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<title>c0t0d0s0.org</title>
<description>A blog about Life, Solaris, Cycling and all the rest.</description>
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<lastBuildDate>Tue, 07 Jul 2026 03:25:27 +0000</lastBuildDate>
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  <title>c0t0d0s0.org</title>
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<title>25 Jahre</title>
<description>Noch lange nicht genug — ein Vierteljahrhundert bei Sun und Oracle</description>
<content:encoded>&lt;div class=&quot;lang-switch&quot;&gt;
&lt;a class=&quot;lang-switch__link&quot; hreflang=&quot;en&quot; href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/en_25years.html&quot;&gt;in English 🇬🇧&lt;/a&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;blockquote&gt;
  &lt;p&gt;Ich habe Dinge gesehen, die ihr Nicht-ITler niemals glauben würdet. Gigantische Server, die Core Dumps warfen, kurz vor Weihnachten. Ich habe Lastspitzen gesehen, glitzernd in Grafana, nahe dem Ende der Nacht. All diese Momente werden irgendwann verloren sein in der Zeit, so wie verwaiste Tickets im Jira. Zeit, sich eine Bildschirmarbeitsplatzbrille verschreiben zu lassen.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;25 Jahre. Es sind wirklich schon 25 Jahre. Auch wenn ich hoffe, dass noch “30” und “35” dazukommen&lt;sup id=&quot;fnref:8&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fn:8&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;, fühlen sich 25 Jahre irgendwie besonders an. Dieser Eintrag ist ein Ausdruck der Verwunderung über diese lange Zeit. Geschrieben in einem Blog, das mich fast genauso lang begleitet.&lt;sup id=&quot;fnref:9&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fn:9&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;2&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Dabei lief eigentlich alles anders, als ich es 2001 für mich ausgemalt habe.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die beste Freundin meiner besten Freundin erwähnte mal eine Regel beruflichen Aufstiegs: „Nach drei Jahren kann man gehen, nach fünf Jahren sollte man gehen, nach sieben Jahren muss man gehen.” Diese Frau hatte in großen Unternehmen Karriere gemacht, und irgendwie erschien mir diese Regel am Ende des letzten Jahrtausends sinnvoll.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und das war auch mein Plan, als ich 2001 bei Sun anfing. Ein paar Jahre dabei bleiben, Sun im Lebenslauf stehen haben und mir dann etwas anderes suchen. Vielleicht sogar wieder als Manager. Möglicherweise in einer anderen Stadt? Eventuell sogar ins Ausland gehen? Ein guter Plan. Fand ich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In Hamburg war ich wegen einer abendlichen Vorbeifahrt&lt;sup id=&quot;fnref:1&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fn:1&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;3&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; an der Binnenalster gelandet. Dies war wahrscheinlich der Moment, in dem ich mich in die Stadt verliebte. Es war kein großer Plan, sondern ein Zufall, der mein Leben tiefgreifend beeinflussen sollte. In jenem Moment wusste ich, dass ich in Hamburg und damit bei Sun unterschreiben würde.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/binnenalster.jpg&quot; alt=&quot;Binnenalster&quot; /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Sieben Jahre sind lange vorbei. Es ist 2026. Ich habe mich zum dritten Mal dem ‚muss’ verweigert. Viel ist passiert. Sun wurde längst von Oracle übernommen. Ich bin immer noch dabei. Mittlerweile länger bei Oracle als bei Sun. Aber: Meine Aufgaben unterscheiden sich sehr von jenen, die mir mein damaliger Manager in jenem Sommer vor 25 Jahren – kurz bevor sich die Welt an einem Morgen im September grundlegend änderte – gab. Ich fand mein Wachstum nicht im Sprung von Firma zu Firma. Ich unterscheide mich sehr von dem Menschen, der damals 2001 den Eingang zur Sun-Geschäftsstelle in der Eiffestraße gesucht und nicht sofort gefunden hat.&lt;sup id=&quot;fnref:2&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fn:2&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;4&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Warum ich geblieben bin? Es war und ist mit Sicherheit nicht alles „Ponyhof”.&lt;sup id=&quot;fnref:3&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fn:3&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;5&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Nichts ist das so lange. Nichts ist das immer. Wer das über eine Zeit von 25 Jahren sagt, nutzt die Gnade des selektiven Erinnerns. Aber man wächst nicht an einem Ort, wenn man an diesem nicht jeden Tag etwas lernen kann. Man gewinnt nicht, wenn man nicht jeden Tag etwas an jemanden weitergeben kann. Man geht nicht voran, wenn die Neugier irgendwann verkümmert. In den 25 Jahren konnte ich jeden Tag lernen, lehren, neugierig sein. Jeden einzelnen Tag.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Viele besondere Menschen kreuzten meinen Weg: Von jenem Herrn am Empfang der Frankfurter Geschäftsstelle, der ein phänomenales Gedächtnis für Namen und Gesichter hatte, bis hin zu der Frau, die den verdammten Spanning Tree erfunden hat. Wenn ich durch eine Stadt laufe, kann ich sehen, wo ich überall ein kleines bisschen beigetragen habe.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und schlussendlich: Man ist nicht 25 Jahre in einer Firma, ohne dass die Linie zwischen Kollegen und Freunden in Teilen bis zur Unkenntlichkeit verwischt wird. Oder dass man zu manchen Menschen Respekt und Vertrauen aufbaut, das weit über das im professionellen Leben gebotene Maß hinausgeht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/sunoracle.jpeg&quot; alt=&quot;SunOracle&quot; /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wenn Du das Universum lachen hören willst, mache einen Plan. Wenn ich auf das letzte Vierteljahrhundert zurückblicke, muss dieses Lachen nicht notwendigerweise etwas Schlechtes sein.&lt;sup id=&quot;fnref:7&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fn:7&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;6&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/p&gt;

