Entries tagged as i hate sundays
Thursday, August 11. 2005
Die Welt hat sich in den letzten Jahren geändert. Während in vergangenen Dekaden es noch eine Kunstform war, möglichst viel so zu verbergen, das man eine Menge erahnen konnte, aber im Grunde nichts sah, gehört es mittlerweile zur Mode Damenunterbekleidung nicht mehr nur unter der Oberbekleidung zu tragen, sondern diese in aller Deutlichkeit nach Aussen darzustellen.
Warum ich überhaupt auf dieses Thema komme, ist etwas seltsam. Ich war gestern am fruehen Abend tanken. An sich ja nichts Besonderes. Nur eins hat mich stutzig gemacht: Wegwerfstringtangas, die jetzt auch an Tankstellen kaeuflich zu erwerben sind. Da ich nicht davon ausgehe, das diese ohne umfangreiche Markstudien in diese Verkaufsstätten gekommen sind, frage ich mich: Was zum Henker bringt die Dame zu einem Erwerb dieser Utensilen beim Tanken ? "Säule 8, eine Schachtel Lungenteer Light und den blauen Stringtanga in Groesse M". Ich habe es auch nicht glauben wollen, als mir eine gute Freundin vor Ewigkeiten davon erzaehlt hat ... bis ich es heute selber gesehen habe.
Nichts das ich gegen dieses Kleidungsstück an sich einzuwenden hätte. Seit einer Kneipenrunde und viel zu vielen Bier vor vielen Jahren zu Studentenzeiten weiss ich viel zu viel über die korrekte Wahl dieser Bekleidungsstücke (Manche Dinge möchte man nicht wissen, wenn man sich die eine oder andere Illusion erhalten möchte. Die Erkenntnis, das es den Weihnachtsmann nicht gibt, ist eh schon schwer genug zu ertragen. Für gewöhnlich geht es im Leben danach eh nur noch bergab). Ich bin nur der Meinung, das manche Dinge nicht derart offensichtlich sein muessen.
Am Ende heisst es wohl nur, das ich jetzt, kaum das ich das dritte Lebensjahrzehnt hinter mich gebracht habe, offiziell ein "alter Sack" bin: Ich kann den Geschmacksverirrungen der Jüngeren nicht mehr folgen. Obwohl, im Grunde ist es mir immer noch ziemlich egal, wie andere Menschen vor die Tür gehen. Nun ja : Zumindestens solange der Tanga nicht über die Schultern gezogen wird.
Nur einen Wunsch habe ich, um dessen Erfüllung ich inständig und demütigst bitte: Möge diese Mode doch bitte bitte bitte nicht auf die Männerwelt übergreifen. Seit einigen Jahren greift ja jeder modische Schwachsinn auch unter Männern um sich.
Friday, June 17. 2005
Nach laengerer Zeit bin ich heute wieder mal nach Berlin unterwegs. Zeit sich mal wieder einige Gedanken ueber das Leben, das Universium und den ganzen Rest zu machen. Momentan kommt mir mein Leben vor, als waere es der Kubus aus dem Film "The Cube". Alle Stunde veraendert es sich komplett und an allen Ecken und Enden warten Fallen, die nur darauf warten, einen in Wuerfel zu schneiden.
Waehrend die Frequenz der Wechsel bisher recht moderat und kontrollierbar war, hat sich das in den letzten Tagen in eine Dauerrotation gewandelt. Die Haeufigkeit der Fallen scheint sich auch betraechtlich erhoeht zu haben.
Ich entscheide mich fuer etwas, doch nur einen halben Tag spaeter sieht alles ganz anders aus. Die Geschwindigkeit nimmt sogar zu. Irgendein hoeheres Wesen nichtexistenter Art scheint momentan einen Clown gefruehstueckt zu haben.
