die Fähre dann doch mit Motor. Und wir hatten Hochwasser. Und zudem war da das Schild, dass die Fähre überhaupt nicht fahren würde.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Planung habe ich dann ad hoc geändert. Als ich das Schild gesehen habe, wollte ich schon direkt Richtung Wittenberge aufbrechen. Ich wusste, dass ich noch viele Kilometer würde fahren müssen. Der kürzeste Weg wurde gerade um 8 km länger. Aber was war da los, dass die Fähre nicht fuhr? Ich war neugierig.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wollte ich da noch weiter unnütze Kilometer draufsatteln? Ähm, die Antwort war „Ja!”. Ich war eben doch &lt;em&gt;zu&lt;/em&gt; neugierig. Wie muss es da aussehen, dass die Fähre nicht fährt? Ich bin dann, wohlwissend, dass mich die Fähre nicht über die Elbe fahren würde, zum Anleger gefahren. Und irgendwie war mir dann völlig klar, warum die Fähre nicht fahren würde. Also wieder zurück:&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/faehreueberflutet.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Überfluteter Fähranleger&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Überfluteter Fähranleger&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Auf der Rückfahrt zurück nach Havelberg traf ich auf zwei Radfahrer, die ich auf das Problem hingewiesen habe, aber die trotzdem weiterfahren wollten. Etwas später stand ich wieder beim Schild, das mich auf die Fährensituation hingewiesen hat. Hier habe ich dann noch mal meine neue Strecke geplant. Bei der Gelegenheit sprach ich mit einer Wanderin, die sagte, dass man ihr an der Tourismusinformation in Havelberg mitgeteilt hat, dass das Getriebe der Fähre kaputt wäre und dass eigentlich der Grund war, warum ich hier nicht über die Elbe kommen würde und nicht etwa das Hochwasser. Wobei, doch irgendwie schon, denn ohne Hochwasser hätte die Fähre kein Getriebe benötigt, da die Überfahrt ohne Motor erfolgt wäre. Aber ich fang schon wieder mit Root Cause Analysis an.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich hatte danach zwei Möglichkeiten. Angeblich sollte die Fähre in Sandau noch fahren. Das berichtete die Wanderin. Sie hatte sich auch für diese Option entschieden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich hatte mich aber gefragt, ob ich das Risiko eingehen wollte, denn die nächste feste Elbquerung ist dann wirklich ein ganzes Stück südlich. Oder ob ich nach Wittenberge fahre mit einer gesicherten Elbüberquerung. Dort befindet sich sowohl eine Eisenbahnbrücke als auch eine Brücke einer Bundesstraße. Ich habe mich letztlich für Wittenberge entschieden. Hätte ich gewusst, wie sich die Elbüberquerung dort gestalten würde, wäre ich wahrscheinlich nach Sandau gefahren. Aber manchmal ist es ganz gut, wenn man manche Dinge nicht vorher kennt. So bin ich dann am rechten Ufer der Elbe weitergefahren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/wegwarte.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Wegwarte&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Es stand am Weg und wartete — die Wegwarte&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es brauchte eine ganze Zeit, bis ich letztlich über eine lange Fahrt auf dem Elbdeich in Wittenberge angekommen bin. Man sieht auf dem nächsten Foto ganz klein die Brücke, kann sich aber vielleicht schon die Länge der Brücke vorstellen. Es sind etwas über 1000 Meter.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/eisenbahnbrueckewittenberge.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Eisenbahnbrücke&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Im Hintergrund die Eisenbahnbrücke von Wittenberge&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Kurz bevor ich auf die Eisenbahnbrücke gefahren bin, habe ich mich ja noch über ein Graffiti amüsiert. Wobei, amüsiert ist vielleicht nicht das richtige Wort. Aber ich habe mich in meinen eigenen Vorurteilen bestätigt gefühlt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/migrants.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Graffiti&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Wenn sich die Rechten nicht immer selbst so sehr demaskieren würden&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Meine Vermutung ist ja, dass gerade jene Leute sich gegen Fremde stellen, die selbst eigentlich wenig Kontakt zu Fremden haben. Weil man vor dem Angst hat, was man nicht kennt. Und irgendwie sagt mir die Grammatik des ersten Sprayers, dass diese Person eher selten Gelegenheit hat, sich in Englisch auszudrücken. Mit Fremden zu sprechen. Das, was da gesprayt ist, das ist der deutsche Ausdruck direkt ins Englische übersetzt. Wort für Wort. In genau jener Reihenfolge.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Irgendjemand hat diese fremdenfeindliche Kacksch—e dann erweitert und in etwas Freundlicheres geändert. Ist ein erprobtes Verfahren. Erinnert mich daran, dass mal jemand “Boykottiert und sabotiert die Volkszählung” in Dortmund im Westfalenstadion gesprüht hat. Vor dem Spiel Dortmund gegen den HSV (ja, schon wieder Hamburg) hatte man das dann zu “Der Bundespräsident: Boykottiert und sabotiert die Volkszählung nicht” geändert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bei dem Schriftzug haben sich allerdings die Ändernden auch versehen. Am Ende sind beide Aussagen von der Grammatik/Rechtschreibung falsch. Aber wenigstens ist bei der von mir präferierten Aussage nur ein L zu viel. Der gern genommene Fehler, weil im Deutschen das „Willkommen” ja auch mit zwei L geschrieben wird.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich fuhr kopfschüttelnd das Brückenportal hoch, fuhr auf den Fußgängersteg und wollte die Brücke schnell überwinden. Und bin praktisch sofort vom Rad gesprungen. Der Fußgängerweg, der an der Eisenbahnbrücke befestigt ist, ist nicht wirklich im besten Zustand. Es klapperte und knarzte laut und vernehmlich, als ich die ersten Meter über den Weg fuhr. Als würde hier gleich etwas einstürzen. Mein Vorhaben, diese Überfahrt schnell hinter mich zu bringen, war also gescheitert. Ich hatte wirklich die Hoffnung, die Brücke zügig hinter mich lassen zu können. Ich mag solche Stege nicht. Aber nein. Ich musste mein Fahrrad schieben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/fusssteg_wittenberge.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Fußgängersteg&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Die bessere Seite des Fußgängerstegs&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es wurde nicht viel besser. Nun fiel mir jetzt deutlich stärker auf, dass man zwischen den Bohlen durchgucken konnte. Ich sah die Elbe unter mir. Und da war dann mein Endgegner. Stufen oder Flächen, durch die man den Boden sehen kann. Verdammt. Ich war ganz oben im Rockefeller Center. One World Trade war ich schon zweimal. Alles kein Problem. Aber diese Brücke brachte doch ein wenig Angst hervor — um mal die deutlichste Untertreibung dieses Textes zu nutzen. Einen Kilometer Angst.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich wollte schon umdrehen, erinnerte mich aber daran, dass bei Komoot vor der Brücke der Bundesstraße gewarnt wurde. Es gibt dort keinen Fahrradweg und die Nutzung der Eisenbahnbrücke wäre zu bevorzugen. Um hier mal einen &lt;a href=&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/Inflektiv&quot;&gt;Erikativ&lt;/a&gt; zu verwenden: Schluck.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Also schob ich Meter für Meter mein Fahrrad über diese schmale Gasse. Ich merkte nicht mal, dass ich mir die ganze Strecke über das Pedal in die Wade gehauen habe. Ich hatte einfach Angst. Ich glaube, ich hatte da einen höheren Puls als beim Radfahren. Ich fragte mich ernsthaft, ob ich das Fahrrad schnell genug loslassen könnte, um noch ans Geländer zu springen und mich dort festzuhalten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Problem wäre gewesen: Mein Telefon hing an einem Halter am Fahrrad. Wie hätte ich also jemanden um Hilfe rufen können? Auf der Brücke wollte ich es aber auch nicht aus der Fahrradhalterung lösen, bei meinem Glück wäre es mir aus der Hand gerutscht. Also habe ich weiter einen Fuß vor den anderen gesetzt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wobei — am Anfang wäre es ja noch nicht so schlimm gewesen. Da ist die Elbe. Hätte bei all dem Knarzen eine Bohle nachgegeben, wäre ich im Wasser gelandet. Ich weiß nicht, wie viele Jahre ich hätte warten müssen, bis ich bei Lauenburg mein Rad aus dem Wasser hätte fischen können, aber das hörte sich erst mal nur nach einer Versicherungsmeldung an, die für Fragen sorgen würde. Und nicht allzu viel “Aua”.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber nach etwa der gefühlten Hälfte geht die Brücke dann über das Deichvorland. Da runterzufallen würde das Fahrrad zwar auch nicht überleben, aber es würde garantiert wehtun. Sehr wehtun. Irgendwann wurden dann die Bohlen auch besser. Als wären sie erst kürzlich ausgetauscht worden. Ich frage mich aber ehrlich, in welchem Zustand die ausgetauschten Bohlen waren, wenn die Bohlen von der Mitte der Brücke noch keinen Austausch verdient haben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;An dieser Stelle kamen mir dann tatsächlich zwei Radfahrer entgegen. Ebenfalls schiebend. Ebenfalls nicht besonders glücklich aussehend über diese Art Überquerung. Ich weiß nicht — hätte ich sagen sollen, dass sie bisher auf dem besseren Teil der Brücke waren? Ich habe tatsächlich hier darauf geachtet, nicht auf dieselben Bohlen zu treten, auf denen schon die beiden Radfahrer standen. Kein Risiko. Und dann kam ein Zug und ich fragte mich, warum mein Karmakonto offensichtlicherweise wieder mal bei 0 war.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich weiß, die Brücke wird mit Sicherheit sicher für die Benutzung gewesen sein, aber ich habe nun mal diese spezielle Art der Höhenangst und dann rast das Gehirn und macht sich viel zu viel Gedanken. Aber dieser Überweg ist Teil des Elberadwegs. Vielleicht könnte man da doch mal den einen oder anderen Euro investieren, um da einen Fußgängerweg zu schaffen, der etwas stabiler ist. Weniger scheppert. Aber bei meinem Glück sind das dann Gitterplatten. Und dann fahr ich wirklich bis nach Dömitz. Denn diese Gitterplatten sind wirklich der absolute Endgegner. Die kann ich noch etwas weniger ab als Stege aus Bohlen, die genügend Lücke lassen, um den Boden zu sehen.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;grenze&quot;&gt;Grenze&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Nach ein paar Kilometern auf der anderen Seite der Elbe habe ich dann auch verstanden, warum man vor der Nutzung der Straßenbrücke gewarnt wurde. Die Straßenbrücke ist etwas nördlich der Eisenbahnbrücke. Und Richtung Norden wollte ich, also musste ich zumindest die Straße kreuzen, die über diese Brücke führt. Und schon das hat ein wenig gedauert, bis sich eine Lücke zwischen den Autos und LKWs auftat. Ich hätte nicht vor diesen Fahrzeugen auf der Straße fahren wollen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Man ist hier aber immer noch so weit stromaufwärts, dass man beim Überschreiten der Elbe nicht in Niedersachsen ist. Die Straßenbrücke in Dömitz würde einen schon von Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen bringen. Hier war es noch ein Stück, bis ich zumindest schon mal mein Heimatbundesland erreicht hätte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich fand hier die Strecke zunehmend angenehmer. Es waren keine Straßen mehr, auf denen ich gefahren bin, sondern oft lange leere Wege mit zwei Betonspuren zum Fahren. Es kam mir hier alles sehr ruhig vor. Ich bin kaum einem Menschen begegnet. Nur selten ein Auto, das mich überholt hat, nachdem ich aufs Gras ausgewichen bin.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/grenzturm.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Grenzturm&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Grenzturm&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Fährt man dann weiter seines Weges, findet man hier Relikte einer längst vergangenen Zeit. Grenzbauten. An einem Weg findet sich dann beispielsweise ein alter Grenzturm, eine alte Grenzmarkierung.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe während der Pandemie oft in Hinblick auf die Corona-Maßnahmen das Wort Diktatur gehört. Wenn man dann an diesen Relikten vorbeifährt. Überlegt, dass die eigentlichen Grenzsicherungsanlagen heute nicht mehr sichtbar sind. Dann denkt man, dass vieles, was dort gesagt wurde, einfach nur völlig geschichtsvergessen war.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mit Durchfahren dieses Reliktes war ich dann auch in Niedersachsen. Den Schlenker über Schnackenburg habe ich ausgelassen. Ich will den Ort aber unbedingt noch einmal anfahren. Etwas über 500 Einwohner hat der Ort nur, besitzt aber das Stadtrecht. Bardowick hat eigentlich von jeder der üblichen Supermarktketten eine Filiale und ist ein Flecken. Schnackenburg ist Stadt und hat nicht mal einen Supermarkt. Aber dank des bereits gefahrenen Umweges wollte ich das nicht auch noch einfügen.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;hoch&quot;&gt;Hoch&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Irgendwann kommt man an einem sehr hohen Turm vorbei. Im Grunde genommen ist dieser Turm auch ein Relikt des Kalten Krieges. Er steht in 66 Metern über N.N. auf einer Anhöhe, die am “Gipfel” selbst noch ein wenig höher ist. Der Turm ist dann weitere 344 Meter hoch. Als ich an dem Tag daran vorbeigefahren bin, wusste ich nicht so recht, wofür der Turm da ist. Der Turm war sehr nah an der Grenze zur ehemaligen DDR, aber ich habe eher nicht vermutet, dass dieser nur dem Senden von Westfernsehen in die DDR diente.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/gartow2.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Gartow 2&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Gartow 2&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe nach meiner Rückkehr den Zweck des Turms recherchiert. Zum einen gab es bis 2009 hier zwei Türme. Errichtet wurde der noch stehende Turm Ende der siebziger Jahre. Er diente dem Aufbau einer Richtfunkverbindung nach Berlin. Vorher war die Kommunikation mit Berlin deutlich aufwendiger gestaltet mit Überhorizontrichtfunk unter Ausnutzung der Reflexionen an der Troposphäre.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wenn man da steht und ganz genau hinguckt, sieht man da eine Verdickung. Auch etwas Besonderes: Das ist ein Betriebsraum in 324 Metern Höhe. Laut Wikipedia ist das der höchste geschlossene Raum in der EU.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber warum ausgerechnet Gartow? Mit etwas über 130 km war hier die kürzeste Strecke zwischen Westdeutschland und West-Berlin. Der Radiohorizont beträgt von Gartow aus gesehen 159 km (4.1*(sqrt(344+66)+sqrt(344)), wenn man 0 m über N.N. Fundamenthöhe auf der Gegenseite annimmt). Das Gegenstück in Berlin-Frohnau steht heute nicht mehr.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zum ganzen Thema der Anbindung Westberlins an das Telefonnetz findet sich ein übrigens wirklich interessanter Artikel in der &lt;a href=&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/Richtfunkverbindungen_nach_West-Berlin&quot;&gt;Wikipedia&lt;/a&gt;. In Rhinow war ich übrigens schon einen Tag vorher an einem Funkturm vorbeigefahren. Ich habe leider kein Foto davon gemacht. Aber auch dieser Turm wurde für eine Richtfunkstrecke nach West-Berlin genutzt. Diese Strecke hopste aber über mehrere Türme auf dem Gebiet der DDR und war wahrscheinlich noch mehr als die spätere Verbindung nicht unbedingt frei von Mithörern.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;gorleben&quot;&gt;Gorleben&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Manche Orte stellt man sich größer vor, als sie sind. Gorleben ist so ein Fall. Über viele Jahre meines Lebens war Gorleben in meinem Kopf. Ich bin seit vielen Jahren ausgesprochener Atomkraftgegner, ich kann mich noch erinnern, als uns in der Schule verboten wurde, die Rasenflächen zu betreten. Damals im Frühjahr 1986. Spätestens da war es mit Atomkraft für mich zu Ende. Auch wenn ich nicht alles verstanden habe, war der Grundtenor doch klar: Wenn man sich streitet, wo man Molkepulver lagern und entsorgen kann, kann daran nichts Gutes sein.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Eine andere Geschichte aus dieser Zeit war, dass es bei Multi in Leer eine äußerst wohlschmeckende Erdbeermarmelade gab. Das Glas war ein wenig auffällig unauffällig. Es stand mehr oder minder auf einem meiner Erinnerung nach schweinchenrosafarbenen Etikett einfach “Erdbeermarmelade” drauf. Das Interessante war das Etikett unter dem unauffälligen. Die Marmelade hatte ein kyrillisches Etikett darunter. Aufgefallen war es einer Frau, die die Gläser zum Einmachen verwenden wollte und die Gläser gereinigt hat. Wir haben natürlich auch nachgeguckt — und hatten dasselbe fremde Etikett darunter. Leute, die heute die Wiedereinführung von Atomkraft fordern, haben wahrscheinlich die Wogen dieser Zeit komplett vergessen. Aber Corona haben die meisten Leute ja auch schon vergessen und wundern sich, warum sie nicht mehr richtig auf die Beine kommen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Egal — aber ich habe immer erwartet, dass Gorleben ein größerer Ort ist. Die Medienpräsenz hat den Ort in meiner Vorstellung größer gemacht, als er eigentlich ist. Gorleben ist in der Gegend nicht einmal die wichtigste Ortschaft. Gartow hat viel mehr Infrastruktur. Supermärkte. Einen See. Den Sender. Ich war nie bei den Protesten im Wendland. Als ich hierher gezogen bin, wars mit den Protesten mehr oder minder schon durch.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/gorleben.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Gorleben&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Gorleben&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dennoch: Fast jeder kennt Gorleben. Gartow hingegen eher weniger. Berichterstattung formt halt doch die Sicht, wie wir die Welt sehen, oder was wir von der Welt „kennen”.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;die-letzten-kilometer&quot;&gt;Die letzten Kilometer&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Bei Dannenberg habe ich dann wieder Anschluss an meinen Radfahrkiez gefunden. Der bis dahin östlichste Ort meiner Langstreckenradfahrerei war die Festung in Dömitz gewesen. Das hatte ich nun durch das Brandenburger Tor ersetzt, aber ab Dannenberg fuhr ich nur noch auf bekannten Strecken. Über Göhrde, das irgendwie nur für Mord und Totschlag bekannt zu sein scheint. Göhrdeschlacht, Göhrdemörder.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dahlenburg kommt nicht viel später. Wenn man hier durch den Ort fährt, fühlt sich das nach der Strecke wie „bald ist es geschafft” an, obwohl es noch knappe 20 Kilometer sind.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das Schöne an dieser Strecke ist, dass sie in weiten Teilen von Bäumen überschattet ist. Auch bei starker Sonne ist hier das Fahren deutlich angenehmer als in den freien Flächen Brandenburgs oder Sachsen-Anhalts. Man merkt, dass das ganze Wendland an vielen Stellen doch noch eine etwas abseitige Gegend ist, wenn die Bundesstraßen durch Wälder führen. Ich glaube, diese Abseitigkeit hat auch dazu geführt, dass man dachte, man könnte den Leuten hier ein Endlager unterschieben.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;angekommen&quot;&gt;Angekommen&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Am wirklich späten Nachmittag habe ich es dann nach Hause geschafft.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/lueneburg.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Lüneburg&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Lüneburg&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Lüneburg war erreicht. Am zweiten Tag stoppte mein Kilometerzähler bei 143 km. Aber das ist nicht ganz vollständig. Durch die Merkwürdigkeiten der Navigation meines Garmin musste ich zweimal die Navigation neu starten, als ich umgeplant habe.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bis zur ersten Neuplanung waren es 4,05 km. Bis zur zweiten Neuplanung 5,67 km. Und danach eben die 143,18 km. Insgesamt waren es also am zweiten Tag 152,89 km. Also nicht ganz das zweite Imperial Century dieses Jahres, aber doch über 150 km. Mit den 118,82 km des ersten Tages waren es also 271,71 km.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Radreisen dieses Urlaubs waren also insgesamt 904 km. Das ging schon einmal in die grobe Richtung dessen, was ich mir eigentlich vorgenommen habe für diesen Urlaub.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich war gepflegt fertig. Alle Müsliriegel waren aufgegessen. Die Wasserflaschen bis auf Restwasser bis zur Bilge gelenzt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber ich war glücklich, auch dieses Vorhaben geschafft zu haben. Auch wenn ich die Frage von meinen Eltern zugeworfen bekam, warum ich mir das antue, weiß ich, dass ich das wieder machen werde. Vielleicht ist die Antwort auf die Frage: Weil ich es kann. Das Vertrauen in mich, die Ausrüstung, in das Fahrrad ist jetzt nach der dritten Fahrt hergestellt. Etwas, das vielleicht auch dazu ein wenig beigetragen hat, dass ich die eigentlich geplante Tour im Juni verschoben habe.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich werde es wieder machen. Nächstes Jahr. Immer ein Stückchen weiter.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;radreisen-in-2024&quot;&gt;Radreisen in 2024&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Das Wetter beginnt nun schlechter zu werden. Ich weiß noch nicht so recht, ob ich dieses Jahr noch mal für eine längere Strecke losfahre. Ich habe aber zumindest geschafft, meinen radfahrerischen Horizont deutlich nach Norden, Westen und Osten aufzuweiten. Nur der Süden fehlt mir. Zwar bin ich zumindest schon mal weiter als Uelzen nach Süden gekommen, da Berlin wie erwähnt halt eher auf Höhe Hannover liegt, aber irgendwie zählt das im Vergleich zu den anderen Himmelsrichtungen nicht so recht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/30092024_tour/2024.jpeg&quot; alt=&quot;Rad&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Das Rad mitten beim Abbau der ganzen Lasten&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der Süden wird vermutlich dem nächsten Jahr vorbehalten sein. Ich habe auch schon Pläne. Aber von denen werde ich erst schreiben, wenn ich das durchgezogen hab, was ich geplant habe. Das ist eine Lektion, die ich gelernt habe.&lt;/p&gt;
</content:encoded>
<pubDate>Tue, 01 Oct 2024 05:00:00 +0000</pubDate>
<link>https://www.c0t0d0s0.org/blog/berlin.html</link>
<guid isPermaLink="true">https://www.c0t0d0s0.org/blog/berlin.html</guid>
      