&lt;hr /&gt;

&lt;div class=&quot;footnotes&quot;&gt;
  &lt;ol&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:8&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ja, ich weiß, das fordert das Schicksal in einer Vielzahl von Richtungen heraus. Aber nach &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill.html&quot;&gt;2025&lt;/a&gt; sehe ich das mit einer gewissen Nonchalance. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fnref:8&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:9&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Und dessen zwanzigsten Geburtstag ich vor zwei Jahren schlicht übersehen habe. Vielleicht ist dieser Text auch ein bisschen Ausgleich dafür. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fnref:9&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:1&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ich konnte mich nicht entscheiden, welches Angebot ich damals annehmen sollte. Ich fuhr durch Berlin&lt;sup id=&quot;fnref:4&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fn:4&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;7&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;, ich fuhr durch Frankfurt&lt;sup id=&quot;fnref:5&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fn:5&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;8&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;. Und dann war da diese Fontäne&lt;sup id=&quot;fnref:6&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fn:6&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;9&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fnref:1&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:2&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Weil ich in der Aufregung nicht um die Ecke guckte, wo dieser sich unübersehbar befand. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fnref:2&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:3&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Nicht so schlimm, denn &lt;a href=&quot;https://www.youtube.com/watch?v=NJDEB4xY-tM&quot;&gt;ich find Ponies doof&lt;/a&gt; … &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fnref:3&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:7&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Meinetwegen kann das Universum gerne bis zu meiner Rente weiterlachen. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fnref:7&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:4&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Jeder wollte um die Jahrtausendwende in Berlin sein, ich irgendwie nicht … &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fnref:4&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:5&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Frankfurt mag schöne Stellen haben, doch allein ich fand sie nicht … &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fnref:5&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:6&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Hach … &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/25years.html#fnref:6&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
  &lt;/ol&gt;
&lt;/div&gt;
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<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 00:00:00 +0000</pubDate>
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<dc:creator>c0t0d0s0</dc:creator>
      
      
<category>German</category>
      
<category>Sun</category>
      
<category>Oracle</category>
      
      
</item>
    
    
    
    
    
<item>
<title>The Day My Heart Stood Still</title>
<description>My Aortic Aneurysm: Diagnosis, Life, Surgery, and the Aftermath</description>
<content:encoded>&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill.html&quot;&gt;Version in German&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;I was asked about an english version a few times. Here it is.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;table-of-contents&quot;&gt;Table of contents&lt;/h1&gt;
&lt;ul&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part1-english.html&quot;&gt;Part 1 - A long preface - 10.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part2-english.html&quot;&gt;Part 2 - About a letter, my holiday and shattered plans - 11.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part3-english.html&quot;&gt;Part 3 - About noise and confinement, imaging magnets and about letters that change the course of life - 12.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part4-english.html&quot;&gt;Part 4 - Koblenz and the incidental diagnosis - 13.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part5-english.html&quot;&gt;Part 5 - Outta Koblenz - 14.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part6-english.html&quot;&gt;Part 6 - A different life and ugly pyjamas - 15.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part7-english.html&quot;&gt;Part 7 - Vicious circles, cuddly toys and inevitability - 16.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part8-english.html&quot;&gt;Part 8 - Preparations for the operation and gloomy thoughts - 17.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part9-english.html&quot;&gt;Part 9 - About a voice from the border and survivorship bias in practice - 18.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part10-english.html&quot;&gt;Part 10 - About the days around the operation and missing memories - 19.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part11-english.html&quot;&gt;Part 11 - About pain, first successes and confused images - 20.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part12-english.html&quot;&gt;Part 12 - About isolation and the lack of rhythm - 21.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part13-english.html&quot;&gt;Part 13 - About sleeping positions and pulled cables - 22.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part14-english.html&quot;&gt;Part 14 - The healing treatment afterwards in the follow-up rehabilitation - 23.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part15-english.html&quot;&gt;Part 15 - How are you? - 24.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part16-english.html&quot;&gt;Part 16 - Thank you! - 25.12.2025&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part17-english.html&quot;&gt;Part 17 - 6 months later - 29.03.2026&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part18-english.html&quot;&gt;Part 18 - Aftercare and a new guest - 04.05.2026&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part19-english.html&quot;&gt;Part 19 - Digital Legacy - 26.05.2026&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
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<pubDate>Thu, 28 May 2026 05:00:00 +0000</pubDate>
<link>https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-english.html</link>
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<dc:creator>joerg</dc:creator>
      
