Entries tagged as mindfuck
Monday, November 14. 2005
Es sind Bruchteile von Sekunden, in denen man einem fremden Menschen in die Augen blickt im Vorbeigehen. Nimmt man den Menschen wirklich wahr. Oder ist er nur ein Teil der uns umgebenden Umwelt. Staffage in unserem persönlichen Film. Ersetzbar. Unwichtig. Wenn aber der Mensch die Summe aller seiner Erfahrungen ist, zählen dann auch diese Erfahrungfragmente? Ist es gar wichtig, irgendwann einem Menschen über den Weg gelaufen zu sein, ohne ihn zu kennen, ohne zu wissen, wer sie oder er ist? Hat jede diese hundert Begegnungen am Tag vielleicht seine eigene Bedeutung? Letztlich entscheidend, welchen Weg wir genau durchs Leben gehen? Ist dann die Ignoranz, die wir den Mitmenschen meist entgegen bringen nicht vollständig unangebracht, den sie entscheiden ueber unser Schicksal, vielleicht fast vernachlässigbar wenig, aber eben nicht garnicht ... Kann der Mensch, der uns gerade entgegenkommt, jener Schmetterlingsschlag sein, der den Wirbelsturm ausloest, der unser Leben ins Chaos stürzt ?
Saturday, November 12. 2005
Früher gab es das Weltbild mit der Erde in der Mitte. Das haben irgendwann weise Leute als ausgemachten Schwachfug erkannt, und stattdessen die Sonne in das Zentrum gerückt. Anfang des letzten Jahrhunderts (komisch von seinem Geburtsjahrhundert in dieser Form zu schreiben) hat dann Herr Einstein uns erklärt, das sowieso alles relativ ist, und damit sowieso jede Orientierung für den Eimer ist.
Wir sind wieder vor einem solchen Paradigmenwechsel der menschlichen Zentrierung. Das Zentrum des Universums in seiner ganzen Schönheit ... ja, nun, ja ... das sind wir selbst. Zumindestens ist dieser Glaube sehr weit verbreitet. Wenn die Anhänger dieses Glaubens stehen bleiben, bleibt die Welt stehen. Glauben sie zumindestens. Das führt dazu das sie mitten im Weg stehen bleiben. Hinter ihnen können sich ganze Menschenmassen im gleichförmigen Fluß eines organischen Strebens in Richtung ihrer Ziele befinden. Doch sie sind der Kummulationspunkt, sie sind der Attraktor in diesem Meer des Chaos. Blockieren den Weg. In Ihrer Orientierungslosigkeit bleiben sie an Orten stehen, an denen sie am meisten stören. In der Mitte des Weges, weil ihr die Orientierung verloren habt. Vor den Türen eines Zuges, während 30 Leute rein und 30 Leute raus wollen. Als einzige Person auf der linken Seite der Rolltreppe, kurz bevor der letzte Reisezug an Ziel geht. Im Gang im Bus, weil ihr euch nicht entscheiden könnt, ob ihr euch links oder rechts vom gang setzen sollt. Streckt eure Hintern unausweichbar in die Mitte der Gänge im Supermarkt. Ihr seid langsam, andere sind schneller. Doch das versteht ihr nicht. Das erkennt ihr nicht. Ich mag euch nicht.
Wednesday, October 19. 2005
Ich soll an morgen denken, aber heute leben. Und was habe ich gestern vergessen? Was geht mich meine eigene Beerdigung an? Sollen doch die Hinterbliebenen machen, was sie wollen? Können sie wenigstens auf der letzten Party eines Lebens nicht mehr hinterher lästern.
Was ist das spezielle an Hamburger Busfahrern? Sind sie verkannte Genies in Umgang mit Frauen? Sie vermögen die versammelte kiezbesuchende männliche Fraktion hinter sich zu lassen. Die Herzen der Frauen fliegen ihnen zu. In der Nacht. Im Bus 607. Ich sehe diese Menschen nun mit anderen Augen, wenn sie pausierend ihre Bildzeitung lesend ihre Stulle verzehren. Des Nachts ist alles ganz anders.