<dc:creator>joergcycling</dc:creator>
      
      
<category>Cycling</category>
      
<category>Travel</category>
      
<category>Geschichte</category>
      
<category>German</category>
      
<category>Bahn</category>
      
      
</item>
    
    
    
    
    
    
    
    
    
<item>
<title>Imperial Century - oder: Nach Fehmarn an einem Tag</title>
<description>Ich glaube, jeder Mensch hat einen oder mehrere Sehnsuchtsorte. Orte, an denen sie oder er gerne sein mag. Orte, zu denen man eine besondere Verbundenheit...</description>
<content:encoded>&lt;p&gt;Ich glaube, jeder Mensch hat einen oder mehrere Sehnsuchtsorte. Orte, an denen sie oder er gerne sein mag. Orte, zu denen man eine besondere Verbundenheit spürt, die einem nie wirklich über werden. Wenn es in die Ferne gehen soll, ist das für mich sicherlich die kalifornische Pazifikküste, die Bay Area, Big Sur. Soll es nicht ganz so weit weg sein, ist dies für mich ohne zu zögern Bergen. Das in Norwegen, nicht das an der Dumme oder beim Truppenübungsplatz hier in der Nähe. Die Fahrt mit dem Auto von Oslo nach Bergen über die Hardangervidda zählt immer noch zu einer der schönsten Autofahrten, die ich je gemacht habe. Und die Fahrt mit der Bergenbahn ist sicherlich noch ein ganz wichtiger Punkt auf meiner Bucketlist.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber das sind Orte, zu denen es nur selten geht. In Deutschland ist mein Sehnsuchtsort eine Insel in der Ostsee: Fehmarn. Ich bin dort gerne. Ich verbinde einige der schönsten Momente mit dieser Insel, auch wenn meine Sehnsucht damit begann, dass ich vor 10 Jahren ins Auto gepackt worden bin, weil 2014 meine Nervosität wegen eines Fluges in die USA unaushaltbar war. Es war der erste wirklich lange Flug seit 2009 und wie ihr euch vielleicht noch erinnern könnt, ich habe latente Flugangst.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;bucketliststreichungen&quot;&gt;Bucketliststreichungen&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Auf der schon erwähnten Bucketlist war auch, seitdem ich mit dem Langstrecken-Radfahren angefangen habe, eine Fahrt von Lüneburg oder Hamburg nach Fehmarn.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Diese Woche habe ich diesen Punkt von der Bucketliste gestrichen. Been there, done that. Lüneburg nach Fehmarn an einem Tag mit dem Fahrrad.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;185 km, knapp 9 Stunden und 15 Minuten. Dabei 4037 kcal verbraucht. 26587 Pedalumdrehungen.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;rahmenbedingungen&quot;&gt;Rahmenbedingungen&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich bin diese Strecke alleine gefahren mit Gepäck, das eigentlich für eine viel längere Strecke gedacht war. Ich war daher sehr schwer unterwegs. Zu meinem Gewicht kamen knappe 17 kg Fahrrad dazu plus noch mal all das Gepäck. Packsystem, Wäsche, Wasser.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/2024-09-15_tour/rad.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Rad&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Das Rad&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wasser ist ein wirklich unterschätzter Gewichtsfaktor. Man kann das hier in Deutschland ein wenig reduzieren. Die nächste Tankstelle ist nicht weit. Aber etwas sollte man schon dabei haben. Zumindest eine leere Flasche. Nichts ist blöder, als Pfandflaschen umherzufahren, wegwerfen will man die ja auch irgendwie nicht.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;century-ride&quot;&gt;Century ride&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Die Fahrt war damit mein erster outdoor „imperial century ride”, wie es so schön heißt. 100 Meilen. Auf Zwift habe ich das schon mal gemacht. In etwas über 5 Stunden. Allerdings war das auch eine Strecke absolut ohne Steigungen mit simuliertem Fahren in einer Gruppe und damit simuliertem Windschatten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun habe ich das auch “in Echt” geschafft. Sogar weit mehr. Bin ich genauso stolz drauf, wie ich danach fertig war. Und die Grafik ist deutlich besser und immersiver als bei Zwift ;) Sogar Wind wird besser emuliert als durch meinen Ventilator.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;strecke&quot;&gt;Strecke&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich bin anfangs eine recht übliche Strecke für mich gefahren. Ich war schon vorher mal nach Mölln mit dem Rad gefahren und wieder zurück. Aber nach Mölln war alles für mich mit dem Rad unbefahrenes Land.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ratzeburg habe ich eher lose gestreift. Durch Lübeck ging es dafür mitten durch die Stadt. Ich habe da das Routing erst nicht verstanden, habe mich aber auf das Navi verlassen. Beim Blick auf die Karte ergab die Strecke dann allerdings doch Sinn. Es ging relativ stringent in Richtung Fehmarn. Bald war die Marmeladenstadt erreicht, Bad Schwartau. Ich weiß jetzt auch, dass es zum Timmendorfer Strand auch ein Groß Timmendorf gibt. Auf die Ostseeküste bin ich dann bei Scharbeutz getroffen, um sie bei Sierksdorf wieder zu verlassen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/2024-09-15_tour/strand.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Strand&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Strand&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Eigentlich hätte ich dort einfach stoppen sollen und mich an den Strand setzen wie noch einige Wochen vorher. Aber ich hatte noch einiges an Kilometern vor mir. Bis Neustadt in Holstein war ich dann zumindest noch grob in der Nähe der Ostsee. Danach ging es dann aber doch wieder durchs Binnenland. Lehnsahn.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/2024-09-15_tour/dasfalscheoldenburg.jpeg&quot; alt=&quot;Oldenburg&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Das falsche Oldenburg&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Oldenburg. Das aus meiner allgemeinen Sicht falsche Oldenburg, aber in diesem Falle das völlig richtige. Das andere Oldenburg hätte erhebliche Fragen erzeugt über meine Streckenplanung.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Hier habe ich dann das erste Mal so richtig gemerkt, dass meine Kräfte langsam am Rand waren. Ich habe hier angefangen, öfter den Motor auch dann einzuschalten, wenn es nicht ganz so hügelig war.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich bin ja schon sehr häufig nach Fehmarn gefahren. Mir ist jedes Mal dieser ehemalige Radarturm aufgefallen, der schon weithin sichtbar ist (bspw. von Scharbeutz, wenn ich mich nicht völlig verguckt habe). Meine Strecke hat mich daran vorbeigeführt. Ich weiß nicht, wie viel besser der Ausblick von diesem Turm ist, aber wenn man neben diesem Turm auf der Straße steht, versteht man sofort, warum dieser an genau dieser Stelle ist.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/2024-09-15_tour/ausblick.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Ausblick&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Ausblick&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Von hier hat man einen traumhaften Blick über diesen Teil von Schleswig-Holstein. Ich weiß gar nicht, ob ich mir das noch extra geben muss, für noch mehr Blick zu bezahlen. Man kann es auf dem Bild ganz schlecht sehen. Aber der Ausblick lohnt sich. Die Abfahrt danach auch.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dann war ich dann auch in Bereichen, die ich schon den Touren mit dem Rad mit Tiefeinstieg kannte. Lütjenbrode, Großenbrode. Die Fehmarnbrücke war nicht mehr weit. Stellenweise schon in Sicht.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;eigentlich&quot;&gt;Eigentlich&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Eigentlich hätte es gar nicht ganz so weit werden sollen. Meine Planung ging von etwa 7–8 km weniger aus. Als ich vor Kurzem in Großenbrode war, konnte man mit dem Rad nicht über die Fehmarnbrücke fahren. Teile der Brücke mussten repariert werden. Um dennoch Radfahrern zu ermöglichen, nach Fehmarn zu gelangen, wurde ein Busshuttle eingerichtet. Von Großenbrode nach Avendorf. Ich hatte geschätzt, dass das die Strecke um die genannten Kilometer verkürzen würde. Und da die Brücke halt nicht anders zu überqueren war, hätte ich die Situation wunderbar als Ausrede nutzen können, mich für diese Kilometer mit breitem schmerzenden Hintern in einen Bus setzen zu können.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;So stand ich dann in Großenbrode an der Bushaltestelle für diesen Shuttle. Allerdings sprach mich doch recht schnell eine ältere Dame darauf an, dass die Brücke mittlerweile wieder frei wäre, und wünschte mir viel Spaß bei der Überquerung. Ja, danke. Jetzt ehrlich gemeint. Ich weiß nur nicht, ob das „viel Spaß” nicht eher sarkastisch war.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;fehmarnsundbrücke&quot;&gt;Fehmarnsundbrücke&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Und dann war sie da. Die Fehmarnsundbrücke. Das Ziel. Genau genommen war gar nicht die Insel auf der Bucketliste. Sondern „Mit dem Fahrrad über die Fehmarnsundbrücke fahren”. Die Insel war da nur ein äußerst willkommener Nebeneffekt. Offiziell ist da eigentlich kein Radweg. Das ist der Betriebsweg der Deutschen Bahn zur Pflege der Brücke. Deswegen sahen die Schilder, die darauf hinwiesen, dass man doch absteigen möge, verdächtig nach Bahnhof aus.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/2024-09-15_tour/fehmarnsund.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Fehmarnsund&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Fehmarnsundbrücke&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Selbstverständlich bin ich wie alle anderen Radfahrer bei der Überquerung der Brücke abgestiegen und habe das Rad geschoben. ;) Ich verstehe allerdings schon, warum die Bahn möchte, dass man dort absteigt. Man ist völlig ungeschützt dem Wind ausgesetzt. Das Brückengeländer ist nicht darauf ausgelegt, dass man auf einem Fahrradsattel sitzt, und ich möchte gar nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn man mit einem blöd liegenden Schwerpunkt von einer Böe in das Geländer gedrückt wird. Allerdings war zur Zeit meiner Überquerung der Brücke die Seitenwindkomponente relativ überschaubar.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;die-letzten-kilometer&quot;&gt;Die letzten Kilometer&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Die letzten Kilometer waren die schlimmsten. Der Gegenwind nahm zu, sobald ich auf die Insel kam. Der Hintern schmerzte. Das Knie, das mich jetzt schon länger begleitet, fing an wehzutun. Die Erschöpfung nahm mit jeder Pedalumdrehung gefühlt zu.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber damit hatte ich gerechnet. Lange Strecken sind implizit anstrengend. Sind implizit „hart”, wie manche YouTuber so gerne berichten. Eigentlich hat das keinen Nachrichtenwert. Aber mit „Ich bin quer durch Deutschland gefahren und dank guter Vorbereitung war das Tüdelü” lassen sich halt keine Views generieren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich weiß. Ich tendiere dazu, meine Fahrten zu overengineeren. Aber das hält mich dann doch nicht von Fehlern ab, die wirklich blöd und unnötig waren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Was mich fertigmachte, war ein Fehler kurz bevor ich auf die Insel gefahren bin. Ich habe den Fehler gemacht, ein sehr blaues isotonisches Getränk an der letzten Tankstelle vor Fehmarn zu kaufen, deren Logo genauso blau wie das Getränk ist. Da ich mit relativ wenig, dafür sehr hochkalorischem Essen gefahren war, war der Magen leer (Toilettengänge sind schwierig, wenn man nicht eben jemandem sagen kann, pass mal aufs Rad auf. Ich mags ja nicht sagen, aber ich finde Toiletten für Menschen mit Handicap toll. Da kann man einfach das Rad mit aufs WC nehmen.).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Damit komme ich sehr gut klar. Ich fahre morgens immer ohne zu essen. Daran habe ich mich gewöhnt. Das ist nur einmal schiefgegangen, als ich mittags und abends vorher kaum etwas gegessen habe und auf einer 120-km-Tour 10 km vor dem Ziel zu einem Bäcker musste. Ich glaube, die Bäckereifachverkäuferin dürfte noch nie jemanden so schnell ein Franzbrötchen verzehren gesehen haben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich kam letztlich mit einem Magen an, in dem sich nichts Festes mehr befunden haben dürfte. So haben sich dann Galle und blaues isotonisches Getränk zu einem Gemisch verbunden, das mich beinahe auf die Knie gebracht hätte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich hätte an der Stelle aber nichts machen können. Busse fahren da nicht notwendigerweise. Der nächste Bruder wohnt 2 Stunden entfernt und hat gerade genug damit zu tun, vor wenigen Monaten Vater geworden zu sein. Also durchbeißen.