Monday, November 20. 2006
Hier am Südkreuz in Berlin ist die Hölle los. Der ganze Vorplatz voller Krankenwagen, Feuerwehr und Polizei. Hubschrauber. Es sieht wohl so aus, als wären zwei Züge im Bahnhof aufeinander geprallt. Viele Sirenen bis eben. Ziemlich viel Presse läuft hier umher.
Update: 20 Verletzte ....
Monday, November 20. 2006
Peter Lustig hatte so recht. Am Ende seiner Sendung. Das gleiche möchte man jenen Mitreisenden sagen, die versuchen, gegen die Verbindungabbrüche zu brüllen, vergessend das das eine digitale Kommunikation ist: Man kann das Teil einfach mal ausschalten, dann ist man eben mal für eine Stunde nicht erreichbar. Wenn man nicht gerade einen brennenden Schreibtisch hinterlassen hat, ist nichts so wichtig, als das man sich im Zug zum Horst macht, und die ganzen Geschäftsgeheimnisse hinausposaunt.
Sunday, November 19. 2006
Es kocht innerlich in mir. Es brodelt. Es rumort. Nur unter Aufwendung sämtlicher Rückhaltesysteme kann ich mich gerade davon Abhalten nicht einfach nur auszurasten. Arrogantes Miststück vor mir. Randlose Brille. Verbittert erscheinendes Gesicht. Höflichst gebeten, den Sitz wieder nach vorne zu stellen, da ich gerne mit dem Notebook arbeiten würde. Nur ein "Die Sitze kann man zurückstellen, und ich möchte das nun gerne" geerntet. Keine fünf Minuten später setzt sie sich dann nebst Mann um. Und als hätte ich es nicht geahnt. Der Schlag Mensch mit schwarzer Brille mit breitem Rand. Gut das meine Blicke nicht töten können. Noch nicht. Ich halte mich zurück.
Jörg ... du must dich abregen ... du musst dich nicht aufregen ... du musst die Umwelt tolerieren... beruhige Dich. Augen schliessen. Ich bin ruhig. Ich rege mich nicht auf.
Nur um Sekunden später durch ein eben so schräg wie schlecht gesungenem "Viva Colonia" aus dem mühsam errungenen Equilibrium gezwungen zu werden. Nein ... die Kohorten der Vorhölle, die Heralde der Apokalypse ... 10 selbsttitulierte "Mädels" (Schabracken wäre treffender) im selben Waggon. Das halte ich nicht aus ... wo ist die Motorsäge, wenn man eine braucht? Wo eine Axt?
Wozu brauchen wir Terroristen, wenn uns unsere Mitmenschen schon terrorisieren?
Thursday, November 16. 2006
Es gibt einen Schlag Mensch, den ich schlichtweg hasse: Das sind junge schleimige Mittelmanager, die mit einem höher gestellten Kollegen eine Dienstreise machen und sich laufend meinen, einschleimen zu müssen, dieses Business-Denglisch sprechen und eine Worthülse nach der anderen abschiessen. "Wir haben da einen Need", "aber der ist untouchable", "... in der Komfortzone ...". Und das sind nur die Worte zwischen Bergedorf und Friedrichsruh und nur die Worte, die laut genug gesprochen worden sind, das man sie ohne Hinhören hören kann und den "Bullshit Detektor" anspringen lassen.
PS: Manager brauchen Widerworte, sonst glauben sie am Ende noch sie hätten immer recht
Friday, November 10. 2006
Es ist der ultimative Exibitionismus. Will man heute das innere der Öffentlichkeit zuwenden, braucht man sich keinen Trenchcoat mehr zu kaufen, um allerlei alte Damen im Stadtpark zu erschrecken. Mittlerweile haben ein Grossteil aller Deutschen das entsprechende Utensil griffbereit in einer Ihrer Taschen. Das Gerät nennt sich Mobiltelephon. Ich habe mich ja schon häufiger darüber mokiert, das Businesstrottel ihre Geschäftstätigkeiten dem geneigtem (aber auch dem ungeneigtem Ohr) entgegen schallen.