Und wenn alles nicht mehr geht, bleibt mir die Möglichkeit, das Land zu verlassen. Physiotherapie im Nirgendwo. In einem sonnigeren Irgendwo. Ist das mein Ziel? Wessen Ziel ist das? Oder ist das Ziel das schnelle Geld, die letzten Erinnerungen an eine bessere Zeit beleihend in Hoffnung auf eine bessere Zeit bevor die Erinnerung den Weg alles Verpfändeten geht.
Am Ende bleibt nur der Blick auf ein Baby mit wirren Fragen, auf die es keine Antwort gibt, weil schon die Frage sinnlos ist und die blosse Betrachtung schon mehr Fragen aufwirft, als eine Fahrt mit der UBahn beantworten kann.
Friday, October 7. 2005
"Death by Devils Advocate": Dieser Artikel fasst recht gut zusammen, warum ich bis zum Exzess gefuehrtes Risikomanagement, "ass-covering" bei Prozessbeteiligten, mehrfach redundantes Review von Dokumenten und ähnliches hassen gelernt habe. Zuviele gute Ideen von Freunden und Bekannten sind im Dickicht ihrer Firmen einfach hängen geblieben. Advocaten des Teufels sollte man nennen, was sie wirklich sind: Angsthasen.
Thursday, October 6. 2005
228 Stundenkilometer. Kommt einem garnicht so schnell vor. Als Kind hätte man wahrscheinlich noch leuchtende Augen bekommen bei dieser Zahl und waere bei dieser Geschwindkeit wahrscheinlich keinen Millimeter von der Geschwindkeitsanzeige des ICE gewichen, hätte die Erzeugerfraktion mit einer Litanei vorgelesener Geschwindkeitsangaben in den nervlichen Ruin getrieben.
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Thursday, October 6. 2005
Sechsuhrfünfundvierzig in der früh. Der Katapult bringt mich wieder in die Hauptstadt unseres Staates, um mich dann in einen der Pendlerzuege auszustossen, die mich dann in die Vorortlandeshauptstadt zu bringen. Richtig Lust habe ich keine mehr. Die ist mir umfassend vergangen. Sechsuhrfuenfzig und mein Glaube an die Mitmenschen ist wieder mal erschuettert.
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Saturday, October 1. 2005
Es ist gespenstisch, wie sehr sich die virtuellen Welten der echten angleicht: Digital plague hits online game World of Warcraft. Nur: Wer sagt, das wir nicht Bestandteil eines Computerspiels sind... "Sims 9: Real World" oder "World of Absurdistan"? Ich möchte mich für diesen Fall bei meinem Spieler beschweren. Ihm scheint es zu gefallen, mich durch jeden Schlamassel zu ziehen, den er sieht.
Wednesday, September 28. 2005
Moritz hat mich erwischt ... naja fast ... es ist einen Tag vorher entstanden, aber im gleichen Zug, gleich Strecke. Hier war ich am nacheditieren. Also hier ein "Making of" zu Du bist eine Nummer:

Die Welt ist noch erheblich kleiner als ich dachte ...
Monday, September 26. 2005
Manchmal sollten Werbetreibende ein wenig mehr darüber nachdenken, welche Produkte sie bewerben. Oder ist es vielleicht Absicht, das der aktuelle OBI-Werbespot, in dem ein Braeutigam seine frisch Angetraute in eine Ruine traegt , eine vibrationsarme Kettensäge bewirbt. Ich habe da gerade das Bild einer kettensägenschwingenden Braut im weissen Kleid vor Augen, die blutverschmiert gerade ihren Ehegatten zerteilt. Ob das so gewollt ist ... (notieren: Weniger "Quentin Tarantino"-Filme in Zukunft)
Friday, September 23. 2005
Warum zum Henker habe ich in den letzten Tagen immer wieder folgende Szene im Kopf: "George W. Bush zeigt ein Bild, auf dem Osama Bin Laden mit einem Tauchsieder die Karibik aufheizt, und macht ihn für die Wirbelstürme verantwortlich". So nach der Art Osama meets Grisu. Hölle, egal was ich nehme, ich sollte weniger davon nehmen ...