Ich habe den Eindruck, wenn ich nicht aufpasse , und zu einem finalen Ergebniss finde, kommen bald die Draehte aus der Wand und zerlegen mich. Wahrscheinlich werden einige Personen noch mal extra fuer mich neue Draehte einspannen. Dann braucht nur noch die Putzkolonne kommen und mich rausfegen.
Tuesday, June 14. 2005
Ich kann es wirklich nicht mehr hoeren: Das Gewettere buergerlich-neoliberaler Kreise, man solle Sozialempfaenger haerter kontrollieren, staerker belasten. Alles Schwachsinn. Dem moechte ich eine Beobachtung der letzten Monate entgegenstellen, anhand dessen man gut sehen kann, das das soziale Klima mittlerweile in Deutschland sehr viel haerter geworden ist: Bremer Hauptbahnhof, gestern, achtuhrfuenfzehn, Gleis Neun.
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Monday, June 13. 2005
Es ist Abend. Wuerde man nicht inmitten einer Grossstadt wohnen, koennte man jetzt wahrscheinlich die Sonne untergehen sehen, weit draussen am Horizont. Das sind die Momente, in denen die Stadt klein wird. Zu eng wird. Wenn man auf dem Land gross geworden ist, sehnt man sich nach diesem Blick in die Ferne.
Es sind genau diese Momente, in denen man die ganzen Insignien einer Amok laufenden Zivilisation einfach auf die Strasse kippen moechte. Handy nebst Notebook auf die Strasse werfen, um zu warten, dass der naechste schwere LKW beides einebnet.
Ein Moment, um sich einfach an die See setzen um seinen eigenen Gedanken hinterherzuhaengen. Nicht die Schmalspurvariante am Elbststrand, wo der Horizont nach 300 Meter am naechsten Elbdeich schon wieder endet. Nicht jenen Gedanken und Problemen nachlaufen, die in 90 Tagen niemanden mehr interessieren, am wenigsten den Denkenden selbst.
Sunday, June 12. 2005
Man vermag nicht, in andere Menschen zu sehen. Stetig versucht man, das Richte zu tun. Sich richtig zu entscheiden. Dennoch kann man nur mutmassen, was in einem anderen Menschen zugeht, was ihn bewegt. ist etwas ein Annaeherungsversuch oder nur ein Versehen? Ist etwas ehrlich empfundenes Mitgefuehl oder nur Fassade? Ist etwas ehrlich oder unwahr und unlauter? Ist etwas die Loesung eines Problems? Und ist etwas dann die Loesung der eigenen Probleme? Sind die Leute um einen herum gute Schauspieler, oder ist man selbst ein schlechter Beobachter. So verfangen in seinen Gedanken, Bildern, Taten und Erwartungen, das alles und jedes in ein persoenliches System der Bedeutungen gepresst werden soll, ohne zu ueberlegen, ob es auch passt, ob es angemessen ist. Moegliches fuer unmoegliches zu halten, und sich am Unmoeglichen aufzuhalten. Ich hasse Sonntage.
Saturday, May 14. 2005
Was ich ein wenig nervig an Lounges finde, ist die Tatsache, das die Betreiber glauben, das man waehrend des Aufenthalts Nachrichten-Sender sehen moechte. An sich ist das ja auch richtig, aber n-tv ist kein Nachrichtensender sondern ein Agitationsinstrument des Neoliberalismus. Und den Livevortrag des Herrn Stoibers in voller Länge hoeren zu muessen, ohne wirklich der Beschallung ausweichen zu können ist eine Zumutung.
Saturday, May 14. 2005
Ich will jetzt nicht in die momentan laufende Agitation einsteigen, die die Sozialwahl umgibt. Was mir nur auffällt: Wuerde man fuer andere Wahlen soviel Werbung machen, wie für diese Sozialwahl, muessten wir uns glaube ich nicht ueber die Wahlbeteiligung sorgen machen. Bahnhof Zoo ist besonders schlimm: die blauen Maenner wurden ja zwischenzeitlich durch Hasi&Mausi-Models ersetzt ... mittlerweile haengt der Bahnhof voller Briefumschläge.