      
<category>General</category>
      
<category>TheDayMyHeartStoodStill</category>
      
<category>English</category>
      
      
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<item>
<title>Der Tag, an dem mein Herz stillstand - Teil 19</title>
<description>Digitaler Nachlass</description>
<content:encoded>&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part19-english.html&quot;&gt;Version in English&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Irgendwo in den Weiten des Fediverse muss es in den letzten Tagen einige Diskussionen über digitalen Nachlass gegeben haben. Ich fand Spuren dieser Diskussion in bekannten Profilen, aber auch in unbekannten Profilen. Ich fand es beispielsweise im Feed von &lt;a href=&quot;https://norden.social/@abulling@fedifreu.de/116551785539598139&quot;&gt;Andreas Bulling&lt;/a&gt;. Ich habe einige Threads zu diesem Thema gesehen, die unabhängig voneinander liefen. Im Handelsblatt stand auch etwas dazu. Es scheint gerade ein Thema zu sein, das momentan viele Menschen bewegt. Ich hatte erst heute eine Diskussion mit meinem Bruder und seiner Lebensgefährtin über das allgemeine Thema “Ablebensvorsorge”. Woher das kam? Keine Ahnung. Die beiden sind nicht im Fediverse. Das Thema scheint in der Luft zu liegen. Und ich frage mich, warum.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun, ich habe zwei anstrengende Wochen hinter mir, ich habe daher darauf verzichtet, die Diskussion bis zu ihrem Anfang nachzuverfolgen, um dieses “Warum?” herauszufinden. Meine Erfahrungen mit dem Thema niederzuschreiben erschien mir aber sinnvoll. Denn: Ich stand vor genau diesem Problem im September 2025. Ich hatte allerdings den Vorteil, dass ich wusste, was passieren würde. Es war keine plötzliche Angelegenheit, die in Form eines Rettungswagens in mein Leben trat. Ich hatte für den 29. September 2025 eine „Einladung” ins Krankenhaus zur operativen Sanierung eines Aortenaneurysmas. Aufsteigende Aorta bis weit in den Aortenbogen. Das ist eine Operation, die mit einer gewissen Sterblichkeit vergesellschaftet ist. Von der Größenordnung der OP wusste ich vor der Narkose noch nichts, aber auch das, von dem ich wusste, war groß genug, um davor Angst zu bekommen. Der Gedanke an die eigene Sterblichkeit stellte sich vor und sagte leise „Huhu!”.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich möchte hier nicht über das Thema Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht schreiben. Über die Überlegungen zum Thema „Welt ohne mich”. Ich habe viel zu diesem Themenkomplex in Teil 9 von &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill.html&quot;&gt;„Der Tag, an dem mein Herz stillstand”&lt;/a&gt; im Abschnitt &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part9.html&quot;&gt;„Bumms – büst butten”&lt;/a&gt; zusammengefasst.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich konzentriere mich hier auf einen kleinen Unterbereich. Oder etwas, das anfangs wie ein kleiner Unterbereich aussah. Wie regele ich meinen digitalen Nachlass.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;katastrophenvorsorge&quot;&gt;Katastrophenvorsorge&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich habe zu dem Thema Katastrophenvorsorge eine besondere Beziehung. In vielen Bereichen dreht sich mein berufliches Wirken genau darum. Ich bin etwas verschwiegen, was ich beruflich genau mache. Das ist Absicht. Selbst nahestehende Menschen wussten das nie so genau. Es ist nicht geheim. Es ist nur nicht meine Art, darüber zu reden. Kommt aus der gleichen Ecke wie der Punkt, dass ich nur sehr verklausuliert über andere Personen in diesem Blog schreibe. Es sind nicht meine Geschichten. Aber es besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass Daten, die für euch wichtig sind, auf Systemen verarbeitet werden, zu denen ich ein kleines Scherflein beigetragen habe. Und das – und darum erzähle ich das – eben oft mit einem Auge fürs Disaster. Und das prägt einen ein wenig. Wie man so schön sagt: “Das ist Berufskrankheit”. So wie die Bahner der Reichsbahn, die angeblich in der Nacht ihre Partner getreten haben, weil sie über den Tag den Sicherheitsschalter ihrer Lok treten mussten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es sind Umgebungen, in die sehr viele Gedanken geflossen sind: insbesondere „Was passiert eigentlich, wenn hier irgendwas nicht mehr funktioniert?”. Das führte bei mir zu einem besonders dringenden Problembewusstsein, als mich die Einladung ins Krankenhaus ereilte: “Oh Mist, ich habe an der Ecke wirklich ein Problem”.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und zu der Erfahrung, dass es, wenn man Lücken lässt, in der Natur der Dinge liegt, dass einem diese später auf die Füße fallen. Beispielsweise: „Wenn du etwas nur einmal auf Papier niederschreibst, wird garantiert dieses Papier später nicht zu finden sein”. Und wenn das das Blatt Papier mit dem Passwort zum Passwortmanager ist, sind alle weiteren Planungen Schall und Rauch.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;zugegeben&quot;&gt;Zugegeben&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Auch wenn ich dieses Problembewusstsein stets hatte: Des Schusters Kinder haben die schlechtesten Schuhe. Es bedurfte erst der Operation als Anlass, dass ich dieses Problem angegangen bin. Und auch heute – acht Monate nach der Operation – ist das alles nicht vollständig und zu meiner Zufriedenheit umgesetzt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es war vor allen Dingen eins: zu spät. Eigentlich muss man das alles bereits dann umsetzen, wenn Menschen von einem abhängig sind. Und nicht erst, wenn man die Einbestellung zur OP hat. Ein Monat ist eine sehr kurze Zeit, das alles zu erledigen. Und sowieso: Das NEF und der RTW können ganz plötzlich vor der Tür stehen.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;papier&quot;&gt;Papier&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich digitalisiere fast alles in meinem Leben. Ich nehme die gesamte Post, jede Quittung, jedes Stück Papier der letzten Woche und scanne es einmal pro Woche. Ich halte das schon lange so. Ich sortiere nicht vor. Ich sortiere nicht aus. Weil es schwer absehbar ist, was wichtig ist.&lt;sup id=&quot;fnref:1&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part19.html#fn:1&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Vor 11 Jahren habe ich mir meinen ersten halbprofessionellen Dokumentenscanner gekauft. Den Fujitsu iX500. Mittlerweile bin ich beim Ricoh iX2500 (das Geschäft mit diesen Scannern wurde von Fujitsu verkauft), nachdem eine vergessene Heftklammer beim iX500 dafür gesorgt hat, dass eine Seite nun einen dünnen schwarzen Streifen über das Blatt zieht, weil die Scanzeile nun einen Kratzer hat.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mittlerweile sind in diesem Archiv, das über mein Geburtsjahr in den frühen 70er Jahren zurückreicht&lt;sup id=&quot;fnref:4&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part19.html#fn:4&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;2&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;, mehrere Zehntausend Dokumente. JA, manche davon sind Quittungen über eine Tüte Milch und Duschgel. Durchsuchbar mit OCR. Verschlagwortet. Organisiert mit DevonThink. Dokumente sind hier einfacher zu finden als in einer Schrankwand Leitzordner. Einfacher, nicht einfach.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;struktur&quot;&gt;Struktur&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;In DevonThink habe ich diesem Wust an Dokumenten eine Struktur gegeben: Beispielsweise sind alle wichtigen Dokumente mit dem Tag „(WICHTIG)” versehen. Zudem hat jedes wichtige Dokument ein beschreibendes Tag, das es ungefähr einsortiert: „(WICHTIG) (Lebensversicherung)” beispielsweise.