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;angekommen&quot;&gt;Angekommen&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich war am sehr späten Nachmittag, eigentlich schon Abend, endlich am Ziel angekommen. Ein Apartmenthotel beim Katharinenhof. Also im Osten der Insel. Nicht allzu weit von Staberhuk entfernt. Jener Ort, mit dem ich viel Positives verbinde. Ich habe den nächsten Tag erst mal damit verbracht, mich von der Tour zu erholen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/2024-09-15_tour/amwasser.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Am Wasser&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Am Wasser&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Leider konnte ich nicht an einige Stellen heran, die ich so mag. Es wurde dort ein Film gedreht. Keine Ahnung welcher Film. Ich habe nur Unmengen von Lieferwagen und Campingmobilen gesehen, die zu irgendwas für den Schaffensprozess des Films Relevantem umgebaut worden sind. Garderobe, Lager, Technik, Mobil für den Star. Ein Mensch am Wegesrand, der den Autofahrern erklären muss, warum sie heute irgendwo nicht langfahren können.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Keine Ahnung, ob sie noch Komparsen gebraucht hätten, um so doch noch an den Strand zu kommen. Meistens spielen ja an eher rauen Stränden zwei Arten von Szenen. Man trifft sich, gesteht sich die Liebe und geht gemeinsam in den Sonnenuntergang oder man hat ein ernstes Gespräch, trennt sich und geht in unterschiedliche Richtungen. Für beides braucht man eher weniger Komparsen. Vielleicht noch der ältere Herr oder die ältere Dame mit Hund. Ist aber meistens doch noch eine Sprechrolle, weil von dort meist der alles auflösende gute Rat kommt. Also auch nichts. Für Komparsen. Aber ich hätte eh gerade nicht die Hunde meiner Eltern parat. Hätten sowieso jede Szene ruiniert. Der eine, weil er immer bettelt, der andere, weil er durchdreht, wenn er Wasser sieht, und kaum da rauszubekommen ist.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Leider habe ich erst einen Tag nach meiner Rückkehr gelernt, dass kaum 500 m vom Hotel ein Hofcafé war, dessen Spezialität Riesenwindbeutel mit Erdbeeren sind. Mist.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;rückfahrt&quot;&gt;Rückfahrt&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich hatte ja eigentlich überlegt, nach Kiel weiterzufahren, vielleicht dann weiter nach Flensburg. Aber ich merkte schon am Morgen nach meiner Fahrt, dass mein Hals mich begann zu ärgern. Ich habe den folgenden Tag überlegt und als der Hals schlimmer wurde, entschloss ich mich, nach Lüneburg zurückzufahren. Ich weiß nicht, ob ich krank wurde oder ob ich durch das fortwährende Durch-den-Mund-Atmen den Hals überreizt hatte. Das fühlte sich so an, als hätte ich einen Vortrag gehalten ohne Mikrofon. Wer mich kennt, weiß, dass ich mit einiger Lautstärke sprechen kann — wenn ich möchte. Aber ich hatte kaum gesprochen. Eigentlich nur in der Tankstelle „Mit Karte bitte”. In einer weiteren Tankstelle die kurze Unterhaltung, woher ich denn kommen würde. Ich hatte also die Vermutung, dass ich krank werden würde.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nur: Von Fehmarn ist momentan die Rückfahrt ein wenig — nunja, komplex. Der Bau der festen Fehmarnbeltquerung ist in vollem Gange. In diesem Rahmen wird auch die Bahnstrecke von Puttgarden nach Lübeck auf neue Füße gestellt. Übersetzt: Noch für mehrere Jahre fährt die Bahn nicht von Neustadt (Holstein) nach Fehmarn. Damen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Stattdessen gibt es einen Busersatzverkehr nach Lübeck. Eine Bekannte hat den erst kürzlich benutzt. Das ist in der Woche ein zweistöckiger Reisebus mit einem Fahrradträger hintendran. Am Wochenende gibt es in jede Richtung drei Verstärker, die einen Anhänger mitführen. Erinnert ihr euch, dass ich schrieb, dass ich mit einem E-Bike gefahren bin? Das wird wichtig: Die regulären Ersatzshuttle können keine E-Bikes mitnehmen. Passt nicht auf den Träger. Das geht nur mit dem Anhänger. Es war blöderweise allerdings Freitag. Eine erste Idee war: Naja, bleib ich halt einen Tag länger. Aber der Preis einer zusätzlichen Nacht war absurd.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mein Hals hatte mir ganz klar zu verstehen gegeben, dass die Fahrt ganz nach Lüneburg zurück auch außer Frage stand und ich vielleicht die körperliche Betätigung vorsichtshalber ein wenig einschränken sollte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Also war schnell ein Plan gefasst, dass ich mit dem Rad zum nächsten Bahnhof fahren würde. Okay — welchen? Ich hatte drei Ideen: Alternative A war eine Fahrt nach Kiel, vielleicht mit einer Übernachtung, dann einen Tag später mit der Bahn nach Lüneburg zu fahren. Wären um die 94 km gewesen. Alternative B war, nach Neustadt Holstein zu fahren. Etwa 62 km. Das hätte zur Folge gehabt, in Lübeck und Büchen umsteigen zu müssen. Nun ist Umsteigen nicht wirklich angenehm mit einem gepackten Rad. Komme ich also zu Alternative C: Es gibt eine Regionalbahn zwischen Kiel und Büchen. Die unter anderem in Eutin hält. Etwa 72 km mit dem Rad.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In meinem Leichtsinn habe ich mich dann für Alternative C entschieden. 10 km investieren, um einmal weniger umzusteigen. Hörte sich nicht schlecht an.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich wusste da noch nicht, wie stark die Auswirkungen eines Busses werden würden, dessen Fahrer in Elmshorn die Höhe einer Brücke unterschätzt hatte. Ich hätte mir das eigentlich denken können. Jeder, der von Kiel nach Hamburg wollte, fuhr nun mit der Bimmelbahn von Kiel nach Lübeck, um von dort aus nach Hamburg zu gelangen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Also bin ich eine wirklich teilweise sehr schöne Strecke von Fehmarn nach Eutin gefahren. Ich bin nicht die kürzeste Strecke gefahren, sondern wurde auf Fehmarn mit einer wunderbar aufgehenden Sonne über der Insel belohnt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/2024-09-15_tour/morgens.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Morgens&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Morgens auf Fehmarn&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Selbst den hässlichen Bettentürmen in Burgtiefe wohnt eine gewisse Schönheit inne, wenn sie in dieses Licht getaucht werden. Es mag aber auch an der Distanz liegen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/2024-09-15_tour/tuerme.jpg#wide&quot; alt=&quot;Türme&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Hässliche Türme in der Ferne&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und ich durfte noch einmal über die Brücke. Natürlich bin ich wieder wie vorgeschrieben gegangen und habe das Rad geschoben ;)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/2024-09-15_tour/abschiedvonfehmarn.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Abschied&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Abschied von Fehmarn&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Als ich dann allerdings in Eutin ankam und ein Zug einfuhr, wusste ich sofort, dass mein Plan für den Eimer war. Der Zug war so voll wie eine Tokioter U-Bahn zur Rushhour. Meine Idee war wirklich dämlich gewesen. Habe ich wirklich erwartet, dass der Zug hinreichend leer sein würde, dass ich ein Fahrrad samt Gepäck in den Zug bekommen würde? Es besteht kein Recht darauf, das Fahrrad transportieren zu dürfen. Wenn kein Platz da ist, kommt man nicht rein, und wenn der Platz später gebraucht wird, muss das Fahrrad raus.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mir wurde da klar, dass ich doch nach Neustadt würde fahren müssen. Der Zug startet dort und hat keine Verbindung nach Kiel. War also für die durch das Elmshorner Problem in Mitleidenschaft gezogenen Passagiere uninteressant und somit vermutlich leer. Ich hatte also nicht einmal Umsteigen gegen 10 km eingetauscht. Ich war immer noch bei zweimal Umsteigen und musste neben den Mehrkilometern nach Eutin auch noch die 16 km von Eutin nach Neustadt fahren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aus 63 km nach Neustadt wurden am Ende mit allen kleinen Umwegen 92 km. Und damit wäre ich auch in Kiel gewesen. Nur gebracht hätte es mir nichts. Denn bis die Züge wieder richtig fuhren, hat es noch einige Zeit gedauert. Ich hätte dann auch wieder mit dem Fahrrad nach Neustadt fahren müssen. Denn auch dort hätte ich sicherlich mein Fahrrad nicht mitnehmen können.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zwischen Lübeck und Büchen habe ich dann leider einen Zug erwischt, in dem eine Schulklasse auf dem Rückweg war. Als mir in Büchen die Schulklasse in dieselbe Zughälfte nach Lüneburg gefolgt ist (der Zug, der in 35 Minuten erst abfahren würde), dachte ich zunächst, dass ich das auch noch aushalten würde.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Allerdings: Ihr kennt vielleicht das Problem, dass in Computerspielen bestimmte Soundeffekte sich ständig wiederholen. Ich erinnere mich mit Grauen daran, dass in einem Harry-Potter-Spiel, das meine kleine Schwester mit Hingabe gespielt hat, eine Aufgabe darin bestand, sich mit einem Zauberspruch zu wehren. An sich nicht schlimm, nur wenn man das quasi andauernd machen muss, um durch das Spiel zu gelangen, und dadurch ständig „Flipendo” hört, dreht man irgendwann am Rad und schließlich durch. Nun hatte eines der Kinder keine Videokonsole, sondern Plastikfiguren aus einem Videospiel und spielte das Spiel anscheinend ohne Computer. Mit allen Soundeffekten. Nach 10 Minuten dachte ich „Dieses Kind ruiniert mir gleich mein Karma”, nach 15 Minuten habe ich mein Rad gepackt und bin in die andere Zughälfte gegangen. Karma gerettet.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In diesem Zug und am Ende in Lüneburg am Bahnhof habe ich allerdings wahrscheinlich einen Geist gesehen. Der Mensch konnte eigentlich nicht da sein. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob mich nur meine Wahrnehmung getäuscht hat.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Am Ende hat mich das dauernde Fiepen im Sekundenabstand auch nicht mehr gestört. Während der Zug Lüneburg entgegenrumpelte, ging das eh unter, und irgendwann war ich dann auch wieder in Lüneburg. Bei der Gelegenheit habe ich gelernt, dass die Aufzüge dort unterschiedliche Tiefen haben. In den östlichen Fahrstuhl passt kein Fahrrad, in den westlichen schon.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;eigentlich--revisited&quot;&gt;Eigentlich — revisited&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Eigentlich sollte es nicht nach Fehmarn gehen. Ich hatte was ganz anderes vor. Der Plan war, mit dem Zug nach Oberstdorf zu fahren. Ich wollte in ganz anderen Gegenden radfahren, als ich sie bisher kannte. Mal nicht plattes Land.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Oberstdorf hat aus Lüneburger Sicht den ganz großen Vorteil, dass es einen Zug gibt, der von Hamburg losfahrend in Lüneburg haltend als Endstation eben diesen Ort hat. Man wuchtet das Fahrrad einmal in den Zug und einmal aus dem Zug.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nur: Ziemlich kurzfristig erfuhr ich, dass dieser Zug nicht fahren würde. Ausgefallen. An sich ist das ja kein Problem. Nimmt man halt einen anderen Zug. Die Zugbindung war da ja aufgehoben. Nur Fahrräder sind in Zügen reservierungspflichtig. Und Alternativen gab es keine. Die gut gemeinte Frage, ob ich denn in Oberstdorf mein Fahrrad benötigen würde, konnte ich nur mit „Ähm, ja, das ist der ganze Punkt dahinter” beantworten. Nachdem ich beschrieb, was ich vorhatte und warum das Fahrrad unbedingt notwendig war, konnte der freundliche Hotline-Mitarbeiter auch nur sein Bedauern ausdrücken und verwies mich auf meine Fahrgastrechte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das half natürlich für die Fahrt nicht mehr. Ich hatte keine Chance, in nächster Zeit mit Rad nach Oberstdorf zu gelangen. Und damit war mein eigentlicher Plan kaputt, im Eimer, für den Eimer. Ein lieber Mensch hatte dann noch mit mir versucht, Alternativen zu finden. Woanders starten. Andere Strecke. Doch irgendwann habe ich mich dazu entschlossen, dass das alles nicht das war, was ich eigentlich wollte. Ich hatte mir ja ein Ziel gesetzt, eine Challenge gesetzt. Ich habe dann die Fahrt ins nächste Jahr geschoben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aus diesem Plan ist dann die Fahrt nach Fehmarn geworden. Wenn schon der eine Bucketlisten-Punkt nicht fallen wollte, sollte ein anderer endlich von der Liste verschwinden. Und vielleicht fällt in den nächsten Tagen ein weiterer. Muss ich mal gucken.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;gelernt&quot;&gt;Gelernt&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich war am Ende sogar ein wenig dankbar, dass das mit der eigentlich geplanten Fahrt nicht geklappt hat.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe auf dieser Fahrt viel gelernt:&lt;/p&gt;