Thursday, May 12. 2005
Das Schlimme am Älterwerden ist das Verschieben der Maßstäbe. Als ich so um die sechs Jahre war, war es für mich etwas Besonderes wenn meine Eltern mit mir ins 30 Kilometer entfernte Oldenburg fuhren. Richtig toll fand ich es, wenn wir das kurze Stück Autobahn gefahren sind. Eigentlich total überflüssig, länger als der Weg über die Bundesstraße, aber mit sechs ist die Autobahn noch ein magischer Ort, genauso wie ein Bahnhof. Zu jener Zeit hatte ich auch die erste Erfahrung, was Fastfood anging (Sehr prägend im Übrigen, seit dem bevorzuge ich ich McRib, naja heute verzichte ich darauf, aber das ist eine andere Geschichte, die ich wahrscheinlich garnicht erzaehlen werde). Das gelbe M musste 1982 noch mit der Lupe gesucht werden. Auf jeden Fall war damals ein Besuch in Oldenburg besonders und die Enttäuschung war groß wenn der Wochenendeinkauf dann ab und an doch in Leer stattfand. Zu jener Zeit war Aldi im Grenzland zum ostfriesischen Outback noch nicht so präsent wie heute.
Das erste Verschieben der Maßstäbe fand dann irgendwann kurz nach dem Abi an. Wenn man auszieht, um studieren zu gehen. Und nach Oldenburg zieht. Zunaechst ist das toll. Man wohnt in der Stadt, die eine so hohe Anziehungskraft besaß und ... findet es recht schnell nicht mehr besonders. In der Folge sucht man sich andere Ziele und findet sie in Hamburg. Hamburg umgibt der Nimbus des Besonderen. Eine Grossstadt. Empfindet es als etwas besonderes am Hauptbahnhof auszusteigen.
Nun lebe ich in Hamburg und steige mindestens zwei mal die Woche am Hauptbahnhof ein oder aus. Das Besondere ist verschwunden. Der Masstab hat sich wieder verschoben. Noch höher. Weit höher.
Doch welche Ziele sucht man sich jetzt. Berlin? Berlin ist eine Alternative, hat nur den Nachteil das es keine Ersatzbefriedigung für Hamburg darstellt. München? Niemals. Nie habe ich mich in einer Stadt intuitiv so unwohl gefühlt.
Aber da ist ein kleiner Funken, eine Sehnsucht, die mich überkommt, wenn der Blick über die Landschaft gleitet. Eine Stadt, weit im Westen, sehr weit im Westen. Ich war erst einmal da ...
Sunday, May 8. 2005
Es koennte aber auch damit zusammenhangen, das es anscheinend keine guten Uebersetzer fuer englische Filmtitel gibt. "Kingdom of Heaven" in "Koenigreich der Himmel" zu uebersetzen tut wirklich weh:
Filmtitel: "Hohes Prestige" - Kultur - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten
Tuesday, May 3. 2005
Was treibt den Menschen an? Was treibt mich an ? Die Suche nach Erkenntnis ist die Angst vor dem Unbekannten, dem Unerklaerlichen. Die Suche nach Liebe ist die Angst vor dem Einsamkeit sein. Der Wunsch Nachkommen in die Welt zu setzen, ist die Reaktion auf die Angst vergessen zu werden. Die Suche nach Anerkennung ist die Angst vor der Bedeutunglosigkeit. Hass ist die Angst vor der Ueberlegenheit oder Anderartigkeit der Anderen. Religion ist die Antwort auf die Angst vor dem Tod. Normen und Konventionen entspringen Angst vor der Unvorhersehbarkeit des Verhaltens der Mitmenschen.
Und letztlich ist der Mensch die Summe seiner Aengste.