Was hingegen immer interessant ist, ist das morgentliche Telephonat von Privatmenschen. Kaum dem partnerschaftlichen Bette entfleucht, werden die lieblichsten Bekundungen der gegenseitigen Zuneigung dem Lebensabschnittsgefährten zuhaucht. Im Grunde genommen ist dies aber nur der uninteressante Teil, auch wenn er das eine oder andere Lächeln auf die Mundwinkel zu zaubern vermag ("Hach ... die Welt ist doch schön.").
Denn seien wir doch mal ehrlich. Wenn einem anderen Menschen Gutes widerfährt, ist das doch eines Anflug von Neid wert. Insofern horcht man dann doch mal ganz genau hin, wenn man den Ruch der des Verderbens und des Unglücks in der Stimme des telephonierenden Gegenübers.
Man erfährt so, das die Trennung mit über dreissig keine Katastrophe ist, sondern blanke Normalität. Trennung von Haus, Hof, Hund und Kind werden in kürzester Zeit vollzogen. Gerade noch die vertraue Beziehung, jetzt schon zwangsweise Übernachtungsgast in einem Büro voller Kuscheltiere. Der Trend geht klar zur Zweit- und Drittscheidung. Kündigung. Das Ende einer Lüge, der Anfang einer Wahrheit. Das Ende eines irgendwo und irgendwann angefangenen Endes. Probleme mit den Eltern. Tod. Trennung. Schmerz. Ende.
So wird man dann in 90 Minuten durch die Abgründe des realen Lebens gezogen um gestärkt in den Tag zu gehen. Denn heute war ich Zuhörer. Zwangsweise Voyeur im Leben anderer. Aber das ist okay, denn irgendwann in hoffentlich weiter Ferne werden die Leute sich an irgendeinem, und dann meinem Unglück aufbauen, während ich am Telephon nach den Gründen suche. Dann sind wir quitt.
Friday, November 3. 2006
Hamburg-Berlin. Schon wieder. Eine mir unbekannte, dennoch irgendwie nahestehende Person fragte mich gestern, ob ich nur noch fliegen würde. Worauf ich antwortete : Nein ... nur zur Hälfte. Denn die andere Hälfte meiner Zeit sitze ich in Zügen. Denn irgendwie muss man ja nach irgendwo. Und das Irgendwo liegt manchmal im Nirgendwo. Oder ist einfach zu nah an Hamburg dran, als das sich das Besteigen eines Flugzeugs rechtfertigen liesse.
Ich reise gerne. Denn es gibt keine Möglichkeit mehr Menschen zu begegnen als auf Reisen. Die junge Frau die gedankenvergraben mit einem Bleistift die Striche übt, die sie Bachs "Sonaten und Partiten" entnimmt. Die ältere Frau, die schier am Verschlussmechanismus der Behindertentoilette verzweifelt.Die vielen Unfreundlichkeiten und Höflichkeiten, die umherwabern, wenn viele Menschen, die sich nicht kennen, für eine begrenzte Zeit auf engen Raum zusammengefercht werden. Die Schweizerin beim Checkin, die sich ihrer Attraktivtät derart bewusst ist, das sie nicht bemerkt, das das keine Entschuldigung für Arroganz und unhöfliches Verhalten ist nebst älterem Begleiter, der sich durch das Äussere blenden laesst und eine übertriebene Ergebenheit nach aussen zeigt.
Friday, November 3. 2006
Ich hasse es, wenn irgendwelche Marketingmenschen in irgendwelchen schummrigen Meetingräumen auf irgendwelche - aus ihrer Sicht - gloreichen Ideen kommen. Und die Bahn-Bediensteten sind mal wieder Opfer von solchen Ideen geworden: Nachdem man sich ja schon einige Zeit darüber amüsieren konnte, das einen die freudliche Servicekraft im Bordbistro gern erwartet.
So gibt es jetzt zwei Neuerungen in den ICEs: Man kann sich zum Einen streichelzart den Hintern abwischen, denn es gibt jetzt das Toilettenpapier mit dem Bären im Zug (Die praktischen Klobrillen aus dem Metropolitan haben es leider nicht in die ICE geschafft). Zum anderen kennt man jetzt den Namen der Fahrkartenknipse in der ersten Klasse, die einen gern auch am Platz bedient ... wenn man denn erster Klasse fahren würde.