&lt;ul&gt;
  &lt;li&gt;Kopf. Alles Kopf. Spätestens ab Kilometer 150 — alles Kopf. Wer 150 km schafft, schafft auch 200 km. Außer eben, wenn Kopf.&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Die Auswirkungen des Gewichts und Gegenwinds auf den Stromverbrauch sind gewaltig. Specialized geht bei seinen Reichweitenkalkulationen von 80 kg aus.&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Mit Gepäck als größerer, schwererer Fahrer kommt das so gar nicht hin. Sehr große Auswirkungen hatte auch der Gegenwind. Zumindest ich kann 183 km nicht in den Drops fahren. Die Geometrie des Creo ist ohnehin eher komfortabel. Man sitzt sehr aufrecht. Das heißt bei meiner Körpergröße und Schulterbau vermutlich einen sehr hohen Luftwiderstand. Und vermutlich ist dort eine kräftige Brise vom Meer her auch nicht eingeplant.&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Ich bin mehr oder minder vieles ohne Motor gefahren, um an entscheidenden Stellen das Mehrgewicht ausgleichen zu können. Es bringt nichts, vor sich hinsummend auf einer flachen Strecke ohne Anstrengung 25 km/h zu fahren, wenn man dann mit allem Gepäck auf einer Steigung bei Kilometer 150 hängen bleibt und mit 8 km/h den Hügel hochjuckelt, weil man den Akku schon vorher leer gefahren hat. Und ja, zugegebenermaßen auf der Rückfahrt so schnell wie möglich über eine Steigung nach Neustadt zu kommen, weil ich ganz dringend irgendwo hin musste.&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Selbst mit diesem sehr sparsamen Einsatz habe ich zwei Range Extender und den internen Akku meines Rads leergefahren. Ich werte hier gerade die von den Apps aufgezeichneten Daten aus, um ein realistisches Modell für die Reichweite zu erhalten, um dieses bei den nächsten Fahrten zu nutzen.&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Ich trinke nie wieder dieses aggressiv blaue isotonische Getränk. Ich werde in Zukunft irgendetwas mitnehmen, um stilles Wasser aus der Tanke zu „isotonisieren”. Oder etwas anderes trinken.&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Für einen weiteren Versuch der großen Tour werde ich meine Fahrradreservierung wahrscheinlich mit Schutzreservierungen umgeben. Eine für den geplanten Tag und den geplanten Reiseplan. Eine für den geplanten Tag, aber mit einem späteren Reiseplan. Eine für einen Tag später auf der geplanten Relation. Und eine für einen Tag später auf der Ersatzrelation. Allerdings hege ich die Vermutung, dass ich nicht der Einzige bin mit dieser Idee. Ich frage mich ja, wie viele der Fahrradstellplätze wirklich benutzt werden und wie viele just-in-need reserviert werden, um mit den Unzulänglichkeiten der Deutschen Bahn zurechtzukommen.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

&lt;p&gt;Ich hatte mit vielem gerechnet. Dass der Zug viel später kommt. In umgekehrter Wagenreihung, was weiß ich. Dass der Zug vorher wendet. Mit allem hätte ich leben können. Aber dass der Zug gar nicht fahren würde — damit hatte ich nicht so recht gerechnet.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;und-was-hats-gebracht&quot;&gt;Und was hats gebracht?&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich bin für meine Verhältnisse recht braun geworden. An den Armen. Im Gesicht. Also jetzt nicht richtig braun. Nur eine gewisse Schattierung in diese Richtung. Meine Uhr zeichnet sich aber trotzdem sehr deutlich durch eine vornehme Blässe auf meinem Arm ab.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich bin ein wenig an meine Grenzen gegangen. Die nächste so lange Tour wird sicherlich nicht bei diesem Wetter stattfinden. Ich bin aber glücklich, den Punkt “Fehmarnsundbrücke” von meiner Bucketliste gestrichen zu haben.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;und-jetzt&quot;&gt;Und jetzt?&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich habe schon wieder einen Plan. Nachdem der eigentliche Plan ja bereits in Lüneburg gescheitert ist, habe ich ja noch ein wenig Zeit in meinem Urlaub. Ich hatte schon Ideen dafür, als ich wieder in Lüneburg war. Aber darüber berichte ich in einem anderen Blogeintrag.&lt;/p&gt;
</content:encoded>
<pubDate>Sun, 15 Sep 2024 05:00:00 +0000</pubDate>
<link>https://www.c0t0d0s0.org/blog/fehmarn.html</link>
<guid isPermaLink="true">https://www.c0t0d0s0.org/blog/fehmarn.html</guid>
      
<dc:creator>joergcycling</dc:creator>
      
      
<category>Cycling</category>
      
<category>Travel</category>
      
<category>German</category>
      
<category>Bahn</category>
      
      
</item>
    
    
    
    
    
    
    
    
    