Wednesday, April 27. 2005
Eine gute Freundin von mir meinte mal, das Musik im Grunde genommen nur von drei Empfindungen handelt, etwas gefunden zu haben, etwas zu haben und etwas verloren zu haben. In 90% aller Fälle handelt es sich dabei sogar noch um eine bestimmte Empfindung: Liebe. Jahre später habe ich dann diese Theorie dann noch mal in einem Buch und später in einem Film bestätigt gesehen: High Fidelity. Es gibt kein Film und kein Buch, welches den Zusammenhang zwischen Musik und Gefühlen besser beschreibt.
Ich verstehe irgendwie, das Jugendliche Drogen nehmen oder sich Bäume oder Rasierklingen suchen, um aus dem Leben zu scheiden, wenn sie ständig von Erwachsenen damit beschallt werden, wie sehr doch das Ende einer Beziehung an den Nerven zieht.
Man nehme ich nur mal das Lied "Schnappi". Für den oberflächlichen Beobachter nur ein Lied gar niedlich in seiner Machart, das von Krokodil mit leichter Schnapptendenz handelt. Die eigentliche Aussage dahinter ist eine ganz andere: Du bist Opfer deiner Triebe und du wirst dich niemals davon befreien können, egal wie sehr du da gegen ankämpfst. Du wirst schnappen. Es ist die Kinderversion aller Lieder, die von den Trieben der Erwachsenen handelt. "Es tut weh, aber ich verliebe mich erneut, weil dieser Wunsch verankert ist, weil ich nicht anders kann. Ich muss schnappen, der Trieb ist in mir".
Begleitend dazu gibt es schon seit Jahren einen Zeichentrickfilm, der dieses Bild noch auf Klassenzugehörigkeit ausweitet: Ein Kind moechte sich aus dem elterlichen Milieu erheben und wählt dafuer einen Beruf, fuer den es so garnicht geeignet ist. Dabei ist der Junge in anderen Dingen garnicht unbegabt. Auch wenn die Ideen nicht einer gewissen Skurilitaet entbehren, so sind sie schlussendlich doch zielfuehrend. Man mag jetzt naiverweise wie folgt deuten: Du hast bestimmte Eigenarten, die dir in die Wiege gelegt sind, lerne deine Stärken zu nutzen, auch wenn deine Schwächen dir andere Dinge schwer machen. Die eigentliche Aussage ist viel brutaler: Du bist wer du bist, deine Wuensche interessieren uns nicht, bleib bei dem was du hast, bleib bei deinesgleichen, und nutze der herrschenden Klasse mit deinen Fertigkeiten. Nur der Erzaehlkunst der Autoren ist es zu verdanken, das "Grisu - der kleine Drache" dennoch so beliebt unter Kindern ist. Lady Rovena und Sir Cedric sind quasi prototypisch fuer die momentan oekonomisch herrschende Klasse der MBA-bewehrten Topmanager, die ihre Mitarbeiter (dargestellt durch Grisu und seinen Vater Fumé - der sich mit seinem Schicksal abgefunden hat und nicht mehr die kindliche Naivitaet gegenueber einer moeglichen Revolution der Umstände besitzt) zur Zweckerfüllung global einsetzt. Du wirst nie Feuerwehrmann und du wirst nie Teil der herrschenden Klasse sein. Brutal, nicht wahr ? Und da setzen wir unsere Kinder und Geschwister vor, wenn wir gerade keine Lust haben, uns um sie zu kümmern.
Das Kinder teilweise garnicht wissen, von was ein Lied nun so wirklich handelt ist mir vor einigen Jahren auch klar geworden. Wenn etwa acht- bis zehnjährige Mädchen lauthals bei Mouse-T "Horny" mitsingen, ist entweder mir etwas über die neusten Erkenntnisse der kindlichen Entwicklung entgangen oder diesen Mädchen ist die Bedeutung dieses Vokabulars noch nicht so bewusst.