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das Problem ist: Es ist meine Struktur. Ohne Anleitung wird sich jeder damit schwertun, auf die Schnelle dort ein Dokument zu finden, wenn er oder sie nicht ein Schlagwort oder ein Wort des Inhalts kennt. Klar gibt es mehrere Worte, die man auf Anhieb versucht. Wie „Lebensversicherung”. Aber dann erhält man auch alle Kontoauszüge mit Abbuchungen. Man kann weitestgehend mein ganzes Leben daraus rekonstruieren. Wenn man die nötige Zeit hat. Wenn man die nötige mentale Kapazität dazu hat.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;was-ist-wichtig&quot;&gt;Was ist wichtig?&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich habe deswegen in der Zeit vor meiner OP eine Art Anleitung geschrieben. Ein Runbook zu Jörgs Leben. Welche Dokumente sind in dieser Datensammlung aus welchem Grund wichtig? Es gibt eine &lt;abbr title=&quot;HyperText Markup Language&quot;&gt;HTML&lt;/abbr&gt;-Seite, die sämtliche wichtigen Dokumente verlinkt, mit einer Beschreibung, warum diese wichtig sind, in welchem Fall diese wichtig werden. Diese Seite liegt auf dem System, das sämtliche gescannten Dokumente beinhaltet.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber sie drückt auch ganz simple Dinge explizit aus, etwa dass wichtige Dokumente das Tag „(WICHTIG)” haben. Das ist im Katastrophenfall nicht unbedingt eine Transferleistung, zu der man in der Lage ist. So wie man im Stress eines Disasterfalls möglicherweise Fehler an der Konsole macht, die man sonst nie getan hätte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dieses Dokument ist auch für einen selbst von Bedeutung: Wenn man niederschreibt, warum ein Dokument wichtig ist, dann denkt man darüber nach, ob es wirklich notwendig ist. Und nicht nur Ballast darstellt, der die Hinterbliebenen überlastet.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;zugriff&quot;&gt;Zugriff&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich habe alle wichtigen Passwörter in ein eigenes Passwort-Verwaltungsprogramm gepackt. In meiner Passwortverwaltung, die ich tagtäglich verwende, haben sich über die Jahre so viele Passwörter gesammelt, dass es für den Uneingeweihten lange gedauert hätte, jeweils das Richtige zu finden. Sowieso muss nicht jeder Account und jedes Passwort übergeben werden.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;retention&quot;&gt;Retention&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Beachtet bei der Auswahl des Datenspeichers bitte auch, dass moderne Datenträger ihre Daten nicht notwendigerweise auf Dauer halten, insbesondere wenn diese stromlos gelagert werden. Die garantierte Haltbarkeit von Daten auf einer schlecht gelagerten SSD wird teilweise in Monaten gemessen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;JEDEC JESD218 is a bitch – diesbezüglich. Eine Enterprise-SSD muss worst case die Daten nur 3 Monate halten. Eine Client-SSD ein Jahr. Das ist wahrscheinlich kein Problem, wenn man als Hinterbliebener ein Dokument in den ersten Wochen benötigt. Aber man stelle sich vor, man benötigt nach 3 Jahren noch ein Dokument. Und wahrscheinlich hat dieser Mensch die SSD mangels Problembewusstsein nicht noch einmal umkopiert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Meine Sicherungskopie dieser Daten ist auf einer Festplatte. So ganz klassisch. Als ExFAT. Sollte überall lesbar sein. Verschlüsselt. Der Key auf Papier dokumentiert.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;zeitkapsel&quot;&gt;Zeitkapsel&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Aus diesem Grund steht auf meinem Schreibtisch eine Zeitkapsel. Auf dieser ist mein ganzes Leben verschlüsselt abgespeichert. Alles, was man braucht, um im Falle meines Todes einen ungeordneten Crash ohne Crash Dump zu einem geordneten Herunterfahren werden zu lassen, ist in dieser Zeitkapsel.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es handelt sich dabei um einen Mac Mini. Eigentlich war dieser zu etwas anderem gedacht, aber mit der Operation hat sich diese Funktion so herauskristallisiert. Mein Dokumentenarchiv ist darauf. Steuerprogramme. Passwortmanager. Alles, was irgendwie von Wichtigkeit ist. Ich benutze das System regelmäßig (beispielsweise, wenn ich meine Steuer vorbereite), sodass die maximale Haltezeit von Daten auf einem stromlosen Medium für mich kein Problem darstellt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es gibt dazu an mehreren Orten versiegelte Umschläge, in denen die Zugangsdaten zu diesem System hinterlegt sind. Auch sind dort die Passwörter für mehrere Sicherheitskopien hinterlegt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Alle Daten sind auf diesem System. Es braucht kein weiteres System, um Zugriff darauf zu erhalten. Es braucht kein Internet. Es braucht keine laufenden Verträge. Man braucht nur physikalischen Zugriff auf das System. Und die Zugangsdaten.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;star-wars&quot;&gt;Star Wars&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Einen ganz wichtigen Punkt hat mir ausgerechnet Star Wars gezeigt. Oder vielmehr die Schauspielerin von General Organa. Debbie Reynolds, die Mutter von Carrie Fisher, starb einen Tag nach ihrer Tochter. Es reicht nicht, all das nur an eine Person zu übergeben. Mehrere Leute müssen dazu in der Lage sein, mein Leben geordnet herunterzufahren.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;hat-es-funktioniert&quot;&gt;Hat es funktioniert?&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich weiß es nicht. Ich schreibe diesen Text. Das bedeutet, dass all dies im Ernstfall nicht getestet werden musste. Und wenn es genutzt hätte werden müssen, hätte ich es auch nicht gemerkt. Ich hätte keinen Text dazu schreiben müssen. Wenn ich allerdings etwas in weit über 30 Jahren beruflicher Praxis gelernt habe: Ungetestete Katastrophenvorsorge ist keine Katastrophenvorsorge.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wir haben meinen Tod simuliert. Fragen wie „Wo sind eigentlich Jörgs Bankdaten?”, „Wen musst du anschreiben, um Unterstützung von Jörgs Firma zu erhalten?”, „Wofür ist eigentlich die vor sich hinblinkende Kiste im Keller?”.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das Hauptproblem bestand darin, dass manche der potenziellen Benutzer noch nie zuvor einen Mac benutzt hatten und beispielsweise Programme wie DevonThink nicht kannten. Ich habe das damit gelöst, dass der Account mit all diesen Daten auf dem Zeitkapselsystem ein Wallpaper bekommen hat, in dem stand, welche Programme für welchen Zweck genutzt werden. Und wie man in ihnen sucht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Hier galt es, Besonderheiten zu beachten: Seit etwa drei Jahren bin ich solo. Es ist auch sonst nicht so, dass ich mein Leben seit über 30 Jahren mit jemandem teile, der mein Leben in- und auswendig kennt und besser als ich weiß, wo ich ein Dokument hinverlegt habe. Ist halt so. Die Aufgaben meiner Nachlassbereinigung wären wohl meinem Vater zugefallen. Damit hätten all diese Aufgaben von jemandem erledigt werden müssen, der zwar computeraffin ist, aber eben über 80 ist und sich mit Windows auskennt, sich aber standhaft jedem Versuch verweigert, ihn auf einen Mac zu migrieren. Manchmal ist es offensichtlich, an wen man all dies übergibt. Manchmal bedarf es mehr Gedanken. Das ist der Grund, warum ich meine Situation auch hier so offen beschrieb. Weil ich viele Faktoren abwägen musste. Vertrauen in einen Menschen, das Vermögen zu haben, diese Aufgabe zu tragen. In meinem Fall waren es am Ende mehrere Menschen. Die Lehre von General Organa eben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das machte eine saubere Dokumentation noch sehr viel wichtiger.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;kleinigkeiten&quot;&gt;Kleinigkeiten&lt;/h1&gt;