<item>
<title>Mehr - oder: 60000</title>
<description>Dieser Text ist im Grundsatz schon etwas älter. Ich bin irgendwie nicht dazu gekommen, ihn ins Blog zu stellen. Er steht aber ein bisschen mit dem nächsten...</description>
<content:encoded>&lt;p&gt;Dieser Text ist im Grundsatz schon etwas älter. Ich bin irgendwie nicht dazu gekommen, ihn ins Blog zu stellen. Er steht aber ein bisschen mit dem nächsten Text in Verbindung, sodass ich ihn dann doch jetzt hier noch veröffentliche.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich bin vor etwa einigen Wochen meinen 60000sten Kilometer mit dem Rad gefahren. Dieser Kilometer war so anders, als ich geplant hatte. Ich war nicht auf einem Rennrad unterwegs, irgendwo hier in der Gegend. Ich war nicht mit 30 km/h unterwegs. Es war anstrengend. Aber es war schön.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/20082024_60000/60000.jpg#center&quot; alt=&quot;60000&quot; /&gt;
&lt;em&gt;60000&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dieser Screenshot ist ein paar Tage später entstanden. Ich war mir gar nicht bewusst, diesen Meilenstein überschritten zu haben.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;mehr-meer&quot;&gt;Mehr Meer&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Dieser Kilometer war irgendwo um Großenbrode herum. Wer sich in Schleswig-Holstein nicht auskennt, das ist die letzte Gemeinde vor Fehmarn. Es kommt da nur noch die berühmte Brücke und dann ist man schon auf der Insel.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich mag die Gegend. Fehmarn ist ein unheimlich wichtiger Ort für mich. Ein Foto der Fehmarnsundbrücke zählt immer noch zu meinen „Most prized possessions”. Ich war aber diesmal nicht auf Fehmarn. Das war nicht mein Ziel. Vom Strand in Großenbrode aus konnte man Fehmarn gut sehen. Burgtiefe genauso wie das für mich sehr wichtige Staberhuk mit seinem Leuchtturm. Die Radarstation ist leider verborgen. Ich bin dort oft gewesen. Wenn ich vor einem Flug in die USA nervös war (weil ich zwar mittlerweile kaum noch Flugangst habe, aber es mich doch beschäftigt), bin ich immer dort hingefahren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/20082024_60000/bruecke.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Brücke&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Brücke&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wie gesagt, Großenbrode. Im Meer geschwommen, das erste Mal seit vielen, vielen Jahren. Ich versuche mich gerade daran zu erinnern, ob ich je vorher schon mal in der Ostsee war. Und ich vermag mich nicht zu erinnern. Auch das letzte Mal Nordsee ist echt schon lange her.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe mir vor Ort wie gesagt ein Rad ausgeliehen. Und es war eine Katastrophe. Ein Rad mit Tiefeinstieg (also known as Damenrad) mit schlechten Reifen. Ich hatte den Eindruck, gegenüber meinen Rädern blieb die Hälfte der Leistung in den Lagern und den Reifen hängen. Aber die Fahrt hat unendlich Spaß gemacht. Aber der 60000ste Kilometer war halt dadurch auf einem absolut schrecklichen Rad.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bei der Gelegenheit habe ich auch noch ein uraltes Schild in der Nähe von Lütjenbrode gefunden (ein offensichtlich kleinerer Ort in der Nähe von Großenbrode).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/20082024_60000/altesschild.jpeg&quot; alt=&quot;Altes Verkehrsschild&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Altes Verkehrsschild&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das Schild ist so seit vielen Jahren nicht mehr in Benutzung: Kind mit Mann mit Hut. Es wurde glaube ich 1971 unter anderem aufgrund der Kampagne einer großen Boulevardzeitung abgeschafft. Das Schild müsste da also schon seit über 50 Jahren sein.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Kritik an diesem Schild war, dass das Schild Kindern suggerieren würde, dass es okay wäre, mit Männern mitzugehen, da Kinder lernen, dass Dinge auf blauen Schildern erlaubt sind. Ich habe bei der Gelegenheit auch gelernt, dass man solche Menschen, die Kinder zum Mitkommen überreden, “Mitschnacker” nennt und dass das wohl in bestimmten Alterskohorten ein gutes Indiz dafür ist, ob jemand in Hamburg zur Schule gegangen ist. Man würde dann diesen Begriff kennen.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;mehr-wusel&quot;&gt;Mehr Wusel&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ein Strand ist bei gutem Wetter ja ein ziemliches Wimmelbild. Ich habe dem DLRG bei der Arbeit zugesehen. In der Ferne fuhr ein Boot des DLRG mit ziemlicher Geschwindigkeit hin und her. Am Strand wurden die Fahnen umgesetzt. Ja — und ich wurde beim Verlassen des Wassers gefragt, ob alles mit mir in Ordnung ist. Ich habe einen etwas merkwürdigen Stil beim Rückenschwimmen. Nennt sich wohl „altdeutsche Rücken”. Beim DLRG nennt sich das wohl „Ertrinken”. Zugegebenermaßen war mein Kopf auch recht rot. Aber das war mehr die Sonne als die Anstrengung. Denn mich gibt es entweder in kalkweiß oder in rot. Meine Uhr hatte auf jeden Fall nichts Außergewöhnliches angezeigt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Trotzdem: Ich habe nach meiner Rückkehr die Gelegenheit genutzt, dem DLRG Geld zu spenden. Wenn man die Menschen da so beobachtet, wie sie ihrer Aufgabe da so nachgehen, sieht man, wie wichtig dieser Job ist.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es war ein wirklich tolles Wochenende am Meer. Ich kann Großenbrode sehr empfehlen. Für Kinder ist das großartig. Das Wasser wird erst langsam tiefer. Für Menschen wie mich eher problematisch. Man läuft gefühlt lange ins Wasser und kann immer noch bequem stehen. Nachteil: Ich muss echt lange ins Wasser laufen, um nicht bei jedem Schritt Grundberührung zu haben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich bin mir nach diesem Wochenende sicher, dass, wenn ich mir den Traum vom Haus am Meer fürs Alter irgendwann realisieren kann, dann wird das hier in der Gegend sein. Denn wenn ich jetzt schon zu wenig am Meer bin, dann will ich den Fehler nicht ad infinitum fortführen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe das Meer gebraucht. Wie sehr, habe ich an diesen Tagen gemerkt.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;noch-mehr-meer&quot;&gt;Noch mehr Meer?&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich hatte ja eigentlich vor, eine sehr lange Radtour in meinem bald anstehenden Urlaub zu fahren. Das war auch weiterhin mein Plan. Ich habe mich nur lange gefragt, ob ich in die richtige Richtung fahre. Vielleicht wäre mehr Meer doch schöner, denn allgemein ist man viel zu wenig, viel zu selten am Meer. Dabei geht es ja nicht mal so direkt nur darum, direkt am Meer zu sein, aber selbst Landschaften, die man an sich kennt, wirken anders, wenn sich dahinter das Meer auftut.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/20082024_60000/feld.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Feld&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Feld&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Freunde besuchen war ein Ziel. Aber auch die Herausforderung. Ich habe durchaus einen Moment mit mir gehadert, ob ich das wirklich machen wollte. Ich habe mich am Ende entschieden: Ich wollte dann doch Richtung Süden fahren. Bin es aber nicht. Aber das ist eine Geschichte, die im nächsten Blogeintrag erzählt werden soll.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;mehr-garten&quot;&gt;Mehr Garten&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Fahrradfahren kommt momentan sowieso etwas kurz. Was mit einer kleinen Veränderung in einer Ecke eines Gartens angefangen hat, ist mittlerweile zu einem größeren Projekt zur Umgestaltung ausgewachsen. Einige Dinge werde ich erst im Herbst durchziehen können, weil erst dann das Fällen von Bäumen erlaubt ist. Aber die Bäume sind eh etwas, die erst später auf dem Plan standen. Passt also. Es ging also morgens um sechs in den Garten, nicht aufs Rad. Denn das war in jenen Tagen mithin eigentlich die einzige Zeit, in der man vernünftig etwas machen konnte.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;mehr-server&quot;&gt;Mehr Server&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Kürzlich ist &lt;code class=&quot;language-plaintext highlighter-rouge&quot;&gt;kirby&lt;/code&gt; bei mir eingezogen. Ein Server, der gleichzeitig auch Desktop ist. 64 GB, 8 Cores, 1 TB Storage momentan, wird aber bald auf 4 TB NVMe aufgebohrt. Auf dem System laufen mittlerweile alle Solaris- und Linux-Instanzen, die ich so brauche. Zusätzlich aber eine Windows-VM mit durchgereichter GPU. Testweise kürzlich für eine Weile Civilization 6 darauf gespielt. Die GPU durchzureichen hat etwas gedauert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Warum heißt der Server &lt;code class=&quot;language-plaintext highlighter-rouge&quot;&gt;kirby&lt;/code&gt;? Naja, er saugt die Fähigkeiten anderer Systeme hier aus — statt einem Getränkeautomaten halt den pihole-RaspPi. Mittlerweile sind sämtliche VMs migriert, alle RasPis eingesammelt.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;mehr-licht&quot;&gt;Mehr Licht&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich habe vor einiger Zeit gelernt, wie wichtig eigentlich gutes Licht dafür ist, um sich in einer Wohnung wohlzufühlen. Ich hielt meine LED-Leisten oben auf meinen Dachbalken immer für eine gute Idee. War es aber nicht. Die Leisten waren leider nie so unsichtbar, wie ich es mir gewünscht hätte. Die Netzteile waren immer sichtbar. Das Licht war ungleichmäßig, weil eben nur auf 3 von 9 Dachbalken Licht war.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe die Gelegenheit jetzt genutzt, das Problem ein für alle Mal zu lösen. Als ich meine Wohnung ausgebaut habe, habe ich mich für eine offene Zangenlage entschieden. Das heißt, meine Wohnung endet nach oben nicht an den Dachzangen, sondern ganz oben im Dach. Dort gibt es eine circa 40–50 cm breite horizontale Fläche über die gesamte Länge des Raums. Ich habe diese jetzt dazu genutzt, dort die Beleuchtung anzubringen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es „hängen” dort jetzt 45 Hexagon-Tiles von Nanoleaf. Bei 100 lm pro Tile ist das jetzt eine Beleuchtung von 4500 Lumen, aber eben über eine lange Strecke verteilt. Es ist ein wunderbares gleichmäßiges Licht, das jetzt mein Wohnzimmer/Arbeitszimmer/Esszimmer/Küche beleuchtet.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/20082024_60000/licht.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Nanoleaf&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Nanoleaf&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Erweitert habe ich das mittlerweile mit einem Schienensystem, das gezielt einige Bereiche ansteuert, die Küche beispielsweise, die Treppe nach unten. Und weil die Schiene etwas weiter reichte als anfangs geplant, hat mein Schreibtisch nun auch einen eigenen Spot. Und ich frage mich, warum ich das nicht schon viel früher gemacht habe.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mittlerweile habe ich alle Funktionen, die ich mit meinem alten Licht hatte, auch für das neue Licht nachgebaut. Es gibt weiterhin die Taste, mit der ich auf einen Schlag alle Lichter auf 30 % begrenze. Denn mit voller Helligkeit kann man vermutlich Vampire mit dem Licht vernichten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nur über die weitere Ansteuerung muss ich weiter nachdenken. Immerhin besteht mein Deckenlicht aus 45 zugegebenermaßen recht großen Pixeln. Da müsste sich eigentlich was mit machen lassen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich hatte über einen LIDAR-basierten Schalter nachgedacht, der auf Basis von Echos, die an Stellen sind, wo sonst kein Echo ist, und anhand derer Bewegungsvektoren das Licht einschaltet. Ist wahrscheinlich wieder totales Overengineering. Ich wurde allerdings auch darauf hingewiesen, dass es so was in der Art schon gibt und bis zu 3 Personen in einem Raum tracken kann auf Basis von Millimeterwellen. Ich werde mir das mal näher angucken.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;mehr-workarounds&quot;&gt;Mehr Workarounds&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Patche niemals ein System am Freitag. Vollziehe niemals eine Konfigurationsänderung am 23. Dezember. Und säubere niemals einen Pelletkessel am Samstag nach Ladenschluss.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Woher ich diese Erkenntnis nehme? Ich habe vor etwa vier Wochen wieder mal in Erinnerung gerufen bekommen, dass nicht nur Lötkolben ein heißes Ende haben, sondern auch Lambda-Sonden. Ich glaube, sie werden am schmerzenden Ende etwa 400 Grad Celsius heiß. Ich kann die Stelle auf meiner Haut immer noch erkennen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich verwende die Lambda-Sonde, um bei neuen Pelletlieferungen die Verbrennung meines Pelletofens zu optimieren. Aber auch bei optimaler Verbrennung muss ich ab und an mal das Rauchrohr säubern. Aschesauger reinhalten, kurz warten, erledigt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Blöd ist nur, wenn man seine Hand gegen die Sonde hält, sich der Temperatur, die auf die Haut wirkt, entsprechend erschrickt, dabei die ganze Sonde aus der Verklebung schlägt. Warum verklebt? Ich musste die Sonde an eine etwas blöde Stelle montieren. Beim Schweißen nennt man das Zwangslage, habe ich gelernt. Wenn man da eigentlich nicht vernünftig rankommt. Ich habe die völlige Rauchgasdichtigkeit letztlich mit Kaminkleber sichergestellt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und so sucht man dann Samstagabend nach einem Patch, der sich auf die Möglichkeiten des Krimskramsregals beschränkt. Erinnert ihr euch an die Szene in Apollo 13, in der nach einer Möglichkeit gesucht wird, eckige Luftfilter in einem System zu nutzen, das runde Filter benötigt (oder war es umgekehrt — ich werde jetzt nicht nachgucken, sonst verbringe ich den Morgen damit, wieder den Film anzugucken)? So in etwa stand ich da auch vor den ganzen Kartons mit über die Jahre angehäuftem Heimwerkermaterial, das ich für den Fall der Fälle dann doch nicht weggeworfen habe. So wie der Meter HT-Rohr und jede Menge Kabelkanalenden —&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es wurden am Ende zwei große Unterlegscheiben, eine Maschinenschraube und eine Mutter. Hält bombig. Ist absolut dicht. Und ich lass mir jetzt mal eine Montage der Sonde einfallen, die eigendicht ist.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Was lernt man daraus fürs berufliche Leben?&lt;/p&gt;

&lt;ul&gt;
  &lt;li&gt;Workarounds halten ewig — der Kaminkleber war eine Zwischenlösung vor 10 Jahren, um nach dem Einbau der Lambda-Sonde die Heizung wieder anwerfen zu können.&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Beim Hausbau/Hausrenovieren häuft man jede Menge technische Schulden an —&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Irgendwann muss man für die technischen Schulden bezahlen. Zunächst mit einem Workaround. Dann mit einer endgültigen Lösung. Vielleicht. Wahrscheinlich wird dieser Workaround aber auch erst mal wieder lange halten.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
</content:encoded>
<pubDate>Mon, 09 Sep 2024 05:00:00 +0000</pubDate>
<link>https://www.c0t0d0s0.org/blog/60000.html</link>
<guid isPermaLink="true">https://www.c0t0d0s0.org/blog/60000.html</guid>
      