Wobei mir allerdings der Zusammenhang zwischen "horny" und diesem Lied noch nicht so ganz klar ist. Das Lied sollte eigentlich bei noch nennenswert vorhandenem Musikgeschmack zu sofortiger sexueller Dysfunktion führen.
Um mich jetzt mal wieder aus den Niederungen der expliziteren Komponenten der menschlichen Paarbindungen zu erheben: Spricht man jemanden auf Musik zu einer laufenden oder vergangenen Beziehung an, wird er oder sie einen ganzen Soundtrack zusammenstellen können. Das Lied, als man sich das erste Mal getroffen hat (entschuldbar, wenn man das nicht mehr weiss), die Musik zum ersten Kuss (schon weniger entschuldbar), die CD die während des ersten körperlichen Paarbindungsprozesses lief (das ist schon mal garnicht zu entschuldigen) oder auch die Musik während man gemeinsam in Urlaub gefahren ist. Selbst wenn man sich nicht daran erinnert, so ruft doch das Hören positive Empfindungen hervor. Unbewusst. Deswegen muss man noch nicht mal fragen, was diese Lieder sind. Beobachtet man das Gegenüber genau, so erkennt man bereits nach den ersten Takten, das es es sich um ein solches Lied handelt. Das Lächeln, die leichte Errötung, das Grinsen. Menschen sind so durchschaubar. Bin da nicht anders: Apoptygma Berzerks "Kathys Song" kann ich bis heute nicht ohne zu Lächeln hören.
Seltsamerweise erinnern sich noch mehr Menschen an die Musik, die sie in der Trennung von jemanden gehört haben. Das hämgt aber wohl eher damit zusammen, das viele Menschen dann auf die gleiche Musik zurückgreifen. Ich habe in der ersten wirklich üblen Trennung zu Apocalyptica gefunden und bin dabei geblieben. Obwohl ich mittlerweile für diese und ähnlich betruebliche Anlaesse eine recht gute Playlist habe - sinnigerweise betitelt mit dem Namen "Music for the Gasherd, Vol I". Eigentlich am besten in jenem Schrank zu verwahren, der nur zu zweit geöffnet werden kann. Man kann es nicht besser selbst rausschreien, man kann die Wut nicht besser kanalisieren als mit "Digging in the Dirt" von Peter Gabriel. Der ganze Frust einer endenden Beziehung in vier Minuten.
Am Ende ist es genau dieser Grund, warum Musik existiert. Sie ist nicht dafür da, irgendwelchen Menschen Geld in die Tasche zu stecken. Sie ist nicht dazu da, einfach nur verkonsumiert zu werden, ohne das sie bleibende Eindrücke hinterlässt. Musik ist eine Droge. Konservierte Gefühle in kleinen Dosen. Einnahme nach Bedarf. Keine Nebenwirkungen bekannt.
Sunday, April 24. 2005
Eigentlich darf man der SPD ja keinen Vorwurf machen, das sie sich so schwer tut. Man waechst mit seinen Herausforderungen. Aber wer fordert wirklich die SPD heraus? Ich mein jetzt nicht das einfache "Die koennen es nicht", sondern inhaltsvoller, kontroverser Diskurs. Wie soll man daran wachsen? An was soll man sich messen? Qualitaet der Worthuelsen? Wiederholungsrate von Phrasen? Obwohl, da kann die SPD momentan gut mithalten.
Anderer Gedanke: Ich find das diplomatische Protokoll gut ... es stutzt die wahrgenommene Wichtigkeit von Politikern wieder auf ein realistisches Mass zurecht. Und Landesfuersten und Parteivorsitzende sitzen halt hinter dem dem Aussenminister einer afrikanischen Diktatur. Irgendwo hinten. Wir haben halt momentan das Problem in Deutschland, das die Perspektive für Macht und Bedeutung komplett aus den Fugen geraten ist ... es geht nicht mehr um Weiterentwicklung des Ganzen sondern die Selbstdarstellung im Einzelnen.