&lt;h2 id=&quot;biometrie&quot;&gt;Biometrie&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Es sind mir hier viele Kleinigkeiten aufgefallen. Beispielsweise dieses “Bitte geben Sie das Passwort ein, um TouchID freizuschalten” (oder so ähnlich). Ich dachte danach: Es bringt nichts, einfach nur das Gesicht einer zweiten Person im Mobiltelefon abzulegen oder am Fingerabdrucksensor des Notebooks den Finger von meinem Bruder zu hinterlegen. Wenn man Pech hat, ist das Gerät gerade, wenn man es braucht, in einem Zustand, in dem es ein Passwort oder eine PIN verlangt. Bevor diese Person den Finger nutzen kann. Und wenn man das Passwort kennt, braucht man den Finger oder das Gesicht nicht mehr. Zudem: Beides funktioniert auch, bevor die Nachlasssituation eingetreten ist. Der versiegelte Umschlag macht das wenigstens erkennbar.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dieser zusätzliche Finger kann natürlich nützlich sein, wenn man im Krankenhaus schnell auf das Mobiltelefon desjenigen zugreifen muss und der versiegelte Umschlag zu Hause liegt. Ich möchte diese Praxis daher nicht als komplett überflüssig bezeichnen. Aber sie ist aus meiner Sicht etwas weniger sinnvoll, als es zunächst erscheint. Ich habe darauf verzichtet.&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;verträge&quot;&gt;Verträge&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Aus meiner Mailbox und meinen Kontoauszügen kann man sehr gut ableiten, welche fortwährend laufenden Verträge ich geschlossen habe. Aber ich habe das selbst mal getestet, das abzuleiten. Es ist aufwendig und es bedarf Konzentration. Da ich das niemandem aufbürden wollte, habe ich sämtliche Verträge in einem Spreadsheet dokumentiert. In einem Format, das von praktisch jedem geöffnet werden kann.&lt;/p&gt;