<dc:creator>joergcycling</dc:creator>
      
      
<category>Cycling</category>
      
<category>personal</category>
      
<category>Smarthome</category>
      
<category>German</category>
      
      
</item>
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
<item>
<title>Magie</title>
<description>Es war gestern endlich ein Tag, an dem der Finger nicht bei jeder Erschütterung schmerzte. Mag auch damit zusammenhängen, dass ich diese blöde Schiene durch...</description>
<content:encoded>&lt;p&gt;Es war gestern endlich ein Tag, an dem der Finger nicht bei jeder Erschütterung schmerzte. Mag auch damit zusammenhängen, dass ich diese blöde Schiene durch Tape ersetzt habe. Ich habe also auch den gestrigen Tag wieder die Möglichkeit für eine lange Tour genutzt, nachdem der Samstag ein aus vielen Gründen wirklich schöner Tag war, aber leider keine Zeit für Fahrradfahren ließ. Denn ich war am Samstag nach langer Zeit wieder in meiner alten Heimat. Ich war in Oldenburg.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Stadt hat sich irgendwie verändert. Ich wohne da schon seit 23 Jahren nicht mehr, als ich bei Sun anfing, bin ich nach Hamburg gezogen. Ich war das letzte Mal in der Innenstadt von Oldenburg, als man noch dankenswerterweise in einer glückseligen Unwissenheit lebte, was gegen Ende des Jahres passieren sollte. Als sich alles änderte. Als die Leute anfingen, Ignoranz als Standarte ihres Lebensstils vor sich herzutragen. In jenem Jahr 2019.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mir ist die Stadt fremd geworden. Vieles heißt anders, zwar ist manches noch an Ort und Stelle, aber auch das ändert sich. Viel Leerstand. Der C&amp;amp;A, in den mich meine Eltern öfter geschleppt haben, ist mittlerweile auch nicht mehr da.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wahrscheinlich ist in ein paar Jahren an vielen Stellen wirklich nur noch die Erinnerung übrig. Eine Erinnerung, die täuschen wird, denn es scheint mir auch hier, dass mir früher alles größer vorkam, wohlwissend, dass die Proportionen sich nicht verändert haben und dass die Dimensionen nur durch das Echo meiner Erinnerung in meiner Erinnerung gewachsen sind.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;So bleibt in diesen Städten im Grunde genommen nur das, was mir wirklich wichtig ist. Jene Menschen, die ich mit diesen Städten verbinde. Alles andere verliert nach und nach an Bedeutung.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;this-is-a-test&quot;&gt;This is a test&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Wenn alles klappt und mein Workflow funktioniert, sollte dieser Text automatisch zwischen 12:00 und 12:05 erscheinen. Mal sehen, ob das klappt. Ich hatte dieses Wochenende so wenig Zeit, das alles durchzutesten. Ich hab den Text heute Morgen committet. Und hoffe jetzt mal, dass alles funktioniert.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;am-ende-des-ganges&quot;&gt;Am Ende des Ganges&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Teile dieses Artikels schreibe ich in einem Gang in einem Krankenhaus. Fast ganz am Ende. Kurz bevor der Gang endet und links und rechts in den Tiefen des weiteren Gebäudes verschwindet. Krankenhausgänge sind nicht gut für die Seele. Patienten, denen es schlecht geht, warten auf ihre Untersuchung. Da sitzt man dann dazwischen und wartet. Ich bin hier nur ambulant. Lange Geschichte. Keine Sorge.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich hatte mein iPad mitgenommen, um ein wenig zu arbeiten, während ich warten musste. Das hat allerdings nicht so recht geklappt. Zu wenig Konzentration. Viele Zeilen für diesen Eintrag sind dabei auch nicht entstanden. Auch dafür zu wenig Konzentration.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich warte gerade darauf, ins MRT gerufen zu werden. Ein Termin, um etwas zu prüfen. Gleich werde ich wieder in dieses Wunderwerk der Technik geschoben. Isaac Asimov sagte mal, dass jede hinreichend fortgeschrittene Technologie von Magie nicht zu unterscheiden ist. Und Bilder aus dem Tanz der Atome zu machen, indem diese wieder in ihre eigene Bewegung verfallen, nachdem sie ein Magnet in perfekten Einklang gebracht hat. Ich verstehe leider viel zu viel davon, um es für Magie zu halten, was dort passiert, aber ich wünsche mir manchmal die Zeit als Kind zurück, als man noch diese Räume von Unwissenheit hatte, in denen Magie Platz fand.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;perfect-moment-in-time&quot;&gt;Perfect moment in time&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Auf dem Rückweg vom Termin gestern suchte ich nach Musik. Und da sah ich auf meinem Autoradio das, was mich auf den ersten Blick doch sehr an den Vault in der Apple+-Interpretation des Foundation-Zyklus erinnerte, auf dem zweiten Blick dann doch ganz anders aussieht. Es war das Cover des neuen Albums einer Band, die ich so ein wenig am Rande verfolge.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Vor einigen Tagen ist ein neues Album von Kiasmos rausgekommen. Das Album heißt einfach &lt;a href=&quot;https://open.spotify.com/intl-de/album/2g6RvnZBcqrMqStFZTSDD8?si=1UM6R_DGTHuW7WTa_KC-ew&quot;&gt;„II”&lt;/a&gt;. Kiasmos ist die Zusammenarbeit von Ólafur Arnalds und Janus Rasmussen. Offiziell läuft das alles wohl unter dem Namen „Minimal Techno”. Mag sein. Schubladen sind ja gerade im Musikbereich so wichtig, wie es scheint. Für mich gibt es nur vier Schubladen: „Mag ich”, „Mag ich nicht”, „Hasse ich” sowie „Guter Song, doch viel zu oft gespielt”. Wenn man es ganz genau nimmt, gibt es eine fünfte Schublade beschriftet mit „Der neunte Kreis der Hölle”. Da ist aber nur „Last Christmas” von Wham! drin.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das neue Album von Kiasmos ist definitiv in der Schublade „Mag ich”. Für mich ist es einfach gute Musik zum Gehirn-treiben-Lassen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/07072024_tour/hamburg.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Hamburg&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Hamburg&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Musik von Herrn Arnalds ist für mich vor allen Dingen die Erinnerung an einen perfekten Moment. 3.7.2022. Nun etwas über zwei Jahre her. In Hamburg, in der Elbphilharmonie, großer Saal, später auf der Plaza ist dieses Foto entstanden, Solokonzert von Ólafur Arnalds. Es ist bis heute mein Bildschirmhintergrund — auf meinem privaten Notebook, auf meinen privaten Telefonen. In jenem Jahr gab es einen perfekten Moment und eine perfekte Zeit. Und das Konzert war der perfekte Moment.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und nun hat dieser Musiker zusammen mit jemand anderem ein neues Album herausgebracht. Nun — es lässt sich hervorragend zu dieser Musik fahren. Mit dem Auto hab ich das gestern ausprobiert. Mit dem Fahrrad sehr bald. Denke ich.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;bardowick&quot;&gt;Bardowick&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Aber zurück zur Fahrt von Sonntag: Einer der nordwestlichen Vororte von Lüneburg ist Bardowick. Ich finde das Verhältnis von Lüneburg und Bardowick ja schon, seit ich hier wohne, ein wenig merkwürdig.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ist halt ein Vorort — viel hat hier mit der Landwirtschaft zu tun. Üblicherweise fahre ich einmal in der Woche nach Bardowick, um dort Kartoffeln für meine Eltern und mich zu kaufen. Direkt beim Bauern und deutlich preisgünstiger. Meine recht eckige Methode, Kartoffeln zu schälen, ist ganz schön teuer. Um das halbwegs bezahlbar zu machen, muss ich halt sehen, woher man preisgünstigere Kartoffeln bekommt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Möhren räkeln sich in Bardowick auf Schildern und weisen auf die feilgebotenen Gemüse eines Bauern hin. Jeder Bauer scheint hier seinen Milchautomaten und das Gartenhäuschen mit Vertrauenskasse zu haben, um am Lebensmittelhandel vorbei zu verkaufen. Ich bin mir sicher, dass irgendwann diese Vertrauenskassen verboten werden, weil sich Vertrauen nicht digital signieren lässt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Also Bardowick. Das wirklich Merkwürdige an Bardowick ist nicht mal die &lt;a href=&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/Bardowicker_Ges%C3%A4%C3%9Fhuldigung&quot;&gt;Bardowicker Gesäßhuldigung.&lt;/a&gt; Mooning ist halt keine Erfindung der Neuzeit. Auf jeden Fall wurde Heinrich dem Löwen diese Ehre zuteil. Wer sich wundert, warum am Schweriner Denkmal für Heinrich ein nackter Hintern zu sehen ist — das kommt aus Bardowick.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Huldigung hat dann am Ende doch ein wenig mit der Merkwürdigkeit zu tun. Denn ungestraft lief das doch nicht ab. Aber es ist nicht die Merkwürdigkeit an sich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bardowick ist einer der ältesten Orte in Niedersachsen. Es war einmal eine Art Wirtschaftsmetropole, ein sehr wichtiger Ort an der Grenze zwischen dem Franken- und Sachsenreich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Man merkt das beispielsweise daran, dass Bardowick über einen ausgewachsenen Dom verfügt. Und das finde ich sehr merkwürdig. Man sagt ja manchmal Domstadt. Hier trifft es dann wohl Domdorf. Wobei: Der selbst gewählte Name ist: Domflecken.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/07072024_tour/dom2.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Dom&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Dom zu Bardowick&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und genau dieser Dom irritiert mich immer noch, wenn ich daran vorbeifahre. Man sieht ihn sogar von der A39. Ich hoffe, dass das jetzt niemand aus Bardowick liest, aber der Dom ist nicht nur in seinem Bauort merkwürdig, er sieht auch noch merkwürdig aus. Man würde ja normalerweise an einem Dom hohe Kirchtürme erwarten. Etwas, was dem Begriff Dom ein wenig Nachdruck gibt. Aber nee. Die Türme sind relativ kurz. Gehen kaum übers Hauptdach.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/07072024_tour/dom1.jpeg&quot; alt=&quot;Türme&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Türme&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das macht so auf mich den Eindruck, als wäre das so im Projektkickoff gelaufen:&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bauherr: „Wir brauchen einen Dom! So mit zwei Kirchtürmen. Richtig groß!”
Architekt: „Kein Problem, kostet dich X Taler.”
Bauherr: „Wir sind zwar reich, aber nicht so reich.”
Architekt: „Wie wäre es mit einem total tollen Turm?”
Bauherr: „Nee, zwei Türme hätten wir schon gerne.”
Architekt: „Hmm — dann müssen wir die Türme kleiner bauen. Nur halb so hoch. Sieht aber komisch aus. Kostet etwas weniger. Ist keine Dom-Best-Practice.”
Bauherr: „Aber zwei Türme!”
Architekt: „Unterschreibt ihr mir, dass ihr das so wolltet?”&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;So wie der Dom da heute steht, mag das irgendwie nicht so recht zusammenpassen. Zumindest meinem ästhetischen Empfinden nach.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Hier hat man dann also einen nicht ganz so kleinen Vorort einer mittlerweile doch recht großen Stadt. Auch wenn die Orte aneinanderwachsen und es teilweise wie eine Stadt wirkt, ist Lüneburg noch keine Großstadt. Die Agglomeration ist 120.000 Einwohner groß. Aber Orte wie Adendorf, Bardowick wollen nicht Teil der Stadt werden. So bleibt es bei 78.000 Einwohnern für Lüneburg.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wenn man dann durch diesen Vorort fährt, hat man den Eindruck, der Ort besteht aus Bauernhöfen und Autohäusern. Das wird dem Ort nicht gerecht. Aber nein, er hat einen ziemlich großen Dom! Und die ganze Geschichte dahinter ist interessant und weitgreifend — wenn man auf solche Dinge steht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/07072024_tour/muehle.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Mühle&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Bardowicker Mühle&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dabei hat Bardowick noch mehr, beispielsweise eine der ganz wenigen Windmühlen, die noch kommerziell in Betrieb sind. Davon gibt es nicht mehr viele. Hier wird immer noch mit Windkraft gemahlen. Wobei rund um Bardowick auch wieder so viele Windkraftanlagen stehen, dass zu vermuten ist, dass jede Getreidemühle für daheim auch mit Windkraft betrieben wird. Aber die sehen halt nicht ansatzweise so gut aus.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;brücken&quot;&gt;Brücken&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich habe die gestrige Fahrt dazu genutzt, eine recht große klaffende Lücke bei Maschen aufzufüllen. Quer durch Wälder gefahren. An Weggabelungen gestanden. Auch wenn man die Strecke vorgeplant hat, ist dort immer das Jucken im Pedal, einfach mal zu gucken, wo man hinkommt, wenn man einfach mal in die andere Richtung abbiegt. Aber das hätte die Planung völlig durcheinandergebracht für den Lückenschluss.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/07072024_tour/gabelung.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Gabelung&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Gabelung im Wald&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe leider dabei viel zu lange für meinen Geschmack gebraucht, damit mein Kopf auch mal mitbekommt, dass ich nicht nach einem Gewässer gucken muss, wenn auf dem Display steht „Lohchausee”. Mein Kopf hat das erst mal in „Loh/chau/see” übersetzt. So richtig geschaltet habe ich erst, als ich „Kleine Lohchausee” gelesen hatte und mich ernsthaft fragte, ob da nicht ein r fehlt. Ich habe ja den Eindruck, mein Hirn hat früher besser funktioniert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/07072024_tour/a39.jpeg#wide&quot; alt=&quot;A39&quot; /&gt;
&lt;em&gt;A39&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mir fehlen jetzt noch vier Brücken über den nördlichen Teil der A39. Brücken? Ja — auch so ein Motivationsding. Ich fahre alleine. Also von daher keine Motivation, indem einem jemand in den Hintern tritt. Ich bin auch niemand, der blind im Kreis fährt. Ein Teil der Motivation, sich für 116 km aufs Rad zu setzen, sind die Explorertiles, aber auch solche Ziele wie „Alle Brücken über die A39 benutzen”. Klingt komisch, aber fast 60.000 km auf dem Rad in 5 Jahren sprechen ein Stück weit für sich, dass das funktioniert.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;hoopte&quot;&gt;Hoopte&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Die 116 km gestern kamen auch durch einen größeren Umweg zustande. Ich bin nicht direkt nach Hause gefahren. Das Wetter war einfach zu schön. Ich bin also wieder zu meinen beiden Lieblingsstellen an der Elbe gefahren. Laßrönne und Hoopte. Ich schrieb ja schon letztens darüber.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mit blauem Himmel und Wolken sind diese beiden Lieblingsplätze für mich einfach noch mal deutlich schöner.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/07072024_tour/elbe1.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Hoopte&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Hoopte&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Grauer Himmel ist langweilig, blauer Himmel ist langweilig. Einfarbigkeit nimmt dem Blick die Tiefe, nimmt den Blick für die Dimensionen. Deswegen wirken Fotos mit Wolken einfach großartiger.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/07072024_tour/elbe2.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Elbe&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Elbe&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;alles-in-ordnung&quot;&gt;Alles in Ordnung&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Der Radiologe kam nach der Untersuchung noch mal kurz zu mir, um das Ergebnis zu besprechen und mir die Sorgen zu nehmen: Ultraschall hat gelogen, weitermachen. Einige Wochen Sorgen finden ihr Ende. Ich bin beruhigt. Leben wie bisher geht weiter. Der Veränderung entgegen.&lt;/p&gt;
</content:encoded>
<pubDate>Tue, 09 Jul 2024 09:00:00 +0000</pubDate>
<link>https://www.c0t0d0s0.org/blog/magie.html</link>
<guid isPermaLink="true">https://www.c0t0d0s0.org/blog/magie.html</guid>
      