Saturday, April 23. 2005
Waere die Taz nicht so teuer fuer so eine duenne Zeitung, ich wuerde sie glatt abonnieren: taz 23.4.05 Der Papst an Rhein und Ruhr
Friday, April 22. 2005
Religion ist etwas Schoenes. Wenn man sich mit bestimmten Wahrheiten nicht einverstanden erklaert (beispielweise: nach dem Tod verfault man einfach ... Ende ... Aus), so kann es recht hilfreich sein, sich ein Gedankenkonstrukt zuzulegen, das einem die Angst nimmt es könnte tatsaechlich so sein. Ich komme offen gestanden ganz gut klar mit dem Gedanken, das ich irgendwann mal meine Betriebszeit überschreite und dann kompostiert werde, auch ohne Religion.
Aber egal ... Religion ist etwas Intimes, Persoenliches. Jedes mal wenn man Religion zu mehr als einem Gedankenkonstrukt hochstilisiert hat und aus dem Bereich des Privaten gezogen hat, hat es in der Vergangenheit Aerger gegeben: Kreuzzuege, Religionskriege, Genozide, Ausgrenzung, Terrorismus .. you name it.
Ich habe bisher gedacht, das die saekularisierte bundesrepublikanische Gesellschaft Religion eben als ein Gedankenkonstrukt verstanden hat, aber die vergangenen Tage haben mich da eines besseren belehrt. Es wird bereits von der Überlegenheit des katholischen Glaubens geredet, auch wenn herr Rüttgers bereits zurueckrudert.
Woher nimmt man diese Überzeugung ? Weil die Gesellschaft in Deutschland gut funktioniert ? Nungut, als ich das letzte mal mich damit beschaeftigt habe, war ein sehr erheblicher Teil der bundesrepublikanischen Bevoelkerung protestantischen Glaubens. Neben einer Vielzahl von anderen Religionen. Sind diese denn nicht am Erfolgsmodell "deutsche Gesellschaft" beteiligt?
Koennte das deutsche Gesellschaftsmodell nicht vielleicht wegen der recht unreligoesen Menschen so erfolgreich sein. Und woraus leitet man Überlegenheit ab? Insbesondere wenn ich daran denke das das katholische Modell eine Reihe von Schwächen hat, die insbesondere dann offensichtlich werden, wenn sie ausserhalb Europas Anwendung finden (Auch auf die Gefahr hin, das ich mich wiederhole: Verhütung und Afrika). Und sollte man mit dem Wort Überlegenheit nicht insbesondere hinsichtlich unserer Vergangenheit vorsichtig sein. Überlegenheit einer Kultur zu postulieren erinnert mich an ganz dunkle Zeiten des Gesellschaftssystems in Deutschland, an die Zeit, an die keiner mehr gerne erinnert wird. Man möge es mir verzeihen, aber mir kam als erstes der Gedanke, das das fast wie "Am katholischen Wesen soll die Welt genesen" klang.
Wann begreift auch der Letzte, das es keine Überlegenheit einer Kultur, eines Gesellschaftssystems gibt. Eine Kultur entsteht aus den Umständen, in denen Menschen leben. Somit ist sie den Umständen angepasst. Entspricht sie diesen nicht mehr, wird sie über kurz oder lang von den Menschen verworfen und weiterentwickelt. Die katholische Kultur ist in Indien als genereller Maßstab genauso unangemessen wie die indische Kultur, wenn sie in Bayern allgemein Anwendung finden soll. Welche Kultur ist nun ueberlegen ? Mal ohne westliche Arroganz nachgedacht ...