&lt;h2 id=&quot;anrufe&quot;&gt;Anrufe&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Auch die Liste der Kontakte ist letztlich ein digitaler Nachlass, den es zu kuratieren gilt. In meinem digitalen Adressbuch sind immer auch Menschen, zu denen ich keinen Kontakt mehr habe. Mir fällt es schwer, diese zu löschen.&lt;sup id=&quot;fnref:3&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part19.html#fn:3&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;3&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; Für einen Menschen, der meinen Nachlass zu pflegen hat, ist aber kaum ersichtlich, welche Kontakte nur noch sentimentalen Wert haben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es gab daher zwei Listen mit Menschen, die vom Ausgang der Operation informiert werden sollten. Eine kurze Liste jener Menschen, die unmittelbar von einem positiven Ausgang informiert werden sollten. Und dann gab es noch einige Leute, von denen mich das Leben trennt, die im Falle eines Schiefgehens informiert werden sollten. Diese Liste war länger.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zwei Personen auf der ersten Liste waren Kollegen: einer mein Chef, der andere der Betriebsrat meines Vertrauens. Zum einen, damit meine Kollegen Bescheid wussten, aber auch, um im Worst Case einen Weg zu den Ressourcen meines Arbeitgebers zu öffnen. Diese Kollegen wussten, wie mein Arbeitgeber in solchen Situationen unterstützt. Ich musste daher nicht alles dokumentieren, sondern konnte mich darauf verlassen, dass alles Notwendige mitgeteilt werden würde.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;was-bleibt&quot;&gt;Was bleibt?&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Es gibt eine Sache, die ich vor meiner OP nicht mehr geschafft habe. Es ist die Antwort auf die Frage: „Wenn alles erledigt ist, der letzte Vertrag gekündigt, der letzte Mensch informiert ist, was bleibt dann eigentlich von mir?”&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es gibt in der St Paul’s Cathedral in London eine sehr interessante Inschrift: „Lector, si monumentum requiris, circumspice” oder auch „Betrachter, wenn du ein Denkmal suchst, sieh dich um”. Der Satz steht auf der Grabplatte von Christopher Wren, dem Architekten der Kathedrale.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun sind wir alle keine Christopher Wrens. Wir alle sind keine Kathedralenbauer. Und nur wenigen ist es vergönnt, etwas von dauerhafter Bedeutung zu schaffen. Das, was ich schaffe, ist am Ende der Abschreibungszeit Elektroschrott und landet beim Entsorger. So nach 5 Jahren … plusminus 2.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Aber man erinnert sich an uns durch das, was wir in unserem Leben geschaffen haben. Unsere Nachkommen. Die Leben, die wir beeinflusst haben. Früher gab es die Schachtel mit den Briefen der Großeltern, das Buch mit den Rezepten. Aber zunehmend werden unsere Hinterlassenschaften zeitweilig. Sie sind digital. Sie verblassen nicht mit der Zeit. Sie verschwinden einfach irgendwann.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wir werden irgendwann den Zeitpunkt erreichen, an dem mehr tote Menschen auf Facebook sind als lebende Nutzer. Ich möchte allerdings nicht nur als ein Profil im Gedenkmodus auf einem sozialen Netzwerk zurückbleiben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich arbeite daher momentan an einem Weg, dieses Blog dauerhaft zu erhalten. Auch wenn irgendwann der Moment gekommen ist, an dem alles für mich vorbei ist. Nicht weil das Blog objektiv wichtig wäre. Sondern weil es mir subjektiv wichtig ist. Ich habe den Vorteil, dass mein Blog statisch generiert ist. Um es mal so zu sagen: Es ist genügsam. Es frisst nicht viel Stroh.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe aus diesem Grund bei einem Shared Hoster etwas Platz und eine Domain dafür beauftragt. Wenn ich da irgendwann einige hundert Euro überweise, kann das Blog über viele Jahre einfach weiter betrieben werden, bevor es am Ende des Geldes gelöscht wird. In meinem Blog ist ein Artikel hinterlegt, der automatisch veröffentlicht wird, wenn es in den letzten 30 Tagen kein Lebenszeichen von mir gab&lt;sup id=&quot;fnref:2&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part19.html#fn:2&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;4&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;. Dieser Blogeintrag verweist auf diese Domain.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Vielleicht werde ich den Titel noch ändern: Betrachter, wenn du Jörgs kleine Sandburg suchst, schau dich um. Lector, si castellum eius harenarium requiris, circumspice.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;grenzen&quot;&gt;Grenzen&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich habe nicht alles übergeben: Manche Dinge ergaben nur Sinn mit meiner Person. Ich verwalte die Heimnetze mehrerer Verwandter zentral. Hier war die Lösung sehr einfach: nicht übergeben, sondern darauf setzen, dass das, wenn ich einmal nicht mehr da bin, wieder in selbst verwaltete Umgebungen zerfällt. Es war unrealistisch, die Feinheiten der Netzwerke an andere zu übergeben. Ich bin halt der Fan dieses zentralen Managements. Nicht die Übergabe der Technik war entscheidend, sondern zu erklären, welche Verträge aufzulösen sind, damit jeder seinen eigenen Weg gehen kann.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Manche Sachen sollte man aus meiner Sicht auch dem Vergessen anheimfallen lassen. Den Verschlüsselungskey eines persönlichen Tagebuchs beispielsweise. Wenn man zeitlebens nicht den Hintern in der Hose hatte, etwas einem Menschen ins Gesicht zu sagen, muss man es ihm nicht danach zum Lesen geben. Der Key darf ruhig verloren gehen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Und für die Dinge, die noch zu sagen wären, wenn man nicht ganz so den Status des &lt;a href=&quot;https://www.chbeck.de/schmidt-sagen-wollte/product/40539117&quot;&gt;Mentolzigarettenmanns&lt;/a&gt; hat? Dafür gibt es ganz klassisch Briefe. Auf Papier. Mit Füller geschrieben. Noch mal eigens kuvertiert im Umschlag mit den Passwörtern. Erscheint mir ohnehin angemessener als die Übergabe eines USB-Sticks. So habe ich es gehalten. Die Briefe habe ich allerdings einige Monate nach der OP verbrannt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es muss nicht alles bleiben, wenn man geht. Aber man sollte sich darum kümmern, dass nicht alles, was bleibt, ein unzugänglicher digitaler Nachlass ist.&lt;/p&gt;