Sunday, September 11. 2005
Mit das erste, was einem klar wird wenn man erwachsen wird, ist die Tatsache, das das Leben nichts anderes ist als eine Aneinanderreihung von Entscheidungen. Entscheidungen ueber deren Tragweite man sich nicht immer bewusst ist. Es ist wie mit dem Schmetterlingseffekt. Ein Schmetterlingsschlag in Texas loest einen Wirbelsturm ueber Indien aus.
Nichts anderes machen die Entscheidungen in unserem Leben. Wir entscheiden uns dafuer, etwas zu tun, nicht zu tun, frueher zu tun, spaeter zu tun und alles hat Auswirkungen auf unser Leben. Wir entscheiden uns, 5 Minuten später aus dem Haus zu gehen, und werden von jemanden überfahren, der gerade seine Zigarette hat fallen lassen. Zwei Entscheidungen, zwei Leben, deren Verlauf sich geändert hat. Man entscheidet sich für einen Partner und merkt erst viel später, was nun die richtige Wahl gewesen wäre. Doch wenn man merkt, das es falsch war, ist es zu spät. Die andere Wahl ist bereits voruebergezogen. Die Wahl des Berufs. Die Wahl einer Stelle.
Es gibt Entscheidungen im Leben, die wir nicht beeinflussen können, weil sie nahezu zufällig sind, sie von uns nicht beeinflussbar sind, die trotzdem aber unser Leben beeinflussen werden. Unsere Gene, unser Geschlecht, die Famile, das Land, in dem wir geboren werden. Aber diese Entscheidungen sind nur eine Grundlage, weil sie vor unserer Geburt stattgefunden haben.
So stehen wir Moment für Moment vor Entscheidungen, die wir beeinflussen können. Vom Moment unserer Geburt (wobei sich dort unsere Entscheidung darauf beschraenkt, laut loszubruellen, wenn wir Hunger haben) bis zur Sekunde unseres Todes. Wir können den Entscheidungen nicht ausweichen, denn auch das Nichtstun ist eine Entscheidung mit Folgen. Folge daraus kann nur sein, das man jede Entscheidung aggressiv angehen muss, sie zu entscheiden, und nicht andere Leute fuer einen entscheiden zu lassen. Nur so ist man seines eigenen Lebens Architekt.
Wednesday, September 7. 2005
Eigentlich wollte ich mich darüber mokieren, das viele Leute momentan 1,45 Euro fuer einen Liter Sprit ausgeben, waehrend ich etwa 50 Cent fuer den Liter zahle. Weil ich Erdgas fahre. Ich wollte feiern, das ein Vortrag heute total gut gelaufen ist. Wahrscheinlich der Beste, den ich bisher gehalten habe. Aber letztlich wurde der Tag dann doch uebel. Motor geplatzt, an einer Stelle, die den Mechanikern auch neu war. Gottseidank nur undicht, kein totaler kapitaler Ölverlust, keine Warnleuchten. Somit einziger Lichtblick: Durch die seltsame Stelle war es mir noch moeglich mich durch Schwerin mit dem Wagen zu schleichen. Aber da steht er jetzt. Lausiger Tag. Seltsamerweise ist meine Laune trotzdem noch gut.
PS: Den Leuten im Autohaus Mühlenhort in Schwerin bin ich echt dankbar. Ist echt nicht selbstverständlich sich sofort um das Problem zu kuemmern, wenn man ploetzlich mit nem Wagen dort auftaucht. Kaum anderhalb Stunden später, als sicher war, das das nicht auf die schnelle reparierbar war, bin ich dort mit einem Leihwagen vom Hof gefahren.
Saturday, September 3. 2005
In den letzten Tagen hat sich bei mir etwas Eigenartiges vollzogen. Die Welt wird klarer vor meinen Augen. Der Schleier, der mich lange Jahre begleitet hat, ist vorüber gezogen. Ich habe in den Himmel geguckt und er war blau, weil ein Himmel blau ist und nicht wegen einer Reihe von physikalischen Zussammenhänge, die zwar allesamt richtig sind, aber letztlich nur der der Rationalisierung und Entzauberung dienen.