<dc:creator>joergcycling</dc:creator>
      
      
<category>Cycling</category>
      
<category>Musik</category>
      
<category>personal</category>
      
<category>German</category>
      
<category>Apple</category>
      
      
</item>
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    
<item>
<title>Nass</title>
<description>Ich schrieb ja vor einigen Tagen, dass ich auf der langen Fahrt gestürzt bin. Ich war gestern Morgen noch mal beim Doc, nachdem der Finger keine Anstalten...</description>
<content:encoded>&lt;p&gt;Ich schrieb ja vor einigen Tagen, dass ich auf der langen Fahrt gestürzt bin. Ich war gestern Morgen noch mal beim Doc, nachdem der Finger keine Anstalten machte, auf normales Maß abzuschwellen und das Schmerzen einzustellen. Ist jetzt mit einer einfachen Schiene fixiert. Wohl doch was an den Bändern kaputt. Nachdem ich mich ja nach der Fahrt darüber beklagte, dass ich gefährlichen Autofahrern nun nicht mit einer bestimmten Geste auf ihre Missetat hinweisen konnte, ist der Finger jetzt praktisch in der entsprechenden Position festgesetzt. So wollte ich das jetzt auch nicht. Tippen ist gerade etwas schwierig. Und Kopfsteinpflaster (ach nee, unter MAMILs sagt man ja Pavé) schmerzt ein wenig. Nutzt sich alles irgendwie beschleunigt ab.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Völlig verdreckt bin ich vorgestern wieder nach Hause gekommen. Nass bis auf die Knochen, aber auch wieder mit einem Grinsen. Wie als kleines Kind, wenn man tropfnass und dreckig abends wieder nach Hause gekommen ist. Vielleicht ist das ja schon eine erste Rückentwicklung im Alter. Oder man kommt da eigentlich nie raus, kommt sich aber für einige wenige Lebensjahrzehnte zu vernünftig vor, um es zu zeigen. Danach ist es einem dann egal. Hat gutgetan —&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/04072024_tour/beine.jpeg#center&quot; alt=&quot;Beine&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Beine&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Apropos Abnutzung — was mir zunehmend auffällt: Wenn man nicht den “alles was geht”-Ausstattungslevel nimmt bei einem Fahrrad, ist man doch recht schnell mit dem Austauschen von Komponenten beschäftigt. Man merkt schon schnell, wo dann gespart wurde. Kassette und Kette hatte ich quasi schon neu ausgetauscht, die mitgelieferte Kette hatte keinen guten Ruf. Aber dass die Bremsbeläge nach 2000 km schon runter sind, hat mich schon etwas erstaunt. Bei der Gelegenheit werde ich jetzt auch die Zahnräder im Schaltwerk tauschen. Zu einem kompletten Tausch des Schaltwerks konnte ich mich noch nicht durchringen. Ich habe den Eindruck, dass bei einem E-Bike leichter nicht unbedingt besser ist. Teilweise muss der billigste und schwerste Ausstattungslevel verbaut werden, weil die höheren Level mit Carbon und was weiß ich E-Bike nicht durchhalten, insbesondere wenn schaltfaul gefahren wird. Es ist zwar meine Beobachtung, dass jedes neue Material zuerst den Weg in den Consumerbereich und Sportequipment für Profisportler und zahlungskräftige Midlife-Crisis-Männer findet (wie sagte mein Kollege: “Das beste Material ist ganz vorne und ganz hinten im Feld”). Golfschläger zuerst, dann Fahrräder. Aber Stahl in den Bremsscheiben oder Kassetten hat nun mal echte Stabilitätsvorteile. Deswegen sind bei E-Bikes die tollen Highend-Schaltungen meist gar nicht zugelassen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nur hätte ich schon echt gerne echte Kugellager in diesen kleinen Zahnrädchen. Da hinten wirken 600–700 Watt in Spitzenmomenten ein. Und irgendwie wirkt die momentane Konstruktion auf mich auch nicht dauerfest. Für 1000 km im Jahr wird das reichen. Für 1000 km im Monat eher nicht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Original-Felgen sind ja auch nicht mehr drauf, die hatte ich ja auch gleich am Anfang ausgetauscht. Bisher sind die &lt;a href=&quot;https://www.lilienthal.bike/gravel&quot;&gt;Lilienthal-Felgen&lt;/a&gt; (ja, das sind die Felgen aus Braunschweig) wirklich großartig. Halten wunderbar. Die Felgen konnte ich Tubeless im ersten Versuch aufbauen mit einer mobilen Luftpumpe (zugegebenermaßen eine für hohes Luftvolumen, nicht für hohe Drücke, &lt;a href=&quot;https://ride.lezyne.com/products/1-mp-mfdr-v204hv&quot;&gt;Lezyne Micro Floor HVG&lt;/a&gt;), das habe ich bei anderen Felgen nicht mal mit einem Tirebooster (im Grunde genommen eine Aluflasche mit Ventil, man pumpt die Flasche auf und entlässt die Luft dann auf einen Schlag. Die Idee ist, in den Mantel so viel Luft zu pumpen, dass sich dieser gegen die Felge drückt und dann abdichtet. Mit wenig Luftvolumen bewegt sich der Mantel nicht, dichtet nicht ab, und man pumpt ins Leere. Und flucht. Viel. Lange. Unflätig.) geschafft. Das mag jetzt nicht so wichtig klingen, ist aber auf Radreisen sinnvoll: Man kann auch unterwegs nach dem Flicken des Mantels diesen wieder aufziehen und ohne großes Rumgehampel ohne Kompressor aufpumpen.&lt;/p&gt;
</content:encoded>
<pubDate>Thu, 04 Jul 2024 02:00:00 +0000</pubDate>
<link>https://www.c0t0d0s0.org/blog/nass.html</link>
<guid isPermaLink="true">https://www.c0t0d0s0.org/blog/nass.html</guid>
      
<dc:creator>joergcycling</dc:creator>
      
      
<category>Cycling</category>
      
<category>German</category>
      
      
</item>
    
    
    
    
    
    
    
    
    
<item>
<title>Hundertvierundfünfzig</title>
<description>Als ich gestern auf meinem Garmin die Fahrt beendet habe, habe ich für mich ganz persönlich erst einmal ein Mikrophon gedanklich fallen gelassen. Ja, um es...</description>
<content:encoded>&lt;p&gt;Als ich gestern auf meinem Garmin die Fahrt beendet habe, habe ich für mich ganz persönlich erst einmal ein Mikrophon gedanklich fallen gelassen. Ja, um es klarzustellen: Ich bin wahnsinnig. Oder auf dem Weg in den Wahnsinn. Ja, ich meine Kilometer in der Überschrift. 154 km.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das war wirklich die zweitlängste Strecke, die ich bisher gefahren bin. Nur eine virtuelle Fahrt ist länger gewesen. Ich bin mir gerade unsicher, ob draußen mehr geht. Obwohl man sagt, es geht immer mehr, wenn man erst mal eine bestimmte Strecke geschafft hat, gehen weitere 10 km. Nach der Fahrt fühlte sich das mitnichten so an. Auf jeden Fall nicht bei diesen Temperaturen. Bei 20 Grad und bewölkt vielleicht. Nicht beim heutigen Wetter. Vielleicht auch nicht alleine. Weil so langsam komme ich in Bereiche, bei denen der Kopf anfängt, eine wichtige Rolle zu spielen.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;speed-king&quot;&gt;Speed King&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich weiß nach den letzten sechs Stunden, warum mir Profound Mysteries III von Röyksopp so gut gefällt. Seitdem ich von jemandem diesen Tipp erhalten habe vor vielen, vielen Jahren und dabei auch herausgefunden habe, woher damals dieser Song bei der Installation von macOS kam, höre ich deren Musik extrem gerne.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es geht eigentlich im Grunde um genau einen Track — &lt;a href=&quot;https://www.youtube.com/watch?v=ADhyBXyItwg&quot;&gt;“Speed King”&lt;/a&gt;. Etwa 10 Minuten lang baut sich das Lied auf. Hätte ich ein Video zu der heutigen Fahrt gemacht, hätte ich dieses Lied vermutlich als Soundtrack genommen. Was auch hinkommt — eine Weile bin ich mit diesem Stück auf Repeat gefahren. Ist weniger langweilig, als es klingt, weil beim Radfahren klinkt sich das Hirn eh irgendwann aus und ist woanders. Die Musik ist dann nur noch ein ferner Taktgeber.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;So habe ich vor anderthalb Jahren die Grundzüge für eine Kundenarchitektur entworfen. Für die Eingeweihten: Ja, genau die Architektur für das Projekt, für die das Team den BoB-Award bekommen hat. Vielleicht das einzig Gute, was ich im letzten Jahr zustande gebracht habe. Etwas, an dem ich mich festgehalten habe. Das ganze Jahr über.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Musik klingt irgendwie entfernt nach Jean-Michel Jarre. Nur dass jener in der Phase, in der ich seine Musik gehört habe, irgendwie immer vergessen hat, dass es so was wie Bass gibt.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;in-zahlen&quot;&gt;In Zahlen&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Sechs Stunden — ja. Vielleicht ein paar Zahlen dazu: 154 km. 895 Höhenmeter. Dabei 640 Wh Akkus leergefahren (den eingebauten mit 320 Wh und zwei Range Extender mit je 160 Wh). Und trotzdem nicht bis nach Hause gekommen. 6 Stunden 40 Minuten unterwegs gewesen, davon knapp 6 Stunden in Bewegung. Der Akku im Radarrücklicht hat schon 10 km vor den Akkus des Rads aufgegeben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;3200 kcal aus der Bauchbatterie. Also etwa 3700 Wh. Nur dass die Akkus wahrscheinlich einen wesentlich besseren Wirkungsgrad hinsichtlich Leistung auf der Pedalwelle haben. Ein Elektromotor mit dem gleichen Wirkungsgrad wie Franzbrötchen-Beine-Pedal würde wahrscheinlich äußerst miese Kritiken erhalten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mein Energiemanagement für mich selbst ist mittlerweile gut. Aber beim Management der Akkus muss ich noch deutlich besser werden. Die Intelligenz des Rads (oder genauer der App) kommt leider nicht mit zwei Range Extendern klar. Muss man also selber einschätzen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bevor jemand fragt und den Scherz bringt, den irgendeiner meiner Brüder irgendwann bringt (und da ich ein paar mehr Brüder hab, heißt das fast nach jeder längeren Fahrt): Ich bin nicht pleite. Ich kann mir immer noch Benzin leisten. Danke für das Angebot, aber ich brauche kein Geld für Sprit.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;age-strikes-back&quot;&gt;Age strikes back&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Von den Beinen hätte ich weiter gekonnt. Was mich aufgehalten hat, war mein Rücken. Und dass ich versprochen habe, mit meinem Vater einzukaufen. Der vereinbarte Zeitpunkt rückte ohnehin schon immer näher. Was mit dem Rücken war? Ich hatte Probleme. Interessanterweise nicht wegen der langen Radfahrt. Naja, irgendwie schon. Damit zusammenhängend. Aber eigentlich auch irgendwie nicht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich hatte anderthalb Liter Wasser in einer Wasserflasche dabei, die an der Seite meines Rucksacks steckte. Der Versuch, mich so zu verbiegen, die Wasserflasche zu entnehmen, ohne den Rucksack abzusetzen, wurde prompt mit einem „User too old” quittiert, signalisiert durch stechendes Ziehen im Rücken.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das Ganze ist bei Zernien passiert. Ich habe nicht viel später die Strecke abgekürzt. Es hat 20 km gedauert, bis die sanfte Massage der Fugen zwischen den Betonplatten des Fahrradwegs ihre Arbeit vollbracht hat, bis das also nicht mehr genervt hat.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und als es den Stand erreicht hatte, dass ich ohne „Aua” fahren konnte, war ich schon zu nah an Lüneburg dran. Ich habe die Strecke mit allerlei Umwegen noch auf 154 km verlängert, aber ein „imperial century ride” (also 100 Meilen) war da nicht mehr so einfach möglich. Außerdem wurde es immer wärmer. Die Sonne war zu unerbittlich. Ich wollte einfach nur wieder nach Hause. Die Sonne hatte ihren Tribut gefordert und bekommen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wenn man es aber mal ganz rational sieht: Vielleicht war es nicht das Alter, was mich hier gestoppt hat, sondern mein äußerst verhaltenes Stretching am Anfang der Fahrt. Ich kümmere mich primär um meine Beine und vor allen Dingen Knie. Der Rücken steht da ein bisschen zurück. Und die Quittung habe ich heute dafür bekommen.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;erkenntnisse&quot;&gt;Erkenntnisse&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Solo zu fahren hat einen ganz wesentlichen Nachteil. Man hat niemanden, dem man sagen kann „Pass mal auf meinen Krempel auf”. Um die Toiletten in einer der größten Ketten halbwegs sauberer stiller Örtchen (die mit dem gelben M) aufzusuchen, bedeutet das, das Rad völlig von allen Wertsachen zu befreien. Die beiden Range Extender kosten Liste knapp 1000 Euro. Und ich möchte mich nicht der Illusion hingeben, dass ein geneigter Beobachter diese für Wasserflaschen hält und ich diese am Rad lassen kann.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Beide Range Extender in den Rucksack. Radarrückleuchte, Fahrradcomputer, LED-Frontlicht, Telefon in den Helm. Handschuhe ausziehen, weil Händewaschen mit diesen ist doof. Fahrradschloss raussuchen, anketten. Das stille Örtchen aufsuchen. Sich dann halb ausziehen, weil Fahrrad Bib Shorts heißt Träger über den Schultern und die bekommt man nicht von diesen, wenn man das Shirt anbehält.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ja, ist unpraktisch. Aber der Seelenfrieden, dass eine verrutschte Hose nicht den bloßen Hintern freilegt, ist unbezahlbar. Ich bin mittlerweile wenigstens so clever geworden, ein Shirt unter dem Radshirt und den Trägern zu tragen, um nicht vollkommen bloß dazustehen. Und wenn die Tat vollbracht ist, alles wieder retour.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bei diesem Aufwand fragt man sich tatsächlich manchmal, ob Indoor-Fahren nicht bequemer ist, aber ist halt auch nicht ansatzweise so schön.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;unterwegs&quot;&gt;Unterwegs&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Die Fahrt war geplant. Nicht wie die 131 km Strecke nach Uelzen von letzter Woche, die eher zufällig entstanden ist. Ich habe mir auf Komoot rausgesucht, wie ich fahren wollte. Ich bin die Strecke am Ende nicht wie geplant gefahren, aber ich wusste, was da auf mich zukommen würde. Ich habe mit etwa 5 Stunden 30 oder so gerechnet. Und das kam am Ende ganz gut hin, wenn man das falsche Abbiegen und das Suchen nach einem bestimmten Bäcker in Dannenberg abzieht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich wusste also schon vorher, dass ich sehr früh würde losfahren müssen. Um halb sechs hatte ich es dann endlich geschafft, die Fahrt zu starten. Ich bin wohl 4 mal die Treppe hoch und runter gelaufen, bis ich endlich alles dabei hatte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Trotzdem: Ich mag diese Zeit. Es ist wenig los auf den Straßen. Zu diesem Zeitpunkt kann man noch Straßen in der Gegend benutzen, von denen man zwei, drei Stunden später auf jeden Fall die Finger lassen sollte. Über dem Elbeseitenkanal ist selbst im Sommer noch ganz leichter Nebel zu sehen. Nicht so dicht wie im Herbst, wenn die Scheinwerfer auf den Schiffen in der Dunkelheit und im Nebel ein fast surreales Bild erzeugen, aber selbst dieser leichte Dunst sieht einfach gut aus.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/29062024_tour/esk.jpeg#wide&quot; alt=&quot;ESK&quot; /&gt;
&lt;em&gt;ESK bei Lüneburg&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;So fährt man dann mit der tiefstehenden Sonne im Gesicht Richtung Osten. Deswegen versuche ich trotz der Ruhe mich auch recht schnell auf einen Fahrradweg zu verziehen oder einen Feldweg. Wenn ich die Sonne im Gesicht habe, haben Autofahrer dieselbe Sonne in ihrem Gesicht. Und ich gebe mich keinen Illusionen hin, dass meine Rücklichter die Sonne zu überstrahlen vermögen, wenn die Sonne den Fahrern die Sicht nimmt. Auf jeden Fall nimmt man sich dann aber keine Zeit für irgendwelche Bilder. Denn man sieht eigentlich ständig nur Gefahren, verzieht sich auf irgendwelche befestigten Abfahrten, die auf Feldwege führen, um irgendwelche Autos vorbeiziehen zu lassen. Ich bin froh, dass ich vor einer Weile einen Weg von Wendhausen nach Neetze ausprobiert habe, der in den Karten als unbefestigt verzeichnet ist. Er ist erstaunlicherweise gut fahrbar. Jetzt muss ich nur noch eine Alternative für das Stück auf dem Weg nach Bleckede zwischen Elbeseitenkanal und dem Kreisel im Wald finden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/29062024_tour/gras.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Gras&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Gras&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich hatte am Anfang leichte Befürchtungen in Bezug auf mein Knie. Und am Anfang hat es sich auch ein bisschen gemeldet. Nach der Fahrt glaube ich allerdings, dass das eine Kopfsache war. Ich habe mich kurz hinter Bleckede dann mal wirklich verfahren. Was eigentlich ganz schön schwierig ist, wenn man bedenkt, dass da ein großer Pfeil auf dem Display war, der wenig Zweifel an der Richtung ließ. Zudem war da auch noch ein ziemlich großes Hinweisschild „Elbuferstraße”. Wenn man geplant hat, am Elbufer langzufahren, sollte man vielleicht wirklich dem Schild folgen und nicht seinem Tran. Auf Höhe einer Gaststätte, die sich Waldfrieden nennt und tatsächlich mehr oder weniger direkt im Wald liegt, habe ich dann meinen Fehler dann auch mal gemerkt und wollte umkehren. Naja, ich versuchte es, denn ich fand mich kurze Zeit später auf dem Boden wieder und sah meine Wasserflasche in den Wald kullern. Wie ich das hinbekommen habe, weiß ich nicht. Keine Ahnung. Ich habe anscheinend versucht, auf Fingern gestützte Liegestütze dabei zu machen. Das kann ich nicht mal, wenn ich will. Dementsprechend schmerzen die Finger jetzt. Danach waren allerdings die Kniebeschwerden weg. Deswegen meinte ich: Wahrscheinlich Kopfsache.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/29062024_tour/aussichtsturm2.jpeg#center&quot; alt=&quot;Aussichtsturm&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Aussichtsturm auf dem Kniepenberg&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Apropos Kopfsache. Auf der Strecke habe ich herausgefunden: Ich habe immer noch so eine Art Höhenangst. Es gibt einen Aussichtsturm, der wahrscheinlich ein wunderbares Panorama über das Elbtal bietet. Ich werde es aber erst mal nicht herausfinden, denn ich habe mich nicht auf diesen Turm getraut. Ja schon, ein ganzes Stück hoch schon, aber es war halt noch nicht über den Wipfeln der Bäume, sodass man damit hätte was anfangen können.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/29062024_tour/aussichtsturm.jpeg#center&quot; alt=&quot;Aussichtsturm&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Durch die Treppe scheint Licht&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Man kann zwischen den Stufen durchgucken. Das „killt” mich jedes Mal bei solchen Treppen. Rockefeller Center — kein Problem. One World Trade Center. Zweimal oben gewesen. Been there, done that. Aber sie haben halt keine Treppen, durch die man durchgucken kann. Okay, die Treppe an diesem Turm ist nicht so schlimm wie eine Treppe bei einem Kunden, den ich mal besucht habe, bei dem die Treppe nicht mal so richtig den Eindruck machte, sie wäre korrekt in der Wand verankert. Wahrscheinlich war sie es, machte nur nicht den Eindruck. Außerdem bestand sie aus Gitterplatten, freier Blick nach unten. Es hatte mich echt Überwindung gekostet, sie zu nutzen. War ohnehin alternativlos. Ich frage mich bis heute, ob das ein Test für System Engineers war. Durch diese hohle Gasse, über diese klapprige Treppe muss er kommen, will er sich erdreisten, mir die Welt zu erklären.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und Kopfsache III für diese Fahrt: 60 km/h mit dem Rad ist eine coole Sache. Aber mir dann doch zu viel auf einer kurvigen Straße. Die Strecke ist für Motorradfahrer gesperrt. Aus gutem Grund. Und ich hege wenig Lust, meine Haut auf einer Straße im Wendland zu verteilen.&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;hitzacker&quot;&gt;Hitzacker&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Bei dieser Fahrt habe ich es dann auch endlich mal geschafft, mehr als nur einen Augenblick in Hitzacker zu sein. Okay, es war nicht viel länger, aber ich bin wenigstens mal etwas länger durch die Stadt gefahren. Leider in viel zu großer Eile. Sieht man vielen Fotos leider auch an. Mir war nur zu bewusst, dass zu diesem Zeitpunkt noch über 80 km auf mich warten würden. Ich habe allerdings schon eine Strecke geplant, die Hitzacker als Ziel hat.&lt;/p&gt;