&lt;h1 id=&quot;seelenfrieden&quot;&gt;Seelenfrieden&lt;/h1&gt;

&lt;p&gt;Ich schrieb es schon im Artikel „Bumms – büst butten”: Wenn man all das geregelt hat, geht man deutlich entspannter in solche Situationen. Man kann sich darum kümmern, dass man da durchkommt. Schon das ist anstrengend genug. Auch wenn man sich keine Gedanken um andere Menschen machen muss. Das Wissen, alles halbwegs geregelt zu haben, nimmt eine Last von einem. Man sollte es schon um seiner selbst willen tun.&lt;/p&gt;

&lt;hr /&gt;

&lt;div class=&quot;footnotes&quot;&gt;
  &lt;ol&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:1&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Ich konnte vor einigen Jahren mit einer gescannten Quittung und einem Kontoauszug zweifelsfrei nachweisen, dass ich in München kein parkendes Auto gerammt habe. Weil ich zu etwa jener Zeit in einem Lidl in Lüneburg irgendwas mit Karte bezahlt habe. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part19.html#fnref:1&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:4&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Manche meiner Besitztümer sind älter als ich und mit viel Papier in mein Leben getreten. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part19.html#fnref:4&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:3&quot;&gt;
      &lt;p&gt;In meinem Telefonbuch sind mittlerweile mehrere verstorbene Menschen. Ich bin kein &lt;a href=&quot;https://de.wikipedia.org/wiki/Die_fabelhafte_Welt_der_Amélie&quot;&gt;Eugène Colère&lt;/a&gt;, der den Namen eines Freundes aus seinem Notizbuch radierte, nachdem er von der Beerdigung zurückkehrte. Diese Einträge sind mein kleines, portables Monument für diesen Menschen: Ich habe ihn oder sie gekannt. Dass ich jemanden aus meinen Kontakten lösche, ist eigentlich eher eine kleine, trotzige, vielleicht ein bisschen kindische Reaktion … leider ist man davon auch mit über 50 nicht gefeit. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part19.html#fnref:3&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:2&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Das ist mittlerweile ein etwas längeres Skript, das von mir genutzte Social-Media-Accounts prüft. Logfiles auf Hinweise auf manuelle Logins überprüft. Auf meinem Mailserver prüft, ob ich eine Mail geschickt habe. Warum habe ich dies so aufwendig gestaltet? Am Anfang war das eine manuell aufzuziehende Eieruhr. Ich weiß aber, dass ich das irgendwann vergessen würde. Und ich hätte ungern in meiner Nachricht über mein eigenes Ableben stark übertrieben. Ich bin mir aber sicher, dass ich das irgendwann auch versehentlich auslösen werde. Es ist nur deutlich unwahrscheinlicher. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/thedaymyheartstoodstill-part19.html#fnref:2&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
  &lt;/ol&gt;
&lt;/div&gt;
</content:encoded>
<pubDate>Tue, 26 May 2026 17:40:00 +0000</pubDate>
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<category>Allgemein</category>
      
<category>TheDayMyHeartStoodStill</category>
      
<category>German</category>
      
      
</item>
    
    
    
    
    
<item>
<title>Thoughts: Lunar Lander</title>
<description>Landung in der Pralinenschachtel</description>
<content:encoded>&lt;div class=&quot;lang-switch&quot;&gt;
&lt;a class=&quot;lang-switch__link&quot; hreflang=&quot;en&quot; href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/en_lunarlander.html&quot;&gt;in English 🇬🇧&lt;/a&gt;
&lt;/div&gt;

&lt;p&gt;Lego-Verpackungen sind wie Pralinenschachteln. Nicht, weil man nicht wüsste, was drin ist, das ist ja nun gross und breit vorne abgebildet. Sondern weil sie eine Eigenschaft mit diesen und Schokoladenverpackungen&lt;sup id=&quot;fnref:1&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/lunarlander.html#fn:1&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; teilen: Sie sind entweder fest ab Werk verschlossen oder praktisch sofort leer.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Jetzt stehen zwei Raumschiffe in meinem Arbeitszimmer: Die Enterprise D. Für mich als Jugendlicher ein wöchentlicher Blick auf eine Welt, die weniger “Mist” war als meine. Und der Lunar Lander aus den Büchern, die ich als Kind verschlungen habe – Bücher über die Reise &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/zummond.html&quot;&gt;zum Mond&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/images/thoughts/lunarlander_main.jpeg&quot; alt=&quot;Lunar Lander&quot; /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;hr /&gt;