Saturday, October 7. 2006
Warum muss die Bahn eigentlich immer so uebertreiben? Schwarzbrot mit Salami und Käse ist für mich irgendwie kein "Vollkornbüfett" und zu einem Bistro-Fruehstück gehoert fuer mich mehr als ein Croissant ... vielleicht sollte man das Bistro-"Hohler Zahn" nennen oder Zugfrühstückchen: Wenigstens eine Sache haben sie verbessert. Man darf im Bordbistro nicht mehr rumquarzen.
Aber ein Punkt auf der Tafel mit dieser Ankündigung irritiert mich dann doch ein wenig ... von mässigem Kaffee (erfüllt nur anderthalb Bedingungen von dreien), pappigen Croissants und vereinzelt schon seit Zigtausenden von Kilometern mitfahrenden Kleinstrollen von Chips lasse ich mich nur in Zeiten groesster Not "verführen".
Thursday, September 28. 2006
Manchmal setze ich mich ganz gerne in den Speisewagen des ICE. Zum einen kann man sich da wunderbar ueber die Frontseiten der Bild aufregen (Ich halte mich gerade schwer zurück, die heutige Überschrift, ob wir vor dem Islam kuschen müssen, nicht in eine Linie mit den Zündelüberschriften aus dem rechtsnationalen Lager zu stellen).
Zum anderen findet man hier ein ganz besonderes Amalgam des Menschlichen. Eine ältliche Blondine in kniehohen F...-Mich-Stiefeln flirtet provokant mit einem Anzugträger. Eine Horde Bundeswehrsoldaten erzählt sich gegenseitig bedeutungslosen Geschichten aus dem Alltag einer mittlerweile in dieser Art und Gestaltung völlig überflüssigen Organisation.
Dazu kommen dann nur noch die Raucher, die sich der Ekelhaftigkeit ihres Tuns bewusst sind, und sich zur Befriedigung ihrer Süchte und Bedürfnisse auf Kaffee und Zigaretten kurz in den Speisewagen zurückziehen, um sich für den Tag zu stählen und die letzten Reste des Kondensats der gestrigen Glimmstengel von den Bronchien zu husten.
PS: Ich wusste es ... ich wusste es ... die ältliche Blondine steht gerade an der Kasse und trägt einen mehr als sichtbaren Tanga, der bis zu den Ohren gezogen wurde. Warum sind Menschen nur so vorhersehbar .... kann mal jemand diesen Frauen sagen, das das billig aussieht.
Wednesday, September 20. 2006
... Menschen, die nicht aufstehen können, wenn man sich auf den Fensterplatz setzen möchte.
... insbesondere Menschen, die nicht stehen bleiben, wenn man sich auf den gerade von Ihnen geräumten Fensterplatz setzen will, sondern direkt auf den danebenliegenden Platz plumpsen.
... Menschen, die ohne Vorwarnung den Sitz nach ganz hinten klappen.
... Menschen, die glauben zu flirten aber von Hamburg nach Bremen nur Scheisse labern.
... Menschen, die dem keinen Einhalt gebieten.
... Bahnbeamte, die direkt in das Mikrophon der Lautsprecher anlage pfeifen.
Monday, September 18. 2006
Warum müssen sich Menschen nur so gut in meine Vorurteile passen. Ein Mann, vorm Zug ... kann nicht abwarten, in den Zug zu steigen. Muss wiederholt darauf hingewiesen werden, das der Zug noch gereinigt wird. Hört laute Musik auf den Kopfhöhrern. Nervt. Ist arrogant. In seiner Verhaltensweise leicht unverschämt (Als er von einem Platzkarteninhaber vertrieben wird sagt dieser Herr zu einer jungen Frau, das sie sich doch jetzt woanders hinsetzen soll und wirft seine Zeitung auf jenen Platz). Und was liest er: Eine auf Sylt erscheinende Tageszeitung. Und ich denke nur: Arsch. Eimer. Faust. Auge.