Und am Rande gefragt: Warum wird die politische Klasse jetzt christlich-religoes, kaum das ein Deutscher Papst geworden ist? Was aendert es für dieses Land, wenn ein Deutscher Papst wird? Hebt es ein Land hervor, das es einen Papst hevorgebracht hat? Oder ist es nicht viel eher das Ergebnis der Bemühungen des Mannes, der schlussendlich Papst geworden ist ? Und warum sind wir Papst? Ich fühle mich irgendwie so garnicht päpstlich. Ich bin nicht mal Mitglied in dem Verein.
(Update: Gut kommentiert ... Lummaland ... inclusive dem Robert-Bild von wirres.net)
Friday, April 22. 2005
Nächsten Freitag ist es soweit. Ich werde den größten Punkt auf meiner Liste jener Dinge, die ich dieses Jahr erledigen möchte, in Angriff nehmen. Fliegen. Nein, nicht selber fliegen. Ich möchte mich wieder in ein Flugzeug trauen. Vor zwei Jahren habe ich in einer Panikattacke weiche Knie bekommen. Nicht eingestiegen. Kurz nach dem ich den Flughafen betreten habe. Was seltsam ist: Ich bin durchaus schon geflogen. Ich war in Singapur, ich war in Boston, ich war in San Francisco. Stundenlang in Flugzeugen gesessen. Hatte schon immer ein sehr mulmiges Gefühl dabei. Und trotzdem hat es mich an jenem Tag eiskalt erwischt.
Da ich Gepäck hatte - es sollte auf eine fünf Tage dauernde Schulung gehen - war ich schon sehr früh da. Ich habe mich auch noch brav in jene Schlange gereiht, die sich vor dem Schalter zum Einchecken befand. Etwa 10 Minuten. Dann versagten die Beine. Dann versagte der Mut. Dachte, das wuerde vorbeigehen. Es ging nicht vorbei und der Flug ging ohne mich nach Muenchen. Und wie ueblich ist weder auf dem Hinflug, für den ich gebucht war, noch auf dem Rückflug etwas passiert.
Ich war der festen Ueberzeugung, das mit diesem Flug etwas nicht stimmen würde. Das er ein katastrophales Ende nehmen wuerde. Habe die Nacht vorher geträumt, wie ich zur Erde stürze und bin aufgewacht, als ein Teil der Kabine meinen Schädel durchbohrt. Und dummerweise kann ich sehr plastisch träumen.
Mir fehlt wohl Vertrauen. Vertrauen in das eigene Glueck, nicht im ersten Lufthansa-Flug seit Jahren zu sitzen, dem etwas passiert. Das Vertrauen in die Technik. Das Vertrauen in jene Leute, die das Flugzeug steuern.
Dabei ist es durchaus nicht so, das ich Angst vor Flugzeugen habe. Ich finde diese sogar faszinierend. Ich stehe gerne am Flughafen und sehe den Flugzeugen hinterher. Mehr über Flugzeuge wissen wahrscheinlich nur jene, die sich damit beruflich beschäftigen.
Ich habe viel getan, um wieder Fliegen zu koennen. Es gibt wahrscheinlich kein Buch über Flugangst in deutscher Sprache, das nicht im meinem Regal steht. Aber die waren eher dazu geeignet, meine Angst zu verstärken. Mein persönlicher Favorit: Allan Carr "Flugzeuge stürzen nicht wegen Turbulenzen ab, die Tragflächen brechen nicht ab und sie stossen nicht zusammen". Nur - was passierte: Über Queens bricht einer Maschine das Leitwerk wegen Turbulenzen ab, in Kalifornien brechen einem Löschflugzeug im Flug beide Tragflächen ab und über dem Bodensee stossen zwei Flugzeuge zusammen. Das ist sehr vertrauenseinfloessend.
Ich bin mit 270 über Autobahnen gefahren. Ignoriere gerne das Rotlicht an Fussgängerampeln. Und trotzdem habe ich Angst, in ein Flugzeug zu steigen.
Nächsten Freitag ändert sich das. Ich werde in dieses verfluchte Flugzeug steigen.
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