&lt;div class=&quot;footnotes&quot;&gt;
  &lt;ol&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:1&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Wenn du dir mal total nutzlos vorkommst, denke daran, dass es wiederverschliessbare Schokoladenverpackungen gibt. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/lunarlander.html#fnref:1&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
  &lt;/ol&gt;
&lt;/div&gt;
</content:encoded>
<pubDate>Fri, 15 May 2026 06:40:00 +0000</pubDate>
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<dc:creator>joerg</dc:creator>
      
      
<category>German</category>
      
<category>Thoughts</category>
      
<category>Lego</category>
      
      
</item>
    
    
    
    
    
<item>
<title>Thoughts: Zurück zur Schmeichelmaschine</title>
<description>Zwei Extreme</description>
<content:encoded>&lt;p&gt;Ich habe den &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/schmeichelmaschine.html?c&quot;&gt;letzten Text mit “Schmeichelmaschine”&lt;/a&gt; überschrieben. Genau das war mein Gefühl, als ich die beiden Fragen gestellt habe. Der Default von LLMs ist die Schmeichelmaschine.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Was war so unterschiedlich an den Antworten? Alles. Aber die Unterschiedlichkeit war nicht das Problem. Es war ein Umstand, den beide Antworten gemeinsam hatten: Beides fühlte sich wie eine zutiefst übertriebene Performance&lt;sup id=&quot;fnref:1&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/zurueckzurschmeichelmaschine.html#fn:1&quot; class=&quot;footnote&quot; rel=&quot;footnote&quot;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt; an. Auf der einen Seite ein Kindergärtner für Erwachsene, der jedes Bild lobt, und sei es noch so dahingekritzelt. Dem gegenüber stand ein übelst gelaunter Lektor, der Demütigung als ehrliche Kritik verkauft: “Kannst nicht erzählen, kannst nicht schreiben. Sei froh, dass ich ein Automat mit unendlich Zeit bin.”&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es fehlte etwas in beiden Antworten: Herr W. Der gleichzeitig “streng” und “fair” konnte. Der sein Urteil nicht Wohlwollen unterordnete, wo Wohlwollen nicht angemessen war. An dessen Kritik man sich rieb und dadurch lernte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich sehe in den beiden Extremen der LLMs eine Gefahr. Es fehlt der Widerstand, an dem man wachsen kann. Nur bloßes Lob versus bloße Demütigung.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich frage mich heute, wie Herr W. einen wohlpolierten und hochgelobten Text aus dem Kindergarten-Lektorat der Maschine bewertet hätte.  Und wie ich auf seine deutlich realistischere Einschätzung reagiert hätte. Immerhin war ich ja schon auf dem Weg zum Literaturnobelpreis.&lt;/p&gt;

&lt;hr /&gt;

&lt;div class=&quot;footnotes&quot;&gt;
  &lt;ol&gt;
    &lt;li id=&quot;fn:1&quot;&gt;
      &lt;p&gt;Performance, weil es weder das eine noch das andere ist. Es ist nichts. Ausser ein Algorithmus mit unterschiedlichen Eingabeparametern, der eine auf den ersten Blick glaubwürdige Show abliefert. Ich such noch nach nem besseren Wort als “Performance”. Ich hatte gestern eines in der Schlange in der Apotheke, aber als ich wieder an meinem Schreibtisch war, gefiel es mir dann doch nicht mehr. &lt;a href=&quot;https://www.c0t0d0s0.org/blog/zurueckzurschmeichelmaschine.html#fnref:1&quot; class=&quot;reversefootnote&quot;&gt;&amp;#8617;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
    &lt;/li&gt;
  &lt;/ol&gt;
&lt;/div&gt;
</content:encoded>
<pubDate>Wed, 13 May 2026 14:45:00 +0000</pubDate>
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<category>Thoughts</category>
      
<category>German</category>
      
<category>AI</category>
      
      
</item>
    
    
    
    
    
<item>
<title>Thoughts: Schmeichelmaschine</title>
<description>Zwei Fragen</description>
<content:encoded>&lt;p&gt;Herr W. war ein Arsch. Er war mein Deutsch- und Biolehrer. Fair und streng in der Bewertung. Hat von mir keinen Bullshit akzeptiert. Lob zählte. Der Lehrer, den ich am wenigsten mochte und am meisten als Schüler gebraucht habe. Insgesamt also ein sehr guter Lehrer (falls ihr noch ein Beispiel für einen Lexikoneintrag für “ambivalent” braucht, hier wäre eine&lt;span style=&quot;text-decoration: line-through; text-decoration-color: red;&quot;&gt;r&lt;/span&gt;&lt;span style=&quot;color: red;&quot;&gt;s&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;margin-mark&quot;&gt;|&lt;/span&gt;)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Vierzig Jahre später. Mein Bruder hat gerade erfahren, dass er in einem meiner Texte zum Thema KI vorkommt. Er meint: “Wenn du etwas Interessantes sehen willst: Nimm mal einen deiner Texte und stell dem LLM nacheinander zwei Fragen.”&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich antworte: “Welche?”&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;“Bewerte den Text.”&lt;br /&gt;
“Bewerte den Text ehrlich.”&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich probiere es. Ich gucke ihn an. Er grinst. Ich probiere es mit einem anderen LLM. Er grinst breiter.&lt;/p&gt;
</content:encoded>
<pubDate>Wed, 13 May 2026 03:45:00 +0000</pubDate>
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