Tuesday, August 29. 2006
Meine Stirn lehnt der Scheibe und die Augen folgenden den Regentropfen, die durch den Fahrtwind getrieben an der Aussenhaut des Zuges entlang gleiten, der mich nach Hannover bringt. Die Gedanken sind überall. Irgendwo. Und doch nirgendwo. Gedankenfetzen treiben durch die Seele und stossen an andere Gedanken. Kettenreaktion im Kopf. Gedanken teilen sich, vereinigen sich, lösen sich auf, um an anderer Stelle wieder ähnlich wiederaufzuerstehen. Der gedankliche Herbst ist da. Viel zu früh.
Monday, August 21. 2006
Wie bescheuert ist denn das? Bewaffnete Sicherheitskräfte in jedem Zug ... Können Politiker eigentlich noch denken? Wissen die eigentlich, wie ein normaler Regionalzug in der zweiten Klasse aussieht? Haben die schon mal einen Bahnhof von innen gesehen? So die letzten paar Jahre? Haben Politiker schon mal geschossen? Wissen sie, das das Schiessen mit Standard 9mm Parabellum in überfüllten Räumen nachgerade gefährlicher ist als das was Terroristen anrichten können.
Thursday, June 15. 2006
"Männer trinken venti". Aha ... das ist also der kleine Unterschied. Ich dachte immer, der läge anderswo, aber nunja ... als Verkäufer der Starbucks-Dependance am neuen Berliner Hauptbahnhof besitzen andere Dinge Priorität. Wie man allerdings aus Jörg Jonathan machen kann ... das weiss ich auch nicht ...
Eins muss man ja den Berlinern jetzt neidlos zugestehen. Gegenüber dem Berliner Hauptbahnhof ist der Hamburger Hauptbahnhof eine sehr lahme Veranstaltung. Moni hat übrigens recht: Den Freunden des selbstgewählten Ablebens kommt dieser Bahnhof sehr entgegen. Wenn ich das richtig gesehen habe, ist es problemlos moeglich, vom obersten Gleis dem ICE auf den Gleisen vor die Schnauze zu fallen. Was natürlich der Sicherstellung des Suizids äusserst zuträglich ist. Bringt einen der Sturz nicht um, wurde man ohnehin vorher vom vom Fahrdraht elektrokutiert. Sollte man wiederum beides überstehen, so wird der Exitusaspirant vom ICE zermalmt. Was natuerlich einen erheblichen Coolnessfaktor hat: Die Witwe kann sagen "Er wurde vom überfahren, von der Oberleitung gebraten und vom Aufschlag nach 30 Meter Fall getötet. Er war ja immer ein ganz Genauer".
Einen Punkt gibt es allerdings zu kritisieren: Ein EC-Automat für den gesamten Bahnhof ist viel zu wenig. Vielleicht habe ich die anderen nur nicht gefunden. Und da anscheinend halb Schweden gerade in akuten Geldnöten war, habe ich auf eine Abhebung verzichtet. So haben mir meine letzten Kleingeldbestände zu oben genannter Erkenntnis verholfen.
Sunday, June 11. 2006
Es gibt eine Sache die man auf garkeinen Fall bei Bahnfahrten vergessen darf: Kommunikationsinhibitoren. Im Volksmund auch Kopfhörer genannt. Wie schön doch die Abgeschiedenheit. Keine Freude groesser, das substanzlose Gerede der Mitreisenden nicht hoeren zu muessen. Wenn die Menschen doch wenigstens miteinander reden würden. Aber meistens ist es doch nur das mittlerweile weit verbreitete nicht zuhoerende Sprechen. Einem anderen seinen gedanklichen Müll auf den Tisch kippen, ohne zu gucken, ob der andere davon etwas aufnimmt, und den Gesprächsfaden vielleicht weiterspinnt. So durchwabert dann nur ein Geflecht aus liegengelassenen Worten den Zug. Wenigstens kann man sich mit Kopfhörern kurzzeitig aus dieser Welt abmelden ...
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