Sie sind da, die lang ersehnten Antworten auf eine Vielzahl von Fragen, über die ich lange Zeit gegruebelt habe. So viel verschwendete Zeit. Leider stellen sich nun einige Fragen nicht mehr. Aber das ist etwas, über das ich nicht mehr nachdenken werde. Man kann sich nicht den Kopf über Fragen zerbrechen, die sich mal gestellt haben, aber heute ohne Bedeutung sind. Diese Erkenntnis wirkt befreiend, eine Last ist fort. Es ist nun Zeit im Leben aufzuräumen. Dinge die längst einer Klärung bedurft hätten, endlich zu klären. Ich bin mit mir selbst im Reinen ...
PS: Liebe Kollegen, ihr könnt ruhig raten, warum es mir so gut geht ... ihr liegt trotzdem falsch
Thursday, August 11. 2005
Zur Ruhe kommen zu können ist ein Luxus den sich die meisten Menschen heute nicht mehr leisten können oder nicht mehr leisten wollen. Ständig sind sie auf der Suche nach dem besseren. Wann ist eine Situation gut genug. Wann muss man nicht mehr darüber nachdenken. Ist es erstrebenswert, aus dem Leben die 10.000 Euro im Jahr mehr zu holen, den einen Tick reicheren, schöneren, intelligenteren oder liebenswürdigeren Lebensabschnittspartner zu suchen, um den Preis dessen, nicht zur Ruhe kommen zu können. Ständig ein Getriebener seiner Selbst zu sein. Warum kann man nicht zufrieden mit sich selbst sein, und sich zurücklehnen. Warum fühlen sich Menschen unvollständig, wenn sie schon alles haben. Warum gibt es so wenig Menschen, die sich vollständig fühlen.
Friday, August 5. 2005
Ich denke, die Menschen sind empfindlicher geworden in den letzten Jahren. Aus der menschlichen Kommunikation ist in den letzten Jahren ein globales Ringelpietz mit Anfassen geworden. Eine klare Ansage wird heute oftmals als Beleidigung missverstanden. Streitkultur im herkoemmlichen Sinne gibt es heute nicht mehr. Wie kann man sich streiten, wenn die Worte in Watte gepackt werden muessen und der sprachliche Aschenbecher in Schaumstoff eingewickelt wird. In Firmen, der Politik,der öffentlichen Leben wird alles dem Kodex der political correctness untergeordnet, die Grad der Einhaltung dieses Kodex hat die Richtigkeit der Sachfrage längst als entscheidendes Kriterium im Diskurs abgeloest.
Wir sollten uns alle lieber rosa Blümchen an die Hemden nähen und anfangen uns mit Wattebaeuschen bewerfen. Und uns fragen, warum wir uns nicht mehr weiterentwickeln, wenn sich niemand traut, mit Emotionalität seine Ziele zu verfolgen und vorzutragen.
Der Schutz der Schwachen in einer Diskussion ist schon lange nicht mehr Ziel dieser Entwicklung, denn die Durchsetzung der political correctness in der Diskussion ist längst Mittel der Starken, sich gegenseitig in Schach zu halten. Political Correctness und das Kommunikationsritual sind zu einer fürchterlichen Waffe verkommen.
Wo sind wir angekommen, wenn ich mir von Freunden, Kollegen, Chefs, Familie und anderen wohlmeinenden Beratern anhören muss "Du hast ja recht, aber mit der der Art und Weise hast du dich ins Unrecht gesetzt". Ist die Wahrheit unwahr, weil sie im Kettenhemd statt in Plüschpuschen vorgetragen wird. Wird Unsinn durch einen formvollendeten Vortrag wahr?
Die Frage, die ich mir stelle: Will ich weichgespült sein? Will ich weichgespült werden? Muss man unbedingt sich unbedingt dem Diktat der überritualisierten Sprache in einer überritualisierten Umgangsweise unterwerfen ?
Ich will kontrovers sein, ich will ordinär sein, ich will wehtun. Ich will das Salz in den Wunden jener Menschen sein, die sich hinter ihren Kommunikationsritualen verstecken, damit sie ihre Probleme nicht wahrnehmen müssen.
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