&lt;div class=&quot;gallery-box&quot;&gt;
  &lt;div class=&quot;gallery&quot;&gt;
   &lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/29062024_tour/hitzacker1.jpeg&quot; /&gt;
   &lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/29062024_tour/hitzacker2.jpeg&quot; /&gt;
  &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;h2 id=&quot;dannenberg&quot;&gt;Dannenberg&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Nächste Station war Dannenberg. Quer durch die Innenstadt gefahren. St. Johannis in Dannenberg muss eine Kirche außerordentlichen Pechs gewesen sein. Mehrfach teilweise abgebrannt, teilweise eingestürzt. Aber die Kirche stand da schon, als Kolumbus noch nicht auf der Welt war, sie wird auf 1385 datiert. Mehrere der Glocken sind sogar noch älter. Nur was die Leute sich bei der Wandfarbe gedacht haben — ich weiß es nicht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/29062024_tour/dannenberg.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Dannenberg&quot; /&gt;
&lt;em&gt;St. Johannis in Dannenberg&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe dann irgendwann den gesuchten Bäcker gefunden, in dem ich vor vielen Jahren mit meiner damaligen Partnerin gefrühstückt habe. Ich erinnerte mich an die recht anständigen Brötchen. Ich hätte mir auch einfach noch zusätzlich merken können: Ortsausgang Richtung Uelzen an der Bundesstraße. Aber dazu war es einfach viel zu lange her. Bald 10 Jahre.&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;zernien&quot;&gt;Zernien&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Dies ist der Eisenbahnviadukt bei Zernien. Ja genau, das Aua-Zernien. Ich habe diese Brücke im ersten Augenblick für einen Teil der Amerikalinie gehalten. Dann wurde mir aber klar, dass die wo ganz anders ist. Sie verläuft weiter südlich bis Uelzen. Sie trifft bei Bergen an der Dumme (da ist der Ort schon wieder) auf niedersächsisches Gebiet. Die Wendlandbahn als Alternative ist viel weiter nördlich. Was ich nicht mehr im Kopf hatte — es gab noch eine weitere Strecke.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/29062024_tour/zernien.jpeg#center&quot; alt=&quot;Viadukt&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Viadukt bei Zernien&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Diese Brücke ist Teil der Bahnstrecke von Uelzen nach Dannenberg. Da die Brücke in Dömitz nach ihrer Zerstörung 1947 nie wieder aufgebaut wurde, hängt dieser Bereich des Wendlands ein wenig im Leeren. Der letzte Zug auf dieser Strecke war tatsächlich ein Castor-Transport. Aber das war auch schon im letzten Jahrtausend. Heute kann diese Brücke nur noch mit Draisinen befahren werden. Ich denke, man hatte für dieses große Bauwerk auch andere Pläne, als dieses gebaut wurde.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Von Wittenberge bei Flusskilometer 456 bis Lauenburg bei Flusskilometer 568 gibt es keine Elbquerung mit der Bahn. Die Brücke in Dömitz war bei Kilometer 503. Aber sie steht heute halt nicht mehr und die Überreste werden heute als Aussichtspunkt verwendet. Beim Auto sieht es nicht viel besser aus. Nur dass es dort noch eine Straßenbrücke in Dömitz gibt. Das mag der Grund sein, warum die Elbe irgendwie eine Grenze nach Osten für mich ist für Radfahrten. Ja, es gibt Fähren, aber da muss man am Sonntag auch gucken, ob die überhaupt so früh fahren. Und über die Brücke bei Neu-Darchau wird seit Jahren gestritten. Ich bin da gestern durchgefahren und das scheint die Gemeinde zu spalten. Zwischen Schildern „Ja zur Brücke” und „Nein zur Brücke” ist oft nur ein Gartenzaun.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wenn man so überlegt, es gab hier wirklich früher eine Menge Bahnstrecken. Die Zonenrandlage hat dem wohl ein Ende gemacht. Die Amerikalinie ist heute noch in Betrieb. Die Wendlandbahn ebenfalls, auch wenn dies nur noch eine Nebenbahn und der Personenverkehr eher spärlich ist.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Weiter flussabwärts sieht es nicht besser aus, die nächste Bahnbrücke ist in Hamburg. Aber darüber habe ich ja schon mal geschrieben.&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;höver&quot;&gt;Höver&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Auf jeden Fall bin ich nicht viel später Richtung Bad Bevensen abgebogen, statt weiter nach Uelzen zu fahren. Dabei bin ich dann irgendwann auf diese Kapelle gestoßen. Es ist echt erstaunlich, wie viele Kirchen hier in der Gegend sind.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/29062024_tour/hoever.jpeg#wide&quot; alt=&quot;Kapelle&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Kapelle bei Höver&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Sie ist in Höver gelegen. Diese ist allerdings deutlich jünger. Sie ist aus dem Jahr 1904. Der Vergleich mit der Kirche in Raven ist interessant und das hatte meine Aufmerksamkeit an sich gezogen: Ich vermute, da hatte man das mit Statik schon deutlich besser im Griff, sodass diese Kirche deutlich weniger Strebewerk hat als jene in Raven, die deutlich älter ist. Ich würde mich nicht mal wundern, wenn das Strebewerk nur Zierde ist.&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;bahn&quot;&gt;Bahn&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Es wurde ab dem Moment deutlich wärmer. Das Wetter deutlich unangenehmer. Ich hatte danach nur noch wenig Lust zu fotografieren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/29062024_tour/bahn.jpeg&quot; alt=&quot;Bahn&quot; /&gt;
&lt;em&gt;Hamburg-Hannover nahe Medingen&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Übrigens, das auf dem Bild ist eine der wichtigsten Bahnstrecken Deutschlands. Es ist die Verbindung zwischen Hamburg und Hannover. Und es wird sich immer noch darum gestritten, wie diese Strecke irgendwann mal leistungsfähiger gemacht werden soll. Denn sie ist völlig am Ende. Pläne für einen Neubau an der A7 existieren. Will man dort nicht. Drittes Gleis. Will man hier nicht. Nichts geht da gerade. Man ist gerade bei einem Konzept Alpha-E, das so richtig nichts bringt. Es liegt oft nicht an der Politik, dass nichts geht. Ich glaube, sehr häufig sind wir das, wenn nichts geht. Weil wir sehr genau wissen, was wir nicht wollen. Aber keine Vorschläge haben, was man stattdessen machen kann. Außer “Ja, nicht hier, woanders, weranders, wannanders, wasanders”.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Alles wird zu Wahnsinn. Brückenwahnsinn. Schienenwahnsinn. Autobahnwahnsinn. Hafenwahnsinn. Dabei ist es eigentlich kein Wahnsinn, sondern nur etwas, was der Wahnsinn Vorwerfende nicht will. Auch auf YouTube: Das Auto hält nicht mehr 20 Jahre bei grober Falschnutzung (ist ja so praktisch, 1 km zum Supermarkt mit dem Auto zu fahren). Dafür verbraucht die Kiste ein Drittel und stößt deutlich weniger Schadstoffe aus. Was mit der Anleitung zum Fröschekochen gemeint ist, funktioniert auch in die andere Richtung. Die Luftqualität hat sich so kontinuierlich verbessert, dass wir uns gar nicht mehr dran erinnern, wie schlecht die Luft früher war. Aber jedes YouTube-Video mit “Motorenwahnsinn” überschreiben, wenn das, was wir dazu technisch brauchen, nicht jeden Missbrauch verzeihen kann. Das Auto muss 150 PS und mehr haben, aber in der Praxis werden dann pro Zylinder vielleicht 5–10 genutzt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es gibt zwar häufig die Meinung, dass Politiker das machen, was sie wollen, aber da das Hauptziel eines jeden Politikers ist, wiedergewählt zu werden, sind sie nur ein Spiegelbild unserer eigenen Unfähigkeit (naja, der Minister einer Partei mit fast drei Prozent scheint da eine Ausnahme zu sein). Wir wählen jene, die uns möglichst wenig Änderung versprechen. Selbst wenn uns eigentlich völlig klar sein müsste, dass wir darüber längst hinweg sind. Aber um das Ziel möglichst wenig Änderungen an unserem Lebensstil zu erreichen, wählen wir selbst Rechte und Linke, die uns die Illusion geben. Das ist eigentlich fast das Schlimmste an der Situation: Sie halten uns für blöd und haben unter Umständen sogar damit recht.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;der-nächste-tag&quot;&gt;Der nächste Tag&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Der nächste Tag — ich blieb im Bett. Das Rad wollte gehegt und gepflegt werden. Ich hatte noch eine Verabredung mit einem noch größtenteils in Kartons liegenden PAX-Schrank. Ich bin nicht gefahren. Es hatte nachts stark gewittert, es regnete stark und so hatte ich mich ohnehin entschieden, dass ich an diesem Tag aus Zucker bestehe.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ohnehin, der Finger ist mittlerweile ein wenig geschwollen. Ich könnte einem Fahrer, der meint, mit hoher Geschwindigkeit viel zu nah an mir vorbeizufahren, nicht einmal fachgerecht mittels eines „One-Finger-Salutes” über seine Missetat in Kenntnis setzen. So konnte ich natürlich nicht fahren.&lt;/p&gt;
</content:encoded>
<pubDate>Sat, 29 Jun 2024 11:00:00 +0000</pubDate>
<link>https://www.c0t0d0s0.org/blog/hundertvierundfuenzig.html</link>
<guid isPermaLink="true">https://www.c0t0d0s0.org/blog/hundertvierundfuenzig.html</guid>
      
<dc:creator>joergcycling</dc:creator>
      
      
<category>Cycling</category>
      
<category>Geschichte</category>
      
<category>Musik</category>
      
<category>German</category>
      
<category>Bahn</category>
      
      
</item>
    
    
</channel>
